Damit der Kiebitz in Ruhe brüten kann

Mit Hilfe der Landwirtschaft gelingt im nördlichen Landkreis einzigartiges Schutzprojekt

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KiebitzMit Unterstützung von zahlreichen Landwirten und ehrenamtlichen Vogelfreunden konnten auch in diesem Jahr Kiebitze und Feldlerchen erfolgreich brüten. Wie die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim jetzt mitteilt, wurden im Rahmen des Kiebitzschutzprojektes in 13 Gemeinden im nördlichen Landkreis Rosenheim an die 100 Brutpaare betreut.

Nachdem sich die Vögel auf den Weg in die Überwinterungsgebiete gemacht haben, bedankt sich die Untere Naturschutzbehörde bei allen am Projekt beteiligten Landwirten sowie bei allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für die hervorragende Zusammenarbeit. Mit etwas Glück lassen sich im März und April kommenden Jahres die spektakulären Balzflüge der Kiebitze über den Äckern und Wiesen wieder beobachten. Für Margit Böhm von der Unteren Naturschutzbehörde sind sie ein Sinnbild für die Lebensfreude im Frühling.

Markiertes KiebitznestSeit dem Jahr 2010 bemühen sich Behörde und Landwirte im nördlichen Landkreis Rosenheim die örtlichen Vorkommen zu schützen und die Bestände zu stabilisieren. Die Bodenbrüter sind selten geworden und stehen auf den Roten Listen der Brutvögel in Bayern und Deutschland jeweils in der Kategorie „stark gefährdet“. In den vergangenen 20 Jahren gingen die Kiebitzbestände in Deutschland um mehr als die Hälfte zurück. Aus diesem Grund rief das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit 2015 ein Artenschutzprojekt für den „Sympathieträger Kiebitz“ ins Leben.

Im Landkreis Rosenheim brüten die Kiebitze überwiegend in Maisäckern. Die Brutzeit dauert etwa vier Wochen, danach brauchen die Küken noch einmal fünf bis sechs Wochen, um flügge zu werden. Während der Brut benötigen Kiebitze einen guten Überblick. Dann werden Feinde mutig vom Gelege vertrieben und die Küken vehement verteidigt. Insgesamt bleiben die Zugvögel etwa vier Monate in der Region. Schon Ende Juni sammeln sie sich, um in Schwärmen in ihre Überwinterungsgebiete, unter anderem an die Atlantikküste, auf die iberische Halbinsel und nach Nordafrika, zu ziehen.

Als Bodenbrüter ist der hübsche Vogel mit der auffallenden, vorwitzigen Federholle am Hinterkopf, der markanten Schwarzweißfärbung und den schillernden Flügeldecken in besonderem Maße von der landwirtschaftlichen Nutzung abhängig. Um die Kiebitze bei ihrem Brutgeschäft zu unterstützen, werden im Frühjahr die Gelege gesucht und markiert. Die Landwirte sparen die Nester bei der Feldbewirtschaftung aus und tragen so ganz entscheidend zum Bruterfolg bei. Viele Landwirte schützen die Kiebitzgelege auf eigene Initiative schon seit langem, andere sind dankbar für die Markierung der gut getarnten, leicht zu übersehenden Nester.

Die Feldlerche, eine ebenfalls gefährdete Art die in Wiesen und Feldern brütet, profitiert ebenfalls von den ausgesparten Kiebitzbrutplätzen. Um den einzigartigen, schmetternden Gesang dieses kleinen Bodenbrüters für nachfolgende Generationen zu erhalten, braucht es spät gemähte Feldraine und so genannte Lerchenfenster. Pro Hektar genügen zwei Lerchenfenster mit 20 Quadratmetern um ein Vorkommen der Feldlerche zu erhalten. Viele Landwirte schaffen diese Lerchenfelder durch ein kurzes Unterbrechen beim Ansäen.

Ein wichtiges Ziel des Kiebitzschutzprojekts ist zudem, die Nahrungssituation gerade in trockenen Witterungsperioden zu verbessern. Schon kleinere Geländemulden und Senken, in denen sich Regenwasser sammelt, sorgen für feuchte Böden, in dem die Vögel und ihr Nachwuchs nach Würmern, Bodentierchen und Insekten stochern können. Diese wichtigen Strukturen gilt es zu erhalten und im Bedarfsfall neu anzulegen.

Weitere Informationen zum Kiebitzschutz gibt es bei Margit Böhm von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim, telefonisch unter 08031/392 3301 oder bei Barbara Reinelt im Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner in Wasserburg unter 08071/ 7266 860.

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