Berührender Auftakt und tosender Applaus

Theater Wasserburg platzt bei Eröffnung der 12. Theatertage aus allen Nähten

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tt16_hme_udo_flammEs war ein berührender Abend. Berührend, weil es außergewöhnlich viel ernstgemeintes Lob für die Theatermacher und Organisatoren der Theatertage in Wasserburg gab. Berührend, weil die Lesung von Udo Samel zusammen mit Hans Magnus Enzensberger (links) heuer besonders bewegte. Berührend, weil Enzensbergers Text „Diderot und das dunkle Ei“ wirklich anrührte und der Autor selbst – 87 (!) Lenze jung – einen spitzbübischen, wenn auch manchmal charmant-wackligen Auftritt hinlegte. Die 12. Theatertage in Wasserburg – sie sind eröffnet. Würdig eröffnet! Vor vollem Haus.

tt16_verband_hauck_flammIm Mittelpunkt stand gestern zunächst Theater-Leiter Uwe Bertram, dem Lob aus aller Munde schallte. Nicht nur Wolfgang Hauck, Vorsitzender des Verbandes „Freie Darstellende Künste“ (links), würdigte das Wirken Betrams und seines Teams, sondern auch der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, Christoph Maier-Gehring (unten rechts), und Wasserburgs Zweiter Bürgermeister Werner Gartner.

Bertram, der kürzlich das Bundesverdienstkreuz erhalten hatte (wir berichteten), hatte an seiner Seite aber heuer noch zwei andere, die es zu ehren galt: Die Preisträger der 11. Wasserburger Theatertage, Stephan Zinner (unten links) und das Metropoltheater München um Jochen Schölch. Das Metropoltheater hatte vergangenes Jahr in der Kategorie „Beste Inszenierung“ gesiegt. Stephan Zinner, der in Peter Pichlers „Zurück im Paradies“ zu sehen gewesen war, war zum „Besten Darsteller“ gewählt worden.

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Anschließend zauberten Samel und Enzensberger das „Dunkle Ei“ auf die Bühne. Die beiden verwandten Seelen rissen das Publikum mit ihrer Lesung zu langanhaltendem Applaus hin.

Fotos: Flamm

HEUTE geht es bei den Theatertagen mit Erzähler Matthias Fischer im Zelt vor dem Theater weiter. Er trägt um 20 Uhr Märchen aus Russland für Erwachsene vor. Das Erotische, ja schlichtweg Sexuelle steht im Mittelpunkt dieser Märchen und Geschichten um Bauern und Popen, ihre Frauen, Töchter und Söhne. Eine derb-volkstümliche, unverfälschte Sammlung, ungeeignet für Kinder und all diejenigen, die an handfesten Tatsachen Anstoß nehmen …

MORGEN, Donnerstag, 20 Uhr,  ist dann das Metropoltheater München mit „Abgesoffen“ zu Gast. Zwei namenlose Auftragskiller befinden sich auf nächtlicher Fahrt nach Gibraltar. Im Kofferraum: Der 29. nordafrikanische Immigrant, den sie umgebracht haben und in die Meerenge werfen sollen – ein weiterer „Moro“, der tot vor der Küste treiben wird. Nüchterne Logik der Abschreckung: „Wenn man in ein anderes Land will, muss man erst einmal um Erlaubnis bitten. Und wenn man es nicht tut, muss man die Konsequenzen tragen.“ Ihr Auftraggeber? Vielleicht die Regierung, vielleicht „Priester, Feministinnen oder die Hersteller von Jabugo-Schinken“. Wer weiß das schon …

tt16_metropol_abgesoffen_lobinger„Abgesoffen“ ist ein sarkastisches Stück über Ignoranz und Verdrängug.

Autor Carlos Eugenio López entwirft die gebräuchlichen Gesprächsblasen, die beim großen Reden über Immigration in Europa entstehen und beim geringsten Anstoß zerplatzen. Er lässt den Dialog unkommentiert und liefert die beiden Protagonisten so ihren eigenen Schwächen aus. Sein Text, veröffentlicht im Jahr 2000, ist angesichts der rigiden Flüchtlingspolitik Spaniens auch 15 Jahre nach seinem Erscheinen unvermindert relevant.

Regie: Alia Luque.

Es spielen: Christian Baumann (auf dem Bild rechts) und Thomas Meinhardt.

Karten im Online-Vorverkauf und weitere Spielplan-Details über www.theaterwasserburg.de. Kartenvorverkauf außerdem über Buchhandlung Fabula Wasserburg, Kroiss TicketZentrum Rosenheim und Kulturpunkt Isen. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Foto: Hilda Lobinger

 

Das ganze Programm der Theatertage … 

 

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