„Bloß mal da hocken und blöd schauen!“

Warum da Altinger Michi, unser Kabarettist, froh über Langeweile is - Unser Interview

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altinger_k Die großen Ferien haben längst begonnen und mitunter sieht man auch unseren einheimischen Kabarettisten Michi Altinger als waschechten Wasserburger gerade jetzt entspannt durch die Altstadt schlendern, im „V“ ein Eis schlecken oder beim Relaxen an seinem „Hausweiher“, dem Penzinger See. Die Wasserburger Stimme hat den Kabarettisten getroffen und wollte wissen, was er denn in seiner freien Zeit so treibt.

Herr Altinger, haben Sie auch mal Ferien?

So viel Freizeit habe ich heuer tatsächlich nicht. Im Herbst komme ich mit einem neuen Bühnenprogramm raus, zudem steht die Moderation des Bayerischen Kabarettpreises an und nebenbei unterstütze ich autorenmäßig einige Kollegen.

Wenigstens hat der „Schlachthof“ gerade Sommerpause. Da freu ich mich aber sehr, wenn‘s Ende September wieder losgeht. Dort treffe ich so viele spannende Kollegen, das ist jedes Mal wie ein „kleines Klassentreffen“ für mich (schmunzelt). Es ist aber trotzdem so viel zu tun, dass heuer zwangsweise Urlaub „dahoam“ angesagt ist. Ich musste meiner Frau jedoch versprechen, dass der Sommerurlaub gegen Ende des Jahres nachgeholt wird (lacht).

Verraten Sie uns, worum es in Ihrem neuem Programm geht?

Auslöser zum Programm war ein Autounfall – nur ein Blechschaden. Ein sehr freundlicher Mann aus Fürstenfeldbruck hat mich beim Einparken touchiert. Er hat sich entschuldigt und wir haben auch gleich Nummern ausgetauscht, das Ganze war keine große Sache. Aber einige Zeit später bekam ich ein Schreiben von seiner Versicherung, in dem stand, dass ich die alleinige Schuld hätte und sämtliche Schäden begleichen müsse.

Ich war erst stocksauer, aber dann wurde mir klar: „Das wird’s! Mein neues Programm.“ Es soll um die Frage gehen: „Was wird aus einer Wahrheit, wenn Versicherungen, Anwälte und Kosten dazu kommen?“

Das lässt sich vom Autounfall auch wunderbar übertragen auf fast alles, was gerade auf der Welt passiert. Im Fall meines Unfalls ist die Sache dann doch gut für mich ausgegangen. Im Programm wird’s ein bisserl anders ausschaun.

Wie vertreiben Sie sich in den Ferien am liebsten die Zeit?

Meine Freizeit gestalte ich in der Urlaubszeit gerne mit Berggehen. Auch Grillen mit Freunden oder der Familie gehört zum Sommer einfach dazu. Das bedeutet, ich verzehre viele Tiere mit Salat (lacht). Dabei handelt es sich natürlich ausschließlich um glückliche Tiere aus der Region, die mit ihrer Schlachtung auch einverstanden waren.

Eine Runde schwimmen in meinem „Hausweiher“, dem Penzinger See, ist natürlich auch ein Muss. Außerdem möchte ich einmal zum Stoa raus …

Heuer zeigt sich der Sommer ja eher von seiner wechselhaften Seite: Auf drückende Schwüle folgen nass-kalte Perioden mit Temperatursturz – stört Sie das durchwachsene Wetter 2016?

(Schmunzelnd): Auch wenn mich jetzt viele Schulkinder für diese Aussage verfluchen werden, aber ich finde das Regenwetter wunderbar! So kann ich mich leichter zur Arbeit motivieren. Sobald mich die Hitze nicht erschlägt, bin ich kreativ und kann mein Pensum erfüllen – der Sommer heuer, mit seinen mitunter kühlen Phasen, hilft mir dabei.

Falls Sie denn Zeit hätten, würde es Sie trotz der politischen Unruhen noch in die Ferne ziehen?

Ich war schon oft in Griechenland, Ägypten und der Türkei. Bei Griechenland hätte ich trotz der aktuellen Flüchtlingssituation keine Bedenken. In dieses Land zieht es mich immer wieder und das wird auch sicher in Zukunft so bleiben.

Ägypten und die Türkei würde ich inzwischen eher meiden. Gar nicht so sehr wegen des Terrors.. Mich beunruhigen einfach Länder, in denen Fahnen geschwungen werden und nach einem starken Führer geschrien wird.

Ihr Kollege Christian Springer engagiert sich sehr stark für Flüchtlinge.

Ja, und das tut er direkt vor Ort, im Libanon, in Beirut. Dazu gehört eine Menge Mut und ich bewundere ihn sehr.

Ich weiß nicht, wie er das macht: so viel Leid sehen und dann heimfliegen, auf die Kabarettbühne gehen und die Leute zum Lachen bringen. Respekt dafür.

Wie sehen bei Ihnen die Wochen nach den Ferien aus?

Mein Terminkalender ist von September bis Mai bummvoll, da bleibt wirklich kaum Luft. Da freu ich mich auf jeden Moment zum Durchschnaufen. Da bin ich direkt froh, wenn‘s mir mal langweilig is‘ – die Langeweile ist eine Sache, die viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist. Es ist wichtig, bloß mal da zu hocken und blöd zu schauen (lacht).

Das Hirn kann sich so wieder sortieren. Besonders die jungen Leute verlernen immer mehr, einfach auch einmal tagsüber Luft zu holen, Reserven aufzufüllen und vor allem das Smartphone spontan aus der Hand zu legen.

Die junge Generation wird in eine Erwartungshaltung getrieben, dass immer etwas Tolles passieren muss und man „entertaint“ werden muss. Eigene Spontanität zu entwickeln ist rar geworden. Für mich ist die Langeweile eine der wirksamsten Inspirationsquellen. Wenn man nichts zu tun hat, entwickelt sich mehr Raum für neue Ideen. Und an denen muss man dann aber dranbleiben.

Michi, herzlichen Dank für das Gespräch!

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