B15 neu: Das ist die Karte des Protestes

An knapp 400 Orten von Landshut bis Rosenheim gingen die Menschen auf die Straße

MahnfeuerkarteHier nicht und nicht anderswo – unter diesem Motto hatte die Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der Autobahn B15 neu und die angeschlossenen Bürgerinitiativen am Wochenende knapp 400 Mahnfeuer bei den Landratsämtern Landshut, Erding, Mühldorf, Ebersberg und Rosenheim angemeldet (wir berichteten bereits ausführlich). Hier eine Zusammenfassung und die Karte des Protestes …

Über mehr als 100 Kilometer von Nord nach Süd, von Landshut bis Rosenheim, von Hofstarring im Landkreis Erding bis nach Rothenwörth im Zentrum des Landkreises Landshut hatten sich hunderte besorgte Bürgerinnen und Bürger zur Kundgebung versammelt. Das stürmische Wetter mit Windböen von bis zu 65 km/h konnte sie nicht abhalten:

Aus 40 Gemeinden, fünf Landkreisen und über zwei Regierungsbezirke hinweg machten sie sich von ihren heimeligen Wohnungen auf den Weg und trotzten dem Sturm, weil es ihnen wichtig war, ihren Unmut gegen die geplante Autobahn B15 neu zum Ausdruck zu bringen und gegen das St. Floriansprinzip von so manchem in der Politik zu protestieren. „Auch der stärkste Gegenwind kann unseren Widerstand nicht mindern!“, hieß es zum Beispiel in Rechtmehring.

Vorsorglich hatten manche Kerzen, Solarlichter und Taschenlampen mitgebracht, die brennen schließlich auch. Statt offener Feuer zündete man Laternen an und Sternwerfer oder verlegte den Protest gleich in Innenräume bei flackerndem Kaminfeuer. Mit und ohne Feuer, die Botschaft blieb dieselbe: „Hier nicht und nicht anderswo – Stop B15 neu!“ Auf Transparenten und Plakaten protestierten die Anwohner gegen den Bau einer Autobahn, von der sie befürchten, dass sie nur ihre Heimat zerstört, und sonst rein gar nichts Positives bringt. Über die Landkreisgrenzen hinweg war man sich einig: Die Landschaftszerstörung durch die Autobahn ist hier wie dort die gleiche, egal ob im Landkreis Landshut, im Landkreis Erding, im Landkreis Mühldorf, Ebersberg oder Rosenheim.

Immer mehr Bürger gehen auf die Straße

An mittlerweile drei diskutierten Trassenvarianten fühlt sich eine zunehmende Anzahl von Bürgern belastet, sieht nachfolgende Generationen in ihrer Lebensplanung beeinträchtigt. „Meine Existenz ist bedroht, wenn die Autobahn kommt“, ist ein Vollerwerbsbauer aus dem Landkreis Erding besorgt. Und ein anderer fragt: „Warum sollten wir hier eine europäische Nord-Süd-Tangente wollen, die uns in der Region rein gar nichts bringt außer Lärm und Dreck?“

Die Karte zu den Mahnfeuern

Die Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der Autobahntrasse B15 neu und die angeschlossenen Bürgerinitiativen zeigten mit ihren Mahnfeuern und -feiern eindrücklich, dass sie für den Stopp der B15 neu an der A 92 eintreten und für die Streichung der B15 neu aus dem vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2015. An vielen Orten hörte man: „Die B15 neu gehört aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen.“ Und: „Niemand hier will diese Straße.“

Hier ist man heimatverbunden

In dieser Region, etwas abseits der touristischen Pfade im bayrischen Land, fühlen sich die Menschen verbunden mit ihrer Heimat, ganz gleich ob die Familie schon seit Generationen hier lebt oder ob man erst vor wenigen Jahren zugezogen ist. „Wir lieben unsere Landschaft, die Wälder, die Wiesen, die Hügel, die Flussläufe, die bäuerliche Kulturlandschaft“, beschreibt es ein Endfünfziger aus dem Landkreis Mühldorf. Und dann fügt er aufgebracht hinzu: „Wir wollen unsere Identität behalten!“ Gisela Floegel

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Bilder von den Feuern in Adlding bei Buchbach, in Allmannsau, Heldenstein, Krüglau, Rechtmehring und Reut.

 

DSC00492Auch die Hochhauser (Gemeinde Rechtmehring) hat das stürmischen Wetter nicht davon abgehalten Wind gegen den geplanten Bau der B15 neu zu machen. Ein paar fleißige Helfer haben sich die Arbeit gemacht und errichteten einen Windschutz für´s Mahnfeuer, so dass dieses pünktlich um 18.00 Uhr, bewacht von vielen Betroffenen der B15 neu, entfacht werden konnte. In den kommenden vier Stunden kamen immer wieder neue Teilnehmer der Aktion dazu, vor allem, da an einigen anderen geplanten Orten heute ein Feuer nicht möglich war. Wir bekamen sogar Besuch vom Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks und wurden interviewt . Im Rundschau-Magazin wurde ein Beitrag über die Mahnfeuer gezeigt in dem auch wir kurz zu sehen waren (http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachrichten/mahnfeuer-b15-erding-100.html).

Astrid Mayer

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2 Gedanken zu „B15 neu: Das ist die Karte des Protestes

  1. „Warum sollten wir hier eine europäische Nord-Süd-Tangente wollen, die uns in der Region rein gar nichts bringt außer Lärm und Dreck?“

    Na ja, diese Achse stellt die Initiative ja gar nicht in Frage, oder? Sie stellt den dreispurigen Ausbau der bestehenden Trasse als Lösung in den Raum. Wie das dann aussieht, kann man an der B12 Richtung Kempten bewundern.

    Gar kein so großer Unterschied zu einer Autobahn, wie man das meinen möchte. Fakt ist doch: Sobald die Umgehungen in Landshut und Rosenheim, vielleicht auch in Taufkirchen und Dorfen fertig sind, werden die Navigationssysteme den LKWs automatisch sagen, wo die alternative Nord Süd Route Bayerns ab Landshut liegt: Auf der B15. Dass der Fernverkehr sich hier seinen Lauf, gerade hin zum Brennerbasistunnel, suchen wird, ist doch klar. Nun kann man sagen: Aber wir brauchen doch diese LKWs nicht… Ach ja?

    Momentan fahren sie noch und bringen bayerische Handels- und Exportgüter vom Fleck. Exportiert der Bauernstand etwa nichts? Das wäre mir neu…. Man könnte sagen: Das muss eh alles auf die Schiene! Ach ja? Auch auf die bestehenden Trassen?

    Ich bin gespannt, was los ist, wenn nachts Güterzüge in voller Fahrt durch Gars Bahnhof, Soyen, Reitmehring und Schechen rattern… Oder durch das schöne Vilsbiburg, versteht sich. Richtig war, was in Niederbayern nördlich Landshut gemacht wurde: Die Trasse in großzügigem Abstand weg von den Orten in möglichst wenig bewohntes Gebiet legen.

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  2. B304 Anwohner

    Wenn unsere lieben Politiker mal ein kleines bisschen denken würden, dann würden sie einfach die LKW-Maut auf verschiedene Bundesstrassen ausweiten. Und da auch die B15 dazu nehmen. Welchen Weg nimmt der Fernverkehr denn lieber? Schnell über eine 3spurige Autobahn oder den langsamen Feldweg durch die Dörfer? Kosten würde es ja das gleiche. Da wäre manche Diskussion schon vorher beendet..
    Aber dann würde Papa Staat ja zusätzlich auch noch Geld verdienen. Und das geht ja mal gar nicht…

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