Auf a Bier – na, a Saftschorle – mit ….

... Adrian aus Wasserburg, 31 Jahre und Landtags-Kandidat

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Adrian, 31 Jahre, Wasserburger und Landtags-Kandidat.  Foto: Renate Drax

Adrian, 31 Jahre, Wasserburger und Landtags-Kandidat. Foto: Renate Drax

Wasserburg – Auf a Bier wollten wir mit ihm gehen – aber a Bier trinkt er nicht. Er mag keinen Alkohol. Deshalb bestellen der Adrian und wir Saftschorlen. Gluchow ist einer von zwei Kandidaten der bevorstehenden Landtagswahl, die aus Wasserburg kommen. Ein Direktkandidat quasi direkt aus unserer Stadt. Das hat es nach Ansicht von Adrian noch nicht wirklich oft gegeben. Er ist erst 31 Jahre alt und muss sich deshalb nicht allzu viele Jahre zurückerinnern. Adrian Gluchow hat sich für die FDP entschieden. Listenplatz 25 in Oberbayern. Die Wasserburger Stimme wollte wissen, welcher Mensch steht hinter dieser Nummer – was bewegt ihn, das nicht gerade großartige Image eines Politikers auf sich zu nehmen. Wovon träumt Nummer 25?

Eins schon mal vorweg: Nicht wirklich träumt Adrian Gluchow von seinem ganz persönlichen Einzug in den Landtag. Als Nummer 25 weiß er, dass er eigentlich keine Chance auf einen Stuhl im Plenum hat – aber er möchte seinen Beitrag dazu leisten, dass die FDP wieder acht Prozent schafft. „Oder besser zehn.“ Das ist auf jeden Fall einer seiner Träume – und wäre ein Traumergebnis. Die Umfragen sehen da leider anders aus.

Der junge Mann, der uns gegenüber sitzt, ist in Wasserburg geboren. Fast a bissal überrascht wirkt er, dass sich jemand für ihn interessiert. Dabei gibt es ja gar nicht so viele Direktkandidaten zum Wählen am 15. September. Und er ist immerhin von einer Partei, die mit nur vier anderen ein reelle Chance hat, auch tatsächlich vom Volk gewählt zu werden.

Ohne Flyer und Visitenkarte

Die Wasserburger Stimme fällt gleich mal mit der Tür ins Haus: „Viele Jungwähler sagen uns in letzter Zeit – je näher die Wahl rückt – wo sind denn eigentlich die greifbaren Unterschiede der Parteien?“ Landtagskandidat Adrian ist selber erst knapp 30 Jahre alt und deshalb bitten wir ihn gleich mal um eine Antwort, was er denn einem Jungwähler sagen würde. Übrigens: Adrian hatte bei unserem Treffen nichts dabei – keine Wahlunterlagen, keine Flyer, keine Visitenkarte oder irgendwelche Slogans. Gelassen wirkt er und folgende Unterschiede denkt sich Adrian bei den nachfolgenden Parteien – grob skizziert mit einer Johannisbeer-Schorle vor sich – und beginnt mit den Grünen. Vielleicht, weil sie ein Traum-Ergebnis in seinen Augen erreichen werden bei dieser Wahl.

Die Unterschiede der großen Parteien

Adrian meint, viele würden denken, die Grünen sind halt für unsere Umwelt, für Energiesparen und so was – pauschal gesprochen. Für ihn aber, seien die Grünen diejenigen, „die von allen am meisten über sich selbst denken, sie wissen, wie man richtig lebt“. Kurz macht er eine Anspielung auf die Kantinen-Essensvorschrift, um aber gleich auf seine eigene Partei zu kommen.

Die FDP wolle Rahmenbedingungen schaffen, „die es dem Menschen ermöglichen sollen, frei zu entscheiden“. Er schickt ein Beispiel hinterher: „Die Ladenschlusszeiten. Ich möchte hier bei uns im Landkreis und in ganz Bayern eine Liberalisierung. Ich setze mich dafür ein, dass ein Unternehmer selbst entscheiden kann, ob er sein Geschäft lang offen lässt oder eben nicht. Ich will nicht, dass es jemandem vorgeschrieben wird. Auch nicht die Zeit des Einkaufens.“ Im Internet würde es diese Zeiten ja auch schon längst nicht mehr geben.

Mit diesem Thema sei man auch gleich bei der CSU angelangt. „Die hält gerade bei uns in der Region die konservativen Werte hoch. Die Traditionen. Und eben auch den Sonntag.“ Die SPD wiederum packe den kleinen Mann – „das mein ich jetzt nicht abwertend“ – den Arbeitnehmer in Watte. In Adrians Augen betreibe die SPD damit fast ein bisserl „Artenschutz“.

Die Freien Wähler seien ein Sammelbecken für alle verschiedenen Partei-Richtungen und deshalb sehr schwierig einzuschätzen. Jede einzelne Person sei da bestimmt ein Gewinn, sagt Adrian, aber er wisse nicht, „was alle zusammen eigentlich wollen“. Für ihn sei der größte Konsens von allen Parteien, dass wohl jeder das Beste für das Volk im Blick habe – eben aus der jeweiligen Sicht. „So pauschal das nun wiederum klingen mag – als überzeugter Harmonie-Mensch sehe ich das so.“

Darf Snowden bei dir wohnen?

Sehr vorsichtig versucht Adrian überhaupt an dem ganzen Abend mit anderen Denkweisen, anderen Ansichten und Menschen umzugehen. Erstaunlich vorsichtig für einen jungen Politiker. Wir fragen ihn, ob er einen Edward Snowden bei sich aufgenommen hätte? „Ja schon“, denkt er laut. Jemanden, der das Gesetz gebrochen habe zum Wohle der Menschen – den könne er schon bei sich aufnehmen.

Bevor sich Adrian Gluchow vor etwa vier Jahren erst für die Politik entschied, spielte er gern Tischtennis – im Verein und in der Liga – und sein einziges Hobby heute sei sein Hund. Zusammen mit seiner Frau, die er seit seinem Informatik-Studium kennt, plane er den Beitritt zu einem Hundesportverein. Mit dem schlechten Image eines Politikers will Adrian überhaupt nicht viel zu tun haben. Es sei ihm zwar auch nicht wirklich egal, aber er möchte sich halt einsetzen – sich engagieren. Und in der Politik sei halt vieles einfach mal ordentlich zum Umkrempeln.

 Über den Sinn im Sinnvollen

Alte Krusten in vielen Bereichen stören den jungen Kandidaten. Hautnah hat er es bei einer ganz harmlosen, aber doch bezeichnenden Sache im Wahlkampf erlebt. Es gibt eine offizielle Liste, in der alle Kandidaten für den Wahlzettel ihren Beruf angeben müssen. In Bayern ist das nicht anders als überall in Deutschland. Nur, die Liste – oder die Eingabe für die Liste ist so veraltet, dass man einen Beruf finden muss, der annähernd seinem eigenen entspricht. Adrian Gluchow ist eigentlich Berater im Online-Marketing und E-Commerce. Aber so etwas darf man bei einer Wahl im Jahr 2013 nicht sein: Die freundliche Frau, die sich um die offizielle Liste kümmern muss, habe mit ihm gesucht, welche Berufsbezeichnung der Liste am besten passen könnte. Am Ende seien sie bei „Unternehmer“ gelandet. So steht es jetzt auf dem Wahlzettel: Adrian Gluchow, 31 Jahre, Wasserburg, Unternehmer. Er selbst sieht sich aber nicht als Unternehmer.

Adrian ist auch ein Wasserburger, den es aufregt, dass eine Turnhalle von sportbegeisterten Menschen nicht an einem Wochenende – einem Sonntag genutzt werden darf. „Nur weil es keinen besonderen offiziellen Anlass gibt. „Nur bei besonderen Anlässen könne man die durch eine Nutzung an einem Wochenende erhöhte Strom-, Wasser- und sonstige Rechnung sinnvoll rechtfertigen, so heißt es in unseren Gemeinden“, ärgert sich Adrian.

Was ihn außerdem sehr aufregt, das ist die aktuelle Bildungspolitik. Noch habe er selbst zwar keine Kinder. Aber das Schulsystem gehöre – bildlich gesprochen – mal ordentlich gepackt, kräftig geschüttelt und völlig neu aufgebaut. Und zum ersten Mal an diesem Abend ist Adrian Gluchow so gar nicht harmoniesüchtig … (Siehe auch unseren Kommentar „Se eisetzn woin …“ unter der Rubrik „Des moanan mia“.)

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