„Das ist eine historische Entscheidung“

Neue Klinik: Wasserburger Stadtrat schafft Baurecht für 200-Millionen-Euro-Projekt

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Unbenannt-1Es war eine Mammutsitzung gestern im Wasserburger Rathaus. Alleine die ersten drei Tagesordnungspunkte beschäftigten die Räte fast vier Stunden. Das wohl wichtigste Thema: Der Satzungsbeschluss zum gemeinsamen Neubau-Komplex von RoMed- und Inn-Salzach-Klinikum (wir berichteten). Auf 200 Millionen Euro schätzt Bürgermeister Michael Kölbl das Projekt, das in Gabersee entstehen soll. „Einen Baukomplex von solcher Größe und Tragweite hatten wir noch nie. Das ist heute eine historische Entscheidung.“

Mit dem Krankenhaus-Neubau und der Zusammenlegung der beiden Kliniken in einen gemeinsamen Komplex erhalte man nicht nur 1500 Arbeitsplätze in der Stadt, sondern auch die Gesundheitsvor- und -fürsorge für ganz Wasserburg und den Altlandkreis. „Das ist für uns als Mittelzentrum ein Riesenschritt.“

Erleichtert zeigte sich der Bürgermeister von der Zusage vom Bund Naturschutz, gegen den Bau nicht zu klagen. „Wir hatten sehr gute Gespräche und ich möchte ausdrücklich dem Vorsitzenden der Wasserburger Ortsgruppe, Gert Graedler, meine Dankeschön aussprechen, dass wir die Angelegenheit mit der alten Eiche auf dem Baugelände ohne gerichtliches Zwischenspiel vom Tisch bekommen haben.“

Gredler habe ihm zu verstehen gegeben, dass das Allgemeinwohl „Gesundheit“ für ihn Vorrang vor dem Erhalt des uralten Baumes habe, der Bund Naturschutz allerdings nicht so einfach über eine solche Sache hinwegsehen konnte und sich deshalb eingeschaltet habe.

Der Bürgermeister spielte auf Probleme bei den Planungen an. Eine 200 Jahre alte Eiche muss dem Neubau weichen, was den Bund Naturschutz natürlich auf die Palme brachte. Der BN hatte deshalb gefordert, nochmals eingehend zu prüfen, ob man den Bau nicht so planen könne, dass der Baum erhalten bleibe …

Dies taten dann auch die Landschaftsarchitekten von „Ludes Generalplaner“, die in einer ausführlichen Präsentation darlegten: Der Baum muss weg, eine Verschiebung des Baukomplexes sei nicht möglich, würde obendrein drei weiter, alte Bäume gefährden. Die Architekten schlugen vor, über die normale Ausgleichpflanzung hinaus, eine neue Baumgruppe zu pflanzen, die in ihrer Summe vom Alter her auf die 200 Jahre der Eiche komme.

Wolfgang Janeczka (SPD) legte bei der Diskussion für seine Fraktion dar, dass der Klinik-Neubau absolut erforderlich sei und durch nichts gefährdet werden dürfe. „Das mit der Eiche finden wir natürlich auch bedauerlich, der Bau muss jetzt aber so schnell wie möglich über die Bühne gehen. Eine Verzögerung von nur einem einzigen Jahr kostet uns mindestens fünf Millionen Euro.“

Lorenz Huber (Bürgerforum) stieß ins gleiche Horn, schränkte aber ein: „Der Bau ist notwendig. Klar. Aber es ist schade, dass wir nicht früher auf die Problematik mit der Eiche aufmerksam gemacht wurden. Das hätte vor den Planungen berücksichtigt werden müssen.“

Sein Fraktionskollege Norbert Bourtesch ergänzte: „Dieser Baum ist eine Majestät. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das bei den Planern Methode hat. Da werden große, schützenswerte Bäume auf den ersten Plänen gar nicht eingezeichnet.“ Auch bei der Planung für den Bahnübergang der B304 in Reitmehring sei dies jetzt auch schon wieder der Fall. Er werde künftig da genauer hinschauen.

Friederike Kayser-Büker (SPD) bedauerte in ihrer Funktion als Seniorenbeauftragte der Stadt, dass bei den derzeitigen Planungen kein barrierefreier Zugang für die Busanbindung des neuen Klinik-Komplexes vorgesehen sei. „Ich finde das schade. Wir sollten da die Planungen nochmals überdenken.“

Wolfgang Schmid ärgerte sich über den zu befürchtenden „katastrophalen Baustellenverkehr“. Der CSU-Stadtrat: „Da sind zweispurige Zufahrten für Lkw im Begegnungsverkehr geplant. Das wird rund um Gabersee ein Wahnsinn. Ich frage mich, warum man nicht von der B15 her südlich eine eigene Baustellenzufahrt einrichten kann.“ Dazu Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann: „Weil wir nicht wissen, wohin der Baustellenverkehr führen wird. Wenn alle Lkw Richtung Rosenheim oder Landshut unterwegs wären, würde das Sinn machen. Richtung Traunstein oder München würde eine solche Zufahrt nur noch zu mehr Verkehr rund um den Kreuzungsbereich B15 und B304 führen.“

Man habe sichergestellt, dass der Gaberseer Kreisverkehr den zusätzlichen Baustellenverkehr aufnehmen könne, ohne, dass es zu größeren Behinderungen kommt. Und: Die Bauunternehmen sind dazu angehalten, ihre Lkw-Fahrten zu takten. „Allerdings werden wir es bei größeren Betonierarbeiten nicht verhindern können, dass mal drei Betonmischer hintereinander in den Kreisel einfahren“, ergänzten die Architekten, die auch nochmals klarstellten. „Bei diesem gewaltigen Flächenbedarf für den Gebäudekomplex und die Hanglage ging es nicht anders: Die Eiche oder die drei anderen, großen und alten Bäume. Wir mussten uns entscheiden.“

Der Stadtrat brachte anschließend einstimmig das 200-Millionen-Projekt auf den Weg. HC

Folie 1 Die Planer machten gestern deutlich, dass der alte Baum (oben) leider weichen muss.

 

 

 

 

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5 Gedanken zu „„Das ist eine historische Entscheidung“

  1. From the other side ....

    Hallo,
    und was ist damit, den Baum umziehen zu lassen? Auf dem Planungsbild gibt’s ja noch genug Platz. Falls das im 200 Mio Budget nicht drin ist, es gibt Crowd Funding. Der Erhalt des Baumes wäre ein Zeichen, wie der Mensch mit der Natur zusammenarbeiten kann.
    Vielleicht steht er ja in 200 Jahren noch, auch wenn es dann die Klinik evtl. nicht mehr geben wird.

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  2. Wasserburger

    Es ist und bleibt eine absichtlich herbeigeführte Schmach. Schauen wir mal, ob es jemandem auffällt wenn wir den Baum einfach fällen… Und das im Jahre 2016.

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  3. Historische Entscheidung:Herr Schmid hatb Recht ,es muß sich doch machen lassen .,das von Rosenheim kommend vor der Brücke rechts zum Baugelände fahren lässt bzw.von Haag kommend mit einer Linsabbiegespur, nach der Brücke, um den Kreisel und die Verwaltung von der ISK mit LKW-Verkehr über Jahre zu entlasten.

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  4. Jeder der jetzt um den Baum schreit, wird sich nicht daran erinnern, wenn er mal dort im Krankenhaus liegt und sich behandeln lassen muss. SCHLUSS.

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    1. Zum ersten Satz: Irrtum! Sie können nicht für alle sprechen!
      Zum zweiten: „Schluss“? Wer entscheidet das hier? SIE?

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