Anbindung an MVV offenbar gefährdet

Tulling-Wasserburg: ÖPNV-Bericht im Kreistag - Schwierige Verhandlung mit München

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Bahn+Bus-vernetzt_Pfaffing_V2Wackelt der für Dezember geplante MVV-Tarif für die Strecke Wasserburg-Tulling? Der Sachstandsbericht zum Öffentlichen Personennahverkehr, der heute am Mittwoch im Rosenheimer Kreistag vorgestellt wurde, zumindest verkündet nichts Erfreuliches. Der Landkreis will zusätzliche Mehrkosten nicht übernehmen, heißt es aus Rosenheim. Erfreulicher hingegen: Auf der Strecke Wasserburg-Ebersberg-München könnte der an Werktagen geltende Stundentakt ab Dezember 2016 auch am Wochenende angeboten werden.  

Das ist ein herber Rückschlag für alle Bahn-Pendler nach München! Obwohl der MVV-Tarif für die Strecke Ebersberg-Wasserburg ab Tulling bereits beschlossen ist (wir berichteten, siehe unten), und im Dezember eigentlich gestartet werden sollte, scheint jetzt eine Einführung wieder in Gefahr. Das kam beim Sachstandsbericht zum Öffentlichen Personennahverkehr heute im Rosenheimer Kreistag zu Tage. Der gesamte Bericht:

Hans Zagler, einer der beiden Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: Im ländlichen Raum könne der ÖPNV nicht zu einer völlig gleichwertigen Alternative zum eigenen Pkw ausgebaut werden.

Das würden Projekte zeigen, die von der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft gefördert werden. Der massive Ausbau der Busanbindung des Behandlungszentrums Vogtareuth habe im zweiten Jahr eine deutliche Steigerung bei den Tagesgästen gebracht. Die Beschäftigten dagegen konnten noch nicht vom Umstieg auf den Bus überzeugt werden.

Pfaffings Filzenbus komme nur schwer in Fahrt

Schwer in Fahrt komme der so genannte Filzenbus, ein Rufbus in den Gemeinden Albaching und Pfaffing. Im ersten halben Jahr werde er monatlich nur von etwa 60 Personen genutzt.

Eingeführt sei dagegen der Bürgerbus Chiemsee, der seit inzwischen 13 Jahren mit ehrenamtlichen Fahrern als öffentliche Linie betrieben wird.

Licht und Schatten gebe es auch bei den Nachtbuslinien, deren Rückgrat seit über 20 Jahren die Linien im Mangfalltal und im Inntal sind. Wobei der Mangfalltal-Nachtbus aufgrund des erfreulichen Ausbaus im Schienenverkehr inzwischen aus finanziellen Gründen Sorgen macht.

Bilanz Nachtbusse

Der Nachtbus über Haag, Rechtmehring und Soyen nach Wasserburg ist eingestellt. Nachdem in Soyen je Fahrtag nur zwei bis vier Jugendliche zustiegen, kündigte die Gemeinde Soyen ihre Unterstützung. Dagegen konnte sich die Nachbuslinie von Albaching über Forsting, Pfaffing, Edling nach Wasserburg etablieren. Hoffnung gibt es möglicherweise für den Nachtbus im Chiemgau. Er musste eingestellt werden, nachdem das attraktivste Ziel, der „Eiskeller“ in Aschau schloss. Sollte die Lokalität wieder öffnen, könnte der Fahrplan wieder in Kraft treten.

Die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern ist in den Zügen des „Meridian“ weiterhin nicht möglich. Im Unterschied dazu erlaubt die Südostbayernbahn eine kostenlose Mitnahme auf der Strecke Rosenheim – Wasserburg, weiter nach Mühldorf, Altötting und Passau, sowie auf den Strecken Wasserburg – Forsting und Prien – Aschau.

Der nächste Schritt könnte die Einführung des seit Jahren diskutierten „Wabentarifs“ sein. Die Voraussetzungen sind geschaffen. So bieten alle Busunternehmer, bis auf einen, den Streckentarif des RVO an. Da sie zudem die gleiche Software verwenden, können schon jetzt durchgehende Karten für fast alle Buslinien im Landkreis erworben werden.

Zagler ist sich sicher, würde der RVO auf den Wabentarif umsteigen, müssten die meisten Busunternehmer mitziehen. Wichtig ist dem Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft in diesem Zusammenhang aber auch, dass das Stadtgebiet von Rosenheim mit einbezogen und der Wabentarif zeitgleich im Landkreis Traunstein umgesetzt wird.

Im Bahnverkehr beurteilte Zagler den Betrieb des „Meridian“ auf den Hauptstrecken Kufstein – Rosenheim – München und Salzburg – Rosenheim – München  im Wesentlichen zufriedenstellend bis gut. Pendler und Bahnreisende müssen sich im kommenden Jahr im Mangfalltal auf Zugausfälle und Umleitungsverkehr einstellen. Die Arbeiten an der Infrastruktur, vor allem an der Oberleitung, werden fortgesetzt.

Auf der Strecke der Mangfalltalbahn ging im Dezember 2014 der Bahnhalt „Bruckmühl-Hinrichssegen“ in Betrieb. 2017 könnten mit „Feldolling“ und „Rosenheim-Aicherpark“ zwei weitere Haltepunkte folgen. Und auf der Strecke Wasserburg – Ebersberg – München könnte der an Werktagen geltende Stundentakt ab Dezember 2016 auch am Wochenende angeboten werden.  

MVV: Landkreis will Mehrkosten nicht übernehmen

Die langwierigen Verhandlungen zur Integration des Teilstücks Tulling – Wasserburg/Reitmehring in den MVV-Tarif ab Mitte Dezember dieses Jahres sind immer noch nicht abgeschlossen. Aufgrund einer erneuten Zählung der Fahrgäste im Frühsommer dieses Jahres könne die im Jahr 2013 geschätzte Ausgleichszahlung des Landkreises Rosenheim in Höhe von 120.000 Euro nicht gehalten werden.

Um die Verluste aus der Anpassung der Fahrpreise an den MVV-Tarif auszugleichen, muss der Landkreis jetzt voraussichtlich zwischen 190.000 Euro und 200.000 jährlich zuschießen. Der Rosenheimer Kreistag ist bereit, diese Steigerung zu akzeptieren. Zum einen, weil wegen steigender Fahrgastzahlen auf der Bahnstrecke Wasserburg – München in wenigen Jahren sowieso mit einer Steigerung der jährlichen Ausgleichszahlung bis zu 200.000 Euro gerechnet wurde und zum anderen, weil die jetzt noch auszuhandelnde Ausgleichssumme als Festbetrag festgeschrieben werden soll und weitere Steigerungen damit ausgeschlossen wären.

Sorgen bereit den Kreisräten allerdings eine ebenfalls noch in der Diskussion befindliche zweite MVV-Tariflösung. Der Betreiber des Bahnverkehrs auf der Strecke Wasserburg – München, die Südostbayernbahn, soll ebenfalls einen Ausgleich an die Münchner Verkehrsgesellschaft zahlen. Hier könnten weitere 60.000 Euro auf den Landkreis zukommen. Die Debatte zeigte, dass die Kreisräte nicht mehr bereit sind, diese Summe auch noch zu übernehmen.

Wir werden nicht 250.000 Euro zahlen“, meinte Landrat Berthaler.

Hans Zagler kündigte zudem an, dass Stadt und Landkreis Rosenheim im kommenden Jahr die Fortschreibung und Aktualisierung des Nahverkehrsplans in Auftrag geben werden. Die aktuelle Version ist inzwischen zahn Jahre alt.

Siehe auch:

MVV: Bestätigung vom Landkreis

Kreistag beantragt Aufnahme des Bahnabschnitts Tulling-Wasserburg

 

MVV-Tarif bis Wasserburg beschlossen!

Kreistag einstimmig dafür – Bürgermeister: „Richtungweisender Beschluss!“

 

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3 Gedanken zu „Anbindung an MVV offenbar gefährdet

  1. Ist ja klar, dass für den jahrelang vernachlässigten nördlichen Landkreis trotz ca. 6Mio. EURO Kreisumlage nichts übrig ist. Der CSU dominierte Kreistag will dem roten Michi wohl keinen Erfolg gönnen.

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    1. Es liegt mir fern, die CSU zu verteidigen, aber das scheint mir doch etwas zu viel schwarz-weiß-Denken. Zum einen wurde in der gleichen Sitzung der Neubau einer Kreisklinik in Wasserburg für stolze 80 Millionen beschlossen. Und zum anderen kommt der MVV-Tarif ja nicht nur der Stadt Wasserburg zugute (ebenso besagter Klinikneubau), sondern auch den Umlandgemeinden – egal, ob deren Bürgermeister nun rot, schwarz, grün oder parteifrei sind. Deswegen wurden meines Wissens bisher auch alle Beschlüsse zur Einführung des MVV-Tarifs in Kreistag und Kreisausschuss absolut einstimmig beschlossen. Das ist also weder ein Kölbl-Projekt, noch muss man hier gleich kleingeistiges Parteiengezänk unterstellen.

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  2. Im Allgemeinen denke ich, dass dünne Angebote immer knappe Fahrgastzahlen mit sich bringen. Man kann nicht auf einer Linie 2 mal am Tag fahren und dann immer eine sehnsüchtig wartende Menschenmenge erwarten. Niemand will so abhängig sein.
    Sobald eine Linie zumindest stündlich verlässlich fährt und deren Existenz auch bekannt geworden ist (das braucht auch einige Zeit), gibt es – und davon bin ich überzeugt – auf dem Land auch genügend Fahrgäste. ( sofern der Tarif stimmt ) Aber ich denke Profitabel ist der öffentliche Verkehr auf dem Land vielleicht in sehr ferner Zukunft.

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