Bluttat von Grafing: Opfer aus Reitmehring

Pressekonferenz in München - „Es hätte jeder andere Bahnhof sein können"

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blumen 2 tatSoeben hat die Pressekonferenz im Landeskriminalamt zur Bluttat von Grafing-Bahnhof stattgefunden. Der Mann, der durch die Messerattacke heute ums Leben kam, kommt aus Reitmehring und war 56 Jahre alt. Er hatte mit der ersten S-Bahn nach München fahren wollen und hatte sich schon in einem Abteil befunden, sagt die Polizei. Der Täter, ein 27-jähriger Deutscher aus Gießen, hatte zuvor einen Mann auf dem Bahnsteig mit Messerstichen verletzt, war nach den tödlichen Stichen gegen den Reitmehringer zurück auf den Bahnhofs-Vorplatz gelaufen und hatte …

… dort zwei Männer, die mit Fahrrädern zum Bahnhof kamen, niedergestochen.

Einer der Verletzten habe per Notruf die Polizei alarmiert.

Zwar habe der Beschuldigte, der von der Polizei Ebersberg vor Ort kurz nach der Tat festgenommen werden konnte, eingeräumt, er habe „Allahu-Akbar“ (Allah ist groß) gerufen und Ihr Ungläubigen, ihr müsst sterben“. Doch die Ermittlungen wegen eines terroristischen Hintergrunds würden noch laufen und bisher seien keine islamistischen Zusammenhänge erkennbar, so die Sprecher des Landeskriminalamtes.

Dagegen habe der 27-Jährige bei der Vernehmung einen verwirrten Eindruck gemacht, man müsse deshalb seine Schuldfähigkeit klären, so der Staatsanwalt soeben. Vor zwei Tagen sei der 27-Jährige im Raum Gießen wegen dieser Verwirrtheit auffällig gewesen und er habe sich aufgrunddessen in ärztliche Behandlung begeben. Zu einem etwaigen Drogenkonsum, wie gemeldet worden war, machten die Sprecher bei der Pressekonferenz keine weiteren Angaben.

Dass der Mann ausgerechnet in Grafing-Bahnhof diese Bluttat beging, das sei mit großer Wahrscheinlichkeit ein tragischer Zufall, so die Polizei.

Nach den ersten Ermittlungen – eine Soko wurde eingerichtet – war der 27-Jährige gestern am Abend über Fulda nach München mit dem Zug gefahren. Er hatte sich am Hauptbahnhof München aufgehalten und wollte in einem Hotel übernachten, hatte aber nicht genügend Geld. Er schloss sich einem Ungarn an, den er am Hauptbahnhof kennengelernt habe.

Später sei er dann wieder zu dem Hotel, habe seinen Rucksack abgeholt und sei – so vermutet die Polizei – in die erste S-Bahn eingestiegen, die gerade nach Mitternacht am Bahnsteig ankam.

Das sei offenbar zufällig in der Nacht die S-Bahn nach Grafing-Bahnhof gewesen. „Es hätte wohl jede andere S-Bahn und somit jeder andere Bahnhof der Tatort sein können“, so ein Sprecher der Polizei.

In Grafing-Bahnhof angekommen, habe er sich dort ab 1.38 Uhr heute in der Nacht aufgehalten, wie Videoaufnahmen bestätigt hätten. Und dann am frühen Morgen seien die ersten Fahrgäste zum Bahnhof gekommen, um auf dem Weg zur Arbeit die erste S-Bahn in Richtung München nehmen zu können.

Foto: Georg Barth