„Das wird einfach lebendig und mitreißend!“

Ein Gespräch mit Jörg Herwegh zum neuen Kinder- und Jugendtheater Wasserburg

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herwegh_kSowohl der Landkreis Rosenheim als auch die Stadt Wasserburg und der Freistaat Bayern haben grünes Licht gegeben: Das Theater Wasserburg kann sein Haus um die Sparte „Kinder- & Jugend! theater wasserburg“ ergänzen. Den Auftakt gibt‘s am Samstag mit der Premiere von „Superman ist tot“. Das Stück von Holger Schober ist für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren geeignet und kann auch von Schulklassen ab der Mittelstufe gebucht werden. Regie führt Jörg Herwegh, der auch für die neue Sparte am Theater Wasserburg verantwortlich zeichnet. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele und Projekte.

Jugendtheater, das hört sich nach einer ganz eingegrenzten Zielgruppe an. Schließt man da nicht automatisch potenzielle Besucher aus?

Herwegh: Nein, ganz und gar nicht. Jugendtheater wendet sich nicht nur an Jugendliche. Ganz im Gegenteil. Jugendtheater befasst sich künstlerisch mit den Wünschen, Hoffnungen, Sorgen und Problemen der heranwachsenden jungen Menschen und ist somit auch ein Theater für Erwachsene. Denn die sind je nach Situation Begleiter, Auslöser, Förderer oder Verhinderer dieser Wünsche, Hoffnungen, Sorgen und Probleme.“

 

Was verbirgt sich für Sie hinter dem Begriff Jugendtheater?

Herwegh: „Jugendtheater“ ist keine wissenschaftliche Abhandlung und keine vermittelnde Präventionsmaßnahme. Es ist lebendiges, mitreißendes Theater, das ästhetisch und inhaltlich den Jugendlichen zugänglich sein soll. In den deutschen Ballungszentren und Großstädten ist „Jugendtheater“ ein geachteter und respektierter Bestandteil der großen Theaterszene mit einer Fülle von Theaterstücken höchster Qualität, die in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Wir vom Theater Wasserburg sind stolz, dass wir dem alltäglichen Wahnsinn eines professionellen Theaters in der Provinz uns nun auch dieser ambitionerten Sparte widmen. Geht es doch um die Menschen, die unsere Gesellschaft in wenigen Jahren mitgestalten  und somit auch unsere Zuschauer sein werden.

Was steckt hinter den Stücken, die beim Jugendtheater zu sehen sind?

Herwegh: Im „Jugendtheater“ gibt es Stücke über die ersten sexuellen Erfahrungen, über die Liebe, über das Einschätzen und Behaupten der eigenen Persönlichkeit in einer anfänglich oft verstörenden und fremden Wirklichkeit, über das Suchen der eigenen Identität, über Gruppenzwang und Mobbing, über Verhaltensmuster, die in Suchtverhalten enden, über das Eintreten für eine bessere Zukunft, über Respekt und Toleranz gegenüber anderen. Über Dinge also, die uns Erwachsene entweder auch noch beschäftigen oder die wir auch für uns noch nicht gelöst haben. Jugendtheater ist daher auch ein gesellschaftspolitisches Theater. Heute ohne den pathetischen Aufrüttler-Duktus der 70-er und 80-er Jahre.

Aber es gibt auch klassische Stoffe, oder?

Herwegh: Ja, natürlich. Jugendtheater klopft auch moderne Klassiker wie „Andorra“ von Max Frisch ab, das wir für Herbst 2016 planen. Diese 1961 uraufgeführte Parabel über den latenten und sich dann erhebenden Antisemitismus, dem ein Junge zum Opfer fällt, ist in seinen Abläufen und Verhaltensmustern einer Gesellschaft erstaunlich zeitgenössisch.

Um was geht es beim ersten Stück „Supermann ist tot“.

Herwegh: In unserer ersten Inszenierung verlieben sich zwei junge Menschen, die sich in ihr Comic-Universum flüchten. Er ist Junkie. Aus Liebe zu ihm gerät auch sie in die Abhängigkeit. Erwachsene Figuren treten in diesem Zwei-Personen-Stück nicht auf. Und doch sind die Erwachsenen immer präsent, zum Beispiel wenn beide in ihren Monologen vor den „Anonymen Abhängigen“ von ihren Eltern erzählen. Oder, viel aussagekräftiger, in ihrem Erzählen über die Eltern plötzlich abbrechen und schweigen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

Premiere

Den Auftakt zum Jugentheater Wasserburg gibt‘s am Samstag, 14. November, 19 Uhr, mit der Premiere von „Superman ist tot“. Ein Stück über den Sog der Liebe, die Magie von Comics und weitere berauschende, nicht ganz ungefährliche Versuchungen. Das Stück von Holger Schober ist für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren geeignet und kann auch von Schulklassen ab der Mittelstufe gebucht werden. Regie führt Jörg Herwegh.

Es spielen: Nik Mayr und Annett Segerer.

Die nächsten Termine: 15., 18., 19., 27. und 28. November sowie 18. und 19. Dezember, Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Weitere Informationen zum Spielplan und Karten für die öffentlichen Vorstellungen über www.theaterwasserburg.de. Karten im Vorverkauf gibt es außerdem bei der Buchhandlung Fabula in Wasserburg, beim Kulturpunkt Isen und im Kroiss Ticketzentrum Rosenheim. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

 

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Foto: Christian Flamm

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