Bürgerspieler besuchen das Stadtarchiv

Archivalien des 30-jährigen Krieges im Museum zu sehen

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archivKurz bevor die Archivalien des Stadtarchivs aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges durch einen Restaurator in der Ausstellung aufgebaut werden, die am 16. Juli im Museum Wasserburg eröffnet, weihte Stadtarchivar Matthias Haupt die Bürgerspieler in die Geschichte des 30-jährigen Krieges ein und vermittelte interessante Begebenheiten aus Wasserburg zwischen 1632 und 1648 (wir berichteten).

Ja, sie spielen ein Stück, das aus dramaturgischen Gründen nicht an allen Stellen der historischen Gegebenheit entspricht, aber sie sind auch an der echten Geschichte interessiert – die Wasserburger Bürgerspieler. Die Gruppe zeigte sich derart interessiert an den Originaltexten und archivalisch belegten Wasserburger Ereignissen des 17. Jahrhunderts, dass Haupt nach seinem einstündigen Vortrag noch eine Führung durchs Archiv dranhängte. Das Bürgerspiel 2013 „Teufel, Tod und Wallenstein“ befasst sich mit der Zeit des 30-jährigen Krieges.

Eine Original-Akte, in welche die Bürgerspieler einen Blick werfen konnten und die nun bis Oktober für die Öffentlichkeit in der Ausstellung im Museum zu sehen sein wird, veranschaulicht eindrucksvoll die Situation der Einquartierung der Soldaten in Wasserburg in den Jahren 1632-1634: Bürgermeister und Rat der Stadt hatten keine Einflussmöglichkeit auf das akute Kriegsgeschehen , sie mussten sich eher mit den örtlichen Problemen als Folge des Krieges auseinandersetzen. Schwierigkeiten, die durch die Einquartierung der Soldaten entstanden und den Lebensalltag der Bürger stark beeinflussten, versuchte der Rat der Stadt durch Interventionen zu mildern. Besonders weitreichend waren die Konsequenzen, die Wasserburg als Garnisonsstadt zu tragen hatte. Die Stadt diente als „militärischer Stützpunkt“ und beherbergte und versorgte Offiziere und Soldaten samt Familien und Pferden mit Quartier, Nahrung und Sold.

Der Soldatenunterhalt fiel, wie damals üblich, den Bürgern zu. Zu den andauernden Quartierlasten, die die Stadt im Sommer 1633 in Finanznot brachten, kamen für die Bürger Zusatzbelastungen durch die Abgabe von Kriegssteuern und die Ableistung von Scharwerkdiensten, wie die Arbeit an den Verteidigungsanlagen. Zudem brachte der Alltag Konflikte zwischen Bürgern und Soldaten mit sich. Es herrschte Angst vor Seuchen, Krankheiten und Plünderungen. Trotz Bemühungen der Stadtverantwortlichen, beim Kürfürsten die Ausquartierung der Soldaten oder Steuernachlässe zu erbitten, kam es zur Verarmung der Bevölkerung.

Der Dreißigjährige Krieg überschattete Wasserburg; die noch heute zahlreich vorhandenen Bitten an den Landesherrn, die Lage für die Stadt zu verbessern, blieben weitestgehend ungehört:

Archivalie des Monats Juli 2013:

Entwurfsschreiben der Stadt Wasserburg mit zahlreichen Streichungen und Ergänzungen an Kurfürst Maximilian: Aufzählung von Beschwerdepunkten, die sich aus der Einquartierung der Soldaten ergeben, vom 4. Juni 1632. Stadtarchiv Wasserburg, I1b70 = Altes Archiv, Kommunalarchiv, Akten: Kriegslasten des Dreißigjährigen Krieges, 1632-34. Der Originaltext des ersten Entwurfs schildert die akute Notsituation in der Stadt:

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S. 1: 1 Durchleichtigister curfürst 2 genedigister herr. 3 Euer churfürstlich durchlaucht sein unnser unnderthenigst gehorsambst 4 schuldigst, willigst, verrflichtet unnd getreuste diennst 5 hechstes vleis anvor gnedister churfürst unnd herr. 6 Unnderm dato den 2 diss haben euer churfürstlich durchlaucht 7 wir ein gehorsambiste doch nottringliche beschwer 8 ubergeben, darin unnderschiedlich andeit, wie ubl 9 sich die soldaten sowol zu fuesß als roß verhalten 10 allen muetwillen uben unnd gleichsamb die bürger- 11 schafft auszeblinndern anfanngen und diese dahero 12 weillen gaanz khain regiment gehalten beinebens 13 auch insinuirt, welchermassen der anwesende herr 14 commendant die prukhthor schlissel an sich gebracht. 15 Nun zweiflen wir zwar nit, euer churfürstlich durchlaucht 16 als unser regierennder lanndtsfürst welcher 17 zu disem endt die soldaten alhieher nit commendirt 18 sonnder das wir unnd die statt von inen sollen be- 19 schüzt werden, tragen solcher unfuegsambkhait 20 unnd betrangnus ain ungnedistes missfallen 21 dargegen solcher unglegenhait vätterlich zu 22 remedirn, gnedist willig, wann aber die betrang- 23 nussen nit allein continuiern, sondern täglich neue 24 entstehen, unnd die vorige sich mehren, als erstlich 25 darmit die bürgerschafft nur genzlich ruinirt 26 werde, ist das graes auf den joichen nit mer sicher, 27 sondern wirdt abgemäet, unnd durch die darein 28 geschlagne roß abgefregt, also daß die bürgerschafft 29 khein melch vich halten mag, unnd die chinnder in 30 der wiegen khain milch haben.

S. 2: 1 Anndern begert herr commendant für seine zuvil 2 nit bedürfftige pferdt so allein auf der maß hiestehen, 3 unnderschidlich fuetter, massen ime dann etliche muth 4 bereits geben, diss aber ze continuiern in der statt 5 vermögen nit is, dann er bishero vonn khainer bezallung 6 sich verstehen lassen, also werden euer churfürstlich durchlaucht 7 die gnediste anordnung khain, das in der haber hej 8 unnd stro annderer ortten geraicht, oder imfahl im 9 solches mues geben werden, an seiner besoldung in das 10 chonnfftig abzogen werde, 11 Drittens weillen bej der statt weder hej noch stro 12 auch ein schlechter vorrath an habern mer vorhandten 13 dargegen aber mehr reitterej solle herkhommen 14 daß euer churfürstlich durchlaucht gnedist verschaffen wollen 15 das von den gerichten Neuenmarckht, Trostpurg 16 sonnderlich dem schloss Hochenburg und grafschafft 17 Haag, alda woll wes in vorrats, wie auch 18 aus der hofmarck Pennzing, unnd markht Isen 19 der vorhanndtne habern herzuegefuert werde, 20 in mangl solcher anordnung, die statt unnd 21 bürgerschafft in hechster gefahr, 22 Virrten weillen bishero chain richtiger ordinanz 23 auf die reitter mit habern, essen und trinkhen 24 in gleichem auf das fues volckh gemacht, solches 25 eheist anbevelchen, ausser dessen gemaine statt 26 unnd die bürgerschafft so solches interim hergeben, 27 zu grossem schaden gefirrth, inen auch ein schlechte 28 bezallung erfolgen würde

S. 3: 1 Fünfften, weillen ein starckhe anzall miessige pferdt 2 aus allerlej compagnien bloß auf dem fuetter 3 hiestehen bleiben, dardurch der habern hej und stro 4 verzört würdt, solche aber unnd weckhzeschaffen oder da 5 sie ir hiegelassen, das inen weder hej stro, noch 6 habern geben werden solle, anzubevelchen, 7 Sechsten, das stette schiessen und plemkhlen sonderlich 8 scharff geladen, abschaffen, dann bishero etliche 9 persohnen dardurch geschödigt, auch man bei solcher 10 unngebür nit wissen khann, ob feindt oder freundt 11 verhanndten 12 Bitten demnach euer churfürstlich durchlaucht gehorsambist, 13 auf anzogne purten gnediste resolution unnd 14 annbevelchung unnd lassen zuekhommen, dabej 15 deroselben zu beharlichen churfürstlich durchlaucht unns 16 unnderthenigist bevelchen, Wasserburg, denn 17 4 junij 1632 18 churfürstlich durchlaucht 19 unnderthenig gehorsambiste 20 bürgermeister und raht 21 der statt alhie

Die Sonderausstellung, ab 17. Juli im Museum Wasserburg zu sehen, beleuchtet nach einem kurzen Überblick über das komplexe Kriegsgeschehen die Situation in und um Wasserburg. Das Leben der Bewohner zur Zeit des 30-jährigen Krieges war geprägt durch die Einquartierung fremder Soldaten und den Arbeiten an den Verteidigungsanlagen. Auf diese Weise drang der Krieg in die Stadt, ohne die Mauern zu überwinden. Die Ausstellung thematisiert das tägliche Miteinander zwischen Soldaten und den Einwohnern Wasserburgs, die hieraus resultierenden Konflikte, die Verarmung des Bürgertums und die mit den Soldaten einziehenden Krankheiten und Seuchen. Daneben wird das Kriegsgeschehen aus der Perspektive des von schwedischen Soldaten verwüsteten und von den eigenen Truppen ausgeplünderten Umlands geschildert.

Foto: Hartmann

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