Basketball: Ihr schafft das, Mädels !

Großartiger Heimsieg und morgen geht's auf zum Titelgewinn

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Wasserburg – Jawollllll ! Die Basketball-Damen des TSV Wasserburg stehen kurz vor dem Gewinn ihrer siebten Deutschen Meisterschaft. Vor den eigenen begeisterten Fans siegte der Champion von 2011 mit 88:75 in der Badria-Halle gegen die Rhein Main Baskets. Spannend war’s – sehr. Die Stimmung kochte fast über. Stand es zur großen Pause doch nur knapp 46:44. Aber am Ende siegte die überzeugende kämpferische Leistung des Teams. Jetzt führt Wasserburg in der Best-of-five-Serie mit 2:1. Das vierte Spiel findet am Freitag, 10. Mai, um 19.30 Uhr im hessischen Langen statt. Ihr schafft das, TSV-Mädels! Wenn nicht schon am Freitag, dann am Sonntag, 12. Mai, um 16 Uhr im Badria – dahoam!

„Wir wissen, was uns in Langen erwartet: eine volle, enge Halle. Es ist heiß und laut, aber noch einmal lassen wir uns davon nicht beeindrucken“, versprach Anne Breitreiner, am Mittwoch mit 25 Punkten Wasserburgs Topscorerin. Und Svenja Brunckhorst fügte hinzu: „Ich hab am Sonntag [wenn Spiel fünf in Wasserburg wäre] schon was in München ausgemacht. Ich will am Freitag Meister werden!“ Der Optimismus der beiden Eigengewächse ist durchaus begründet, denn der Titelfavorit hat am Mittwoch ein furioses Match der Rhein-Main Baskets siegreich überlebt.

Der Außenseiter trat vom Sprungball an mit dem festen Vorsatz auf, einen Auswärtssieg zu landen und den Heimvorteil zu stehlen. Als Nadine Ripper den ersten Dreier des Matches zum 4:12 (3. Minute) versenkte, quittierten dies ihre Mitspielerinnen, die mitgereisten 20 Fans und Coach Steffen Brockmann mit einem lauten Aufschrei. Selbstvertrauen pur! Wasserburg begann das Match mit zwei Ballverlusten, brachte dann aber immer mehr Struktur in sein Spiel, das darauf abzielte, den Ball häufig zum Korb zu bringen und sich weniger auf Würfe aus der Mitteldistanz oder dem Dreierbereich zu verlassen.

Breitreiner bekam nach einem Zug zum Korb schon früh ihre ersten Freiwürfe, andere taten es ihr nach. Sie, Brunckhorst und Stina Barnert hatten zusammen 17 Freiwürfe, weit mehr als in Spiel eins (2) und zwei (8) zusammen. Diese Aggressivität färbte auf den Rest des Teams ab, Wasserburg stand erstmals in dieser Serie öfter an der Linie als die Baskets (30:12). Das lag auch daran, dass Bastian Wernthaler fast ausschließlich einer Zonenverteidigung vertraute. „Im eins-gegen-eins haben wir einfach brutale Probleme, vor allem mit Alyssa Karel, was zu vielen Fouls, Freiwürfen und offenen Schüssen für die anderen Baskets-Girls führt. Deshalb diese Umstellung, die in der zweiten Halbzeit funktioniert hat.“

Diese taktischen Tricks sind auch die einzigen Überraschungen, die die Trainer noch aus dem Hut zaubern können, schließlich kennen sich die beiden Teams inzwischen in- und auswendig. Bis zur Pause verteidigte Wasserburg in einer 1-3-1-Zone, die ihre Lücken an der Grundlinie hat. „Da hat sich der Kollege einige gute Spielzüge überlegt, Kompliment“, meinte Wernthaler. Immer wieder standen die Gäste völlig frei unter dem Korb und hatten keinerlei Mühe einzunetzen. Rhein-Main traf 56 Prozent seiner Würfe bis zum Wechsel, ein unglaublicher Wert und Beweis für die Qualität der Gäste gegen eine keineswegs schlechte Verteidigung.

Zumal die US-Girls Karel (19 Punkte) und Denise Beliveau (16 Punkte) auch perfekt verteidigte Sprungwürfe traumwandlerisch sicher machten. Wasserburg war trotzdem in Führung, weil die Reboundüberlegenheit erneut eklatant war. 44:27 gewannen die Gastgeberinnen die Rebounds, allein Emma Cannon griff sich 20, zur Pause hatten die Gastgeberinnen 15 Offensivrebound, nur acht in der Defensive, Rhein-Main hatte ja kaum einen Wurf verfehlt. Dank der Offensivrebounds hatte Wasserburg zweite und dritte Chancen in einem Angriff, die im zweiten Viertel vor allem Katharina Fikiel nutzte. Die Centerin, die wegen einer Knochenhautentzündung in Spiel eins noch geschont wurde, brachte ihr Team von 31:33 (14.) auf 39:37 (16.) erstmals in Führung.

Mit insgesamt 16 Punkten trug sie auch nach der Pause entscheidend zum Heimsieg bei. „Wir haben uns vertraut, offensiv und defensiv, egal was vorher war“, beschrieb Anne Breitreiner die Stimmung im Team, von der auch sie profitierte. Schließlich hatte sie in dieser Finalserie bislang nur 6/27 Würfen getroffen (22 Prozent). „Das macht uns als Mannschaft auch aus, dass niemand auf den anderen zeigt, wenn´s nicht läuft. Eine allein wird nie Meister!“ Nach dem Wechsel griff Wernthaler in die Trickkiste und machte aus der 1-3-1- eine 2-3-Zone.

Der Unterschied: Die Grundlinie ist besetzt, die vorher möglichen Anspielstationen sind blockiert. Die Rhein-Main Baskets waren irritiert, ihr so flüssiges Offensivspiel geriet ins Stocken. „Diese taktischen Kniffe in einem Finale machen einfach Spaß, vor allem wenn´s funktioniert“, meinte der Coach mit einem Augenzwinkern. „Wir haben uns über die Saison natürlich ein Arsenal an verschiedenen offensiven und defensiven Systemen angeeignet. Jetzt geht’s darum, die richtigen Systeme anzuwenden.“ Rhein-Main wird sich bis Freitag sicher Optionen gegen diese Verteidigung einfallen lassen, obwohl nur ein Tag zwischen beiden Spielen liegt.

„Dann müssen wir eben wieder reagieren – und das werden wir“, prophezeite Breitreiner. Die 28-jährige Flügelspielerin übernahm nach der Pause offensiv die Hauptverantwortung, hatte aber immer Unterstützung von Fikiel, Barnert, Brunckhorst und Rebecca Thoresen. Emma Cannon beschränkte sich darauf, die Bretter zu kontrollieren, machte 16 ihrer 20 Punkte vor der Pause und blieb im Schlussviertel ohne Zähler. Kapitän Thoresen traf den ersten Dreier für die Gastgeberinnen zum 55:47 (24.), dem Breitreiner kurz darauf den nächsten folgen ließ (58:51/26.). Erst der zweite Dreier der Nationalspielerin machte die Führung erstmals zweistellig (71:61/32.).

Die Gäste ließen sich aber nicht abschütteln, Nationalspielerin Steffi Wagner verkürzte von draußen auf 71:66 (34.). Zwei Minuten später aber war eine Vorentscheidung gefallen, nachdem Barnert, Breitreiner und Fikiel konstant punkteten (78:66/36.). Svenja Greunke und Alyssa Karel trafen zwei weitere Dreier für die Gäste, doch als die starke US-Aufbauspielerin 68 Sekunden vor Ende mit dem fünften Foul vom Feld musste und Stina Barnert zwei Freiwürfe zum 84:75 versenkte, war das Match entschieden.

Die Trainerstäbe werden jetzt die Videos analysieren und kleine Veränderungen in Abwehr und Angriff vornehmen, um den Gegner zu überraschen. Für die Spielerinnen heißt es regenerieren und Kräfte sammeln für das vierte Match in acht Tagen. „Das geht natürlich an die Substanz, vor allem bei denjenigen, die immer über 30 Minuten spielen. Ich denke, wir haben da die eine oder andere Option mehr“, meint Wernthaler.

Es spielten: Anne Breitreiner (25 Punkte), Emma Cannon (20), Katharina Fikiel (16), Stina Barnert (11), Rebecca Thoresen (7), Svenja Brunckhorst (4), Melissa Dalembert (3), Tiina Sten (2), Zhaque Gray, Lena Aß, Franziska Dausinger und Verena Stürmlinger.

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