„Bumperlgsund und bärenstark“

Trotz langer Niedrigzins-Phase: Sparkasse Wasserburg zog herausragende Bilanz

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sparkasseAm Ende wirkte er ein bisserl gerührt: 50 Jahre ist der Vorstandsvorsitzende der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg, Richard Steinbichler (Mitte), jetzt bei seiner Bank. Davon 32 Jahre in Wasserburg. Und so war es nicht verwunderlich, dass er diesmal bei der Jahres-Pressekonferenz, die heute in seinem Büro stattfand, aus dem Nähkästchen plauderte. „Fünf Jahrzehnte Sparkasse – ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen. Und das Beste ist, dass jetzt die allerschönsten Jahre für mich sind. Unsere Sparkasse ist einmalig, die Qualität unserer Mitarbeiter berauschend“, so das Fazit von Steinbichler. Das Zahlenwerk untermauerte sein Lob.

„Wir sind eine bumperlgsunde und bärenstarke Sparkasse. Das haben wir unserem tollen Team, unseren Kunden, mit denen wir in vielen Fällen ein freundschaftliches, ja fast familiäres Verhältnis pflegen und meinen Vorgängern zu verdanken, die selbst in so schwierigen Zeiten – wie während und zwischen den Weltkriegen – niemals das Wohl unserer 190 Jahre alten Sparkasse aus dem Auge verloren. Wo kämen wir da hin, wenn wir jetzt plötzlich wegen der langanhaltenden Niedrigzins-Phase und der sinkenden Ertragslage die Flinte ins Korn werfen würden. Ganz im Gegenteil: Wir blicken kraftvoll in die Zukunft.“

Eingangs der Jahresbilanz hatte Steinbichler zusammen mit seinem Vorstandskollegen Peter Schwertberger und dem Abteilungsleiter Marketing der Sparkasse, Robert Minigshofer, das dicke Zahlenwerk der Bank offengelegt.

Wie ein Fels in der Brandung

Eine im Vergleich zu 2014 um 43 Millionen höhere Bilanzsumme von 1,03 Milliarden Euro, deutlich wachsende Gesamteinlagen und um 35 Millionen Euro höhere Gesamtausleihen von insgesamt 652 Millionen und ein Gesamtertrag von über zwei Millionen Euro – trotz schwierigster Rahmenbedingungen für Banken und Kreditinstitute wegen der anhaltenden niedrigen Zinsen – steht die Sparkasse Wasserburg wie ein Fels in der Brandung.

Rekordverdächtig: Mit 137 Millionen Euro Eigenkapital erreicht man 22 Prozent Gesamtkapitalquote. Der Gesetzgeber verlangt gerade ein mal acht Prozent. „Und da haben schon einige Banken in Bayern Probleme, das nach den vielen dürren Jahren jetzt noch zu erreichen“, so Steinbichler.

Der Vorstandsvorsitzende vor dem Hintergrund der nach wie vor sehr guten Zahlen der Sparkasse Wasserburg: „Nirgends ist das Geld so sicher wie bei uns. Wir haben keinerlei spekulative Momente und beschränken unsere Geschäfte nur auf Bereiche, die wir beurteilen können.“

Dass es der Sparkasse so gut gehe, sei natürlich auch dem starken Wirtschaftsraum Wasserburg geschuldet. „Mit unseren starken Molkereien wie Meggle und Bauer, der Landwirtschaft und dem Gesundheitswesen haben wir ein stabiles Wirtschaftsgebilde und können so auch Durststrecken überstehen.“

Eine „Strategie 2020″

Trotz der Nullzins-Phase, die durchaus auch eklatante Auswirkungen auf die Ertragslage der Sparkasse habe, sei man für die Zukunft bestens gerüstet. Zusammen mit dem Verwaltungsrat haben die Vorstände eine „Strategie 2020″ ausgearbeitet. Ihr Kernsatz: Die Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg ist und soll weiterhin selbstständig bleiben.

„Und wir schließen keine auch noch so kleine Filiale, reduzieren keine Öffnungszeiten. Denn die Nähe zu unseren Kunden ist unsere Stärke. Ob Burgerfeld, Burgau, Altstadt oder Reitmehring –  wir halten auch in der Stadt Wasserburg jeden Standort. Unsere Filialen haben auch einen sozialen Aspekt, sind oftmals Ersatz für den Tante-Emma-Laden.“

Natürlich müsse die Sparkasse unter solchen Rahmenbedingungen aber auch überlegen, wo gespart werden könne. „Wir werden deshalb die nächsten Jahre das Personal Schritt für Schritt reduzieren. Natürlich absolut sozialverträglich und in engster Abstimmung mit dem Personalrat. Es gibt keine Kündigungen. Wir prüfen lediglich, wenn jemand in den Ruhestand geht, ob wir die Stelle dann nachbesetzen“, so Steinbichler.

Ins gleiche Horn wie Steinbichler stieß sein Vorstandskollege Peter Schwertberger. Er ging auf das blendende Kreditgeschäft der Sparkasse ein: „Was liegt näher, als das Geld, dass uns unsere Kunden geben, wieder unter die Menschen zu bringen. Nicht zuletzt in einer Zeit, in der der Wohnungsbau boomt. Die Menschen gehen, nachdem es keine Zinsen mehr gibt, verstärkt ins Betongeld.“

Um 13 Millionen Euro mehr habe die Sparkasse an Krediten für den Wohnungsbau ausgegeben als noch 2014. Insgesamt: 73 Millionen Euro. „Geld, das für neuen Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde. Wohnraum, der so rar ist wie nie zuvor. Die Leute reißen uns die Immobilien aus den Händen.“ Heute würden Häuser nicht mehr wie noch vor ein paar Jahren zu einem gewissen Preis verkauft, sondern an den Meistbietenden versteigert. „Ein gespenstischer, aber logischer Trend“, so Schwertberger.

Der Vorstand ging auch auf das gestiegene Gesamtkreditvolumen von 153 Millionen Euro ein, auf die bayernweit höchsten Deka-Bestände einer Sparkasse von 151 Millionen Euro, den Zuwachs an Bausparverträgen und Versicherungen. „Ein Feld, auf dem unsere Kunden unsere Kompetenz sehr schätzen, ebenso wie auf dem Gebiet der Immobilienvermittlung.“

Schwertberger sprach dann auch das „wichtigste Kapital“ der Sparkasse an: Die Mitarbeiter. Insgesamt seien derzeit 235 Menschen im Stammhaus an der Rosenheimer Straße und den 21 Filialen beschäftigt. Elf Azubis lernen momentan bei der Sparkasse ihren Beruf. Für 2016 gebe es sechs neue Ausbildungsplätze. „Wir suchen händeringend nach geeignetem Nachwuchs.“

Das immer stärker wachsende Online-Geschäft, das Internetbanking, erläuterte anschließend der Marketing-Chef der Sparkasse, Robert Minigshofer. Die Sparkasse verwalte derzeit 29.000 Konten von Privatkunden und 3.600 von Geschäftskunden. „11.000 davon nutzen bereits unser Online-Angebot. Tendenz: stark steigend!“

Minigshofer zeigte auch das Engagement der Sparkasse beim Sponsoring im sportlichen, kulturellen und sozialen Bereich auf. „Über 200.000 Euro haben wir im vergangenen Jahr an Vereine und Institutionen gespendet. Da sind die 35.000 Euro aus der Kulturstiftung und die 48.000 aus der Sozialstiftung noch gar nicht eingerechnet.“ Viele Projekte auf Vereinsebene in Stadt und Altlandkreis seien ohne die Sparkasse gar nicht oder nur schwer möglich. Neben diesem Engagement sei die Sparkasse auch mit dem Knax- und dem S-Club im Kinder- und Jugendbereich tätig und leiste als Vorverkaufsstelle ihren Beitrag zum Gelingen von heimischen Veranstaltungen.

Ganz zum Schluss der Jahres-Pressekonferenz äußerte Richard Steinbichler noch einen persönlichen Wunsch: „In zehn Jahren feiern wir unser 200-jähriges Bestehen. Eine Zahl, auf die wir ohne Protz und mit großer Freude stolz sein dürfen. An den Feierlichkeiten würde ich gerne noch ohne Rollator teilnehmen.“ HC

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