Do, wo da Napoleon a scho war

Attelthal: I bin da Martin, i bin da Sepp - und do san mia dahoam!

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Vo Attelthal gengans nimmer weg: Martin Berger (links) und Sepp lebmeier wohnan im "Zentrum" und san Nachbarn.

Vo Attelthal gengans nimmer weg: Martin Berger (links) und Sepp Lebmeier.

Attelthal – des is genau do, wo de Ebrach in de Attel mündet, kurz bevor’s dann beide gemeinsam den Inn erreichen. Mehr hob i ned gwusst, ois i mi mim Berger Martin und mim Lebmeier Sepp treff, die dort dahoam san. Scho immer dort dahoam san. Glei oans vorweg: Lustig werd’s – des Treffen. Sehr. Und Gschichtn gibt’s vo Attelthal – des glaubt ma kaum, glei so vui, dass ma a ganz Buach schreim kannt. Da Napoleon war scho in Attelthal, oiso genauer gsagt, er war scho auf da Mille-Bank beim Sepp seim Hof ghockt. Ja, ja – scho da echte Napoleon, der französische Herrscher. Des war so um de Jahrhundertwende 1800 umanand – und de Gschicht, de hod da Opa vom Martin überliefert.

Ob da wirklich da Napoleon amoi ghockt is? Da Sepp, da Martin und da Schorsch moanan scho - a wenn's wurscht is.

Des is de Mille-Bank. Ob da wirklich da Napoleon amoi ghockt is? Da Sepp, da Martin und da Schorsch moanan scho – a wenn’s wurscht is.  Fotos: Renate Drax

Weil i woaß, dass Sie ois Leser a neugierig san, wia de Gschicht weidergät mim Napoleon – oiso hier glei am Anfang: Da Sepp war so acht Jahr oid – im Jahr 1950, weil letztes Jahr is da Sepp 70 worn – jedenfois hod er do ois Bua mitglauscht, wia da Opa vom Martin de Gschicht vom Kaiser Napoleon in Attelthal erzählt hod. Mit seine Mannen war der – na, ned, da Opa, da Napoleon – durch Bayern unterwegs. Und de Attel hod ziemlich vui Wasser ghabt, dass in da Nacht nimmer drüber woitn über den Fluss vo Attelthal. So sans beim jetzigen Lebmeier-Hof bliem. Über Nacht – ham gsunga und gfeiert und auf da Mille-Bank vorm Haus hod se da Napoleon higsitzt und hod mitgfeiert… De Bank, de gibt’s heid no, sagt da Sepp – nur a bissal aufgfrischt. Er zoagt mas nachher dann no.

Aba jetzt hockan da Martin, da Sepp und i erst amoi beim Wirt vo Attelthal. Des is da Fischer-Gust, der mit seiner ganz weit über Attelthal hinaus bekannten Gaststätte eigentlich zu Elend ghört – und des wiederum zur Stadt Wasserburg. Da werd’s a scho kompliziert mit de Attelthaler. Weil es is nämlich so: Attelthal zählt zur Gemeinde Edling, politisch gseng – telefonmäßig zu Rott, kirchensprengel-mäßig zu Attel und vereinstechnisch zu Ramerberg. Wiavui Leit leben denn in Attelthal, frag i. So genau wissen des da Martin und da Sepp a ned. 70 vielleicht oder gar 100?

So schee is im Attelthal.

So schee is im Attelthal.

Ois am Sepp seine Eltern 1933 vo Eiselfing se in Attelthal einkauft ham, war da Hof a kloans Sacherl. Wiavui Häuser san denn da scho gestandn im Dorf? Da Sepp und da Martin sinniern. „Zähl ma moi obe,“ fangt da Sepp o – auf 25 Häuser oiso kloane Sacherl kemmans dann. Betonung auf kloane. „De da oben in Attel – des warn de großen. Und mia herunt im Attelthal – mia warn quasi dene eanere Sklaven.“ Beide lachen und zoagn mas Schulhaus vo Attelthal – des is jetzt des Verwaltungsgebäude vo da Stiftung Attel. Barfuß sans da meistens aufe ganga. „Na, na,“ sagt da Martin, „i hob scho Schua ghabt.“ So lang is ja a wieda ned her – er is ja a erst 44 Jahr alt.

Bekannt is da Martin Berger, weil er im Rathaus vo Edling sozusagen de rechte Hand vom Bürgermoasta Schnetzer is. Geschäftsleiter und Kämmerer und und. „Ja, da Martin is für uns da Bürgermoasta vo Attelthal,“ moant da Sepp. „Na, Sepp, des bist scho du – du bist unsa Präse,“ moant da Martin. Beide san scho imma Nachbarn. „Im Zentrum vo Attelthal wohn ma.“ Und wenn’s amoi furt san und verreisen, dann sans imma wieda froh, wenn’s hoam kemman. Mit de Freind aufa Bier geh, ois Nachbarn a bissal zammratschn. „Mia ham de Berg ja vor da Haustür – a Gebirgskette in de oana Richtung und de Gebirgskette vo Allmannsberg in de andere.“ Wieda werd richtig glacht. Weil genau so is in Attelthal. Deshoib hoaßt da Ort ja a Thal… Da Berg vo Allmannsberg is heid no a Schlittenberg vo de Kinder.

Lustige Gschichtn gibt’s vui vom Dorf. Zum Beispiel de, wo da Schmied Schorsch – der hod ned so ghoaßn, aba er war da Schmied im Dorf – mitam Preißn gwett hod, dass de „Hollerküchlein“ bei eana in Attelthal auf de Baam wachsn. Um 100 Liter Bier is ganga. Oiso hod da Schorsch in da Nacht an Teig hergricht und dann mim Lötkolben an den Hollerstrauch onebabbt. Da Preiß – des war so a Sommerfrischler – hod’s glaubt und drei Tag lang is dann gfeiert worn …

Oda de Gschicht vom Metzger. Da Vater vom Sepp, hod a paar Schweinderl ghabt, weil er’s Fleisch so gern meng hod. Und irgendwann is oganga, wenn er zum Baden in de Attel is, dann is eam oans vo de Schweinderl hinterher – und a mit zum Baden ganga. Ois des Schweinderl dann a richtige Sau war, is da Metzger kemma zum Schlachten. De Sau aba hod se dacht, jetzt geh i erst nomoi zum Baden in de Attel. Da Metzger hinterher und in da Attel dann hams grafft – de Sau und da Metzger, dass letzterer fast dasuffa war – hätt ihn ned da Papa vom Sepp gerettet. De Sau hod ja super schwimma kenna… Mim Schlachten war’s an dem Dog dann nix mehr …

Aufm Hof vom sepp da Blick zur Klosterkirche Attel.

Aufm Hof vom Sepp da Blick zur Klosterkirche Attel.

Da Martin sagt, dass für eam ois Kind früher nur Fuaßboi spuin und fischen gem hod. Womit ma bei de beiden scheena „Flüsse“ okemma san, die’s Dorf umschließen. De Ebrach – des war amoi a richtiger Forellenbach – und de Attel. „Mei,“ sagt da Sepp, „da hod’s früher ja agrad nur so gwurlet vo lauter Fisch.“ Er woaß des ganz genau – hod er doch in seim Leben scho umde 20 000 Fisch weggrillt. „Ja, da is da Sepp a Profi,“ nickt da Martin anerkennend. Mindestens 25 Jahr lang, erzählen de Zwoa, hods immer a großes Fest gem in da Halle vom Berger Jakob. Veranstalter war da Eisschützenverein Attelthal. Des war da oanzige Verein, den’s gem hod. „Andere hamma ned woin,“ sagt da Sepp und lacht. Jetzt gibt’s nur mehr a Festl bei eam im Hof. Weil – a Attelthal hod seine traurigen Gschichtn, persönliche Schicksalsschläge, de mit dem früheren Festl zsammhängan.

Schod finden beide, dass heutzutage jemand der a Handwerker is, a fleißiger, sich nimmer vui leisten kann, A Haus bauen, da werd’s schwierig, des war früher anders. Da Martin muas ja wissen, der is Kämmerer, moant da Sepp. Beide finden, dass jetzt wieda mehr zsammgruckt werd in de Familien, de Kinder mehr dahoam bleim – wos a wieda schee sei. Sehr. Ma muas hoid immer’s Beste ausm Leben macha – des hams in Attelthal a glernt. „Mia ham de beste Zeit dawischt, seid’s de Welt gibt,“ sagt da Sepp zu mir und mia sitzen alle drei auf da Mille-Bank vo seim Hof. D’Sonna lacht vom Himme. Am Sepp sei Bruada, da Schorsch, kimmt a no dazua. Und dann werd sinniert. Ob da Napoleon da a wirklich amoi ghockt is? Wurscht is des. Aba des mit da „besten Zeit“ – des ko ma spürn an dem Dog in Attelthal. Ganz deutlich …

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