Applaus für sieben Frauen in Wasserburg!

Berührend und außergewöhnlich: Noch dreimal „Noch und nöcher" von Gerry Mierbeth

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1Noch dreimal haben die Theater-Freunde die Gelegenheit, am kommenden Wochenende ein sehr berührendes, außergewöhnliches Theaterstück in Wasserburg mitzuerleben. Mit gleich sieben, ganz großartigen Schauspielerinnen, die ihr Hobby – das Bühnenleben – nachhaltigst, geradezu überraschend umwerfend präsentieren. Regisseur und Autor Gerry Mierbeth und sein Label „Golden Monk Productions“ zetteln diese Theaterphantasie im wunderschönen, alten Theatersaal des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Wasserburg an: Noch und nöcher! Unsere Bilder …

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Eine Entdeckung: Ines Clemens.

Herumliegende Taschentücher auf dem Bühnen-Boden deuten es schon an – auch ohne die Damen: Der Abend wird ans Herz gehen.

Es geht um eine Reise zu sich selbst – das haben nicht nur sieben, sehr unterschiedliche Frauen gemeinsam, das Publikum wird sich wundern, es wird mit einbezogen, unwillkürlich angesteckt. Mit dem Blick auf das Bühnen-Geschehen a la Gerry Mierbeth: Eine Reise auf Irrwegen ins Innerste der Vernunft der Protagonistinnen, den Trolley hinter sich herziehend, mit einem klapprigen Lift fahrend und immer mit dem Allerschönsten rechnend …

Gerry Mierbeth fordert den Zuschauer und Zuhörer, appelliert an die Tiefe der Bilder, an die Wahrnehmung und Erfahrung jenseits linearer Logik, an die Sinnlichkeit der Worte, an freies Phantasieren, an individuelle Schürfarbeit, an ein lustvolles Sichtreibenlassen in Bildern, Tönen und Bewegungen. Eigene Texte mit Textfragmenten unterschiedlichster Autoren kombiniert er meisterhaft. Schreien, lachen –  die Seele entblößend tanzen, singen.

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Spürbare Leidenschaft und Talent für die Bühne: Andrea Fabian.

Ines Clemens, die kluge Depressive im Stück – geradezu eine Entdeckung. Dramatisch, ausdrucksstark, wortgewand Karin Sacher – taffe Macherin, aber auch Mörderin im Stück. Andrea Fabian, verzaubernd zwischen Trugschluss und Luftschloss, verläßlicher Liaison und tiefem Fall.

Therapeutisch geradezu Monique Nägele – ins Herz schließend irre, Ellen Hell sowie Marina Schroeter zwischen Intuition und Manipulation. Und nicht zuletzt Marie Elliot-Gartner, die Bingo-Königin des schnöden Alltags, Tosender Applaus am Ende für sie alle!

Zum Stück

Diese liebenswerten sieben Damen sind menschlich aber auch nur sehr unzureichend, wie wir alle, und sollten sich verbessern, wie wir alle. Das Leben will ja nun geschickt erobert werden und fordert deshalb verläßlichen, innersten Fortschritt. Zahlreiche hübsche Therapien bieten sich an und offenbaren siegessicher sieben wunderliche Wunden. Daher braucht es erleichternde Linderungen noch und nöcher, die das bürgerliche Leben stets bereithält.

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Stark verwandelbar: Karin Sacher.

Dafür ist es ja schließlich da. Sieben Damen spielen lange Bin-go und gewinnen zunehmend beschwichtigt den erhofften Verlust ihrer Lebenszeit. Nach der Tagesschau gehen sie in Wind und Wetter erneut auf Reisen durch die schmerzhafte Welt der Widersprüche.

Da sind dumme Liebende und eine kluge Depressive. Da sind Weise, Mörder, eine Irre aus Haar und die englische Literatur. Da hilft doch noch Gesang, Tanz, Schlaf, John-Boy und Jesus. Und Medikamente natürlich, die immer bereitstehen, noch und nöcher. Schließlich ist aber alles erfühlt verloren und geht am Ende – wie jeden Tag – wie nichts von vorne los, um in einem Aufzug anhaltende Erfüllung zu gewinnen.

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Medikamenten-Ausgabe … von links Monique Nägele, Ines Clemens, Marina Schroeter, Ellen Hell, Andrea Fabian, Marie Elliot-Gartner und Karin Sacher.

Im Theatersaal des Förderzentrums

Kaspar-Aiblinger-Platz 4 in Wasserburg.

NOCH UND NÖCHER

Eintritt: 16 € und 12 € mit Ermäßigung – freie Platzwahl.

Information und Kartenreservierung:

www.goldenmonk.de

Telefon: 08071-922 1980 /AB

Noch drei Vorstellungen:

Freitag, 29., und Samstag, 30. Januar, jeweils um 20 Uhr.

Sonntag, 31. Januar, um 19 Uhr.

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