Andorra, ein hochbrisantes Thema

Theater Wasserburg: Das Drama von Max Frisch in einer Inszenierung von Jörg Herwegh

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andorraAndorra ist der Name für ein Modell im Drama von Max Frisch. Im Theater Wasserburg feiert das Stück am Freitag, 7. Oktober, unter der Regie von Jörg Herwegh  Premiere und ist an zwei Wochenenden zu sehen. Das Andorra-Phänomen ist ein Begriff aus der Sozialpsychologie. Die Wissenschaft hat diesen Begriff dem Drama „Andorra“ entnommen. Er besagt, dass sich Menschen oft an die Beurteilungen und Einschätzungen durch die Gesellschaft anpassen und dies unabhängig davon, ob diese ursprünglich korrekt gewesen sind oder nicht. Der Effekt beschreibt damit eine sich selbst erfüllende Vorhersage: Eine Person verhält sich mit der Zeit genauso, wie man es ihr die ganze Zeit vorausgesagt hat.

Wichtig für das Modell scheint die latente Bedrohung durch einen übermächtigen faschistoiden Nachbarstaat. In diesem Fall die „Schwarzen“ genannt, regiert von einer mörderischen antisemitischen Diktatur.

Die Angst vor Überfall und Okkupation durch die „Schwarzen“ kompensieren die Bewohner unseres Kleinstaates durch übertriebene Zurschaustellung ihres Anders-Seins, ihrer Freiheits- und Friedensliebe, ihres Eintretens für Minderheiten wie z.B. Juden. Die Bewohner unseres Modell-Kleinstaates sind die „Weißen“. Sie haben ihren „Lehrer“ als Helden gefeiert, der einst ein Juden-Baby aus den Klauen der „Schwarzen“ rettete.

Dieser vermeintliche Jude ist aber kein knuffiges strahlendes Baby mehr, sondern ein junger Mann mit seinen Bedürfnissen und Wünschen, der seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Hier entfaltet das Drama des Modells seine tödliche Dynamik, denn hinter der feierlich zelebrierten gleichheitsfordernden Toleranz der „Weißen“ lodern Vorurteile, Angst vor Minderheiten und Fremdenhass.

Drama von Max Frisch.
Regie: Jörg Herwegh.
Es spielen: Constanze Baruschke, Susan Hecker, Daniel Holzberg, Ann-Sophie Ludwig, Gernot Ostermann, Yannick Zürcher.

Premiere am 7. Oktober um 20 Uhr im Belacqua.

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