„Danke, dass wir so leben können, wie wir leben“

Über 6000 Einsätze: Großes Lob an die Feuerwehren im Landkreis bei Versammlung

image_pdfimage_print

SchrankEinmal im Jahr treffen sich die Kommandanten der Feuerwehren im Landkreis und die Mitglieder des Kreisfeuerwehrverbands Rosenheim zu einer Dienstversammlung. Das ist in aller Regel eine sehr formale Angelegenheit mit Jahresrückblick und Kassenbericht. Diesmal allerdings stand ein tragisches Unglück im Mittelpunkt: Die Zug-Katastrophe von Bad Aibling, die zwölf Menschenleben auslöschte. Bis zu Beginn der Veranstaltung wurden in der Festhalle in Aschau Bänke und Tische herangeschleppt, so groß war das Interesse …

Um daraus zu lernen, betrachtete Kreisbrandrat Richard Schrank (im Bild links) das Geschehen am Faschingsdienstag aus Einsatzsicht. Man dürfe sich als Einsatzleiter nicht in die Dramatik hineinziehen lassen, man müsswe Abstand finden, sonst funktioniere die Organisation nicht mehr, sagte der Kreisbrandrat.

Auszüge aus dem Einsatzprotokoll belegten, wie viele Entscheidungen schon in den ersten Minuten des Einsatzes gefällt wurden, um der Situation der Menschen im Zug gerecht zu werden. Drei Stunden nach Einsatzbeginn waren alle Personen geborgen, so die Bilanz.

Weil viele Hilfsorganisationen an dem Einsatz beteiligt waren, wäre es möglich gewesen, eine Gesamteinsatzleitung einzusetzen. Ein so genannter Örtlicher Einsatzleiter hätte sich dann um die Koordinierung aller Einsatzkräfte gekümmert.

„Ich habe mich dagegen entschieden“, sagte Kreisbrandrat Schrank, weil der Einsatz funktioniert habe. Man kenne die Gesichter, es sei ein Miteinander gewesen.

Es war aber auch ein schwieriger Einsatz. Zahlreiche Feuerwehrler nahmen im Nachgang professionelle Hilfe in Anspruch, um mit den Bildern im Kopf zurechtzukommen.

Der Kreisbrandrat begrüßte es, dass auch weiterhin immer wieder das Gespräch gesucht werde. Um das Ausmaß des Einsatzes zu belegen, nannte Schrank nur wenige Zahlen. So waren 79 Feuerwehrfahrzeuge, 175 (!) Fahrzeuge des Rettungsdienstes, acht THW-Fahrzeuge und 17 Hubschrauber vor Ort.

Landrat Wolfgang Berthaler (im Foto oben rechts) meinte, man könne nicht oft genug Danke sagen. Der Landrat dachte an seine Zeit als Feuerwehrkommandant und sagte: „Wenn man ein Zugunglück als Übung mit anderen Hilfsorganisationen organisiert, dann sagt jeder, das kommt nicht vor. Aber man sieht, wie schnell es geht.“

Berthaler bedankte sich bei allen Hilfsorganisationen, die immer mithelfen, „dass wir so leben können, wie wir leben“.

Der Landrat betonte zudem die Notwendigkeit des Brandschutzes. Die vielen Unfälle wie beispielsweise Schneizlreuth lehren, wie notwendig eine Brandschau sei.

Die Feuerwehren im Landkreis hatten im Jahr 2015

6.128 Einsätze, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Konkret waren es 657 Brände, 4.688 technische Hilfeleistungen, 392 Sicherheitswachen und 391 Fehlalarme.

Zum Digitalfunk meinte Kreisbrandrat Schrank, die ersten Erfahrungen seien sehr gut. Bis jetzt seien etwa 2.500 Aktive im Digitalfunk geschult, in den kommenden Monaten kämen noch 1.000 dazu. Ab November werden alle Feuerwehren flächendeckend digital funken.

Ein weiteres Thema, das in Zukunft wieder verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden soll, ist die Sicherung von Feuerwehrpersonal in absturzgefährdeten Bereichen. Paul Schnitzenbaumer aus Bad Feilnbach hat ein Team aus Feuerwehrmännern mit umfangreicher Klettererfahrung zusammengestellt und wird Lehrgänge auf Landkreisebene anbieten.

Im Landkreis Rosenheim gibt es 117 Freiwillige Feuerwehren, dazu eine Werksfeuerwehr und zwei Betriebsfeuerwehren. Insgesamt tun dort 6.300 Frauen und Männer als Aktive ihren ehrenamtlichen Dienst.

Noch immer wollen 16 Jugendwehren im Landkreis keine Mädchen!

Dazu kommen noch gut 900 Jugendliche, die in 81 Jugendfeuerwehren ausgebildet werden. Die Tatsache, dass nur 65 Jugendfeuerwehren Mädchen aufnehmen kommentierte Kreisbrandrat Schrank mit den Worten: Die sollten ihre Einstellung überdenken!

Zum Ende der Versammlung wurden ausgeschiedene Feuerwehrkommandanten und stellvertretende Feuerwehrkommandanten verabschiedet, die Unternehmen Hocheck Bergbahnen und Brauerei Maxlrain für ihre langjährige Unterstützung der Feuerwehren geehrt und zwei Ausbilder von Jugendfeuerwehren ausgezeichnet.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.