„Alles nicht neu“

Premieren und sonstige Neuigkeiten im Theater Wasserburg

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tt16_tw_draussenhilmar_flammDie Welt scheint aus den Fugen zu sein. Wieder einmal. Schreckensnachrichten überschlagen sich, hilflose Erklärungsversuche und Lösungsansätze jagen den Geschehnissen hinterher. Ängste machen sich breit. All das kommt einem irgendwie nicht neu vor. Und das Theater? Kann sich verweigern, auf bunte Events zur Ablenkung setzen, in den Spaß flüchten. Oder einfach auch mal Stellung beziehen. Leitung und Ensemble des Theaters Wasserburg haben sich dafür entschieden, sich in der Spielzeit 16/17 dem Weltgeschehen zu stellen. 

Theaterleiter Uwe Bertram: „Wir wollen uns in dieser Spielzeit den Menschen hier widmen, wir wollen uns mit den Sorgen und Nöten beschäftigen und versuchen an der Triebfeder Angst als Wegbereiter für ideologisch motivierte Ambitionen zu sägen.“

Unter diesen Maßgaben wurde die Spielzeit 16/17 im Theater Wasserburg vorbereitet. Zunächst lodern Vorurteile, Angst und Hass: In „Andorra“. Jörg Herwegh inszeniert das Drama von Max Frisch. Uwe Bertram selbst widmet sich den speziellen Ängsten von Johannes Pinneberg, dem „Jungen“, der sich in schwierigen Zeiten wie diesen um seine Frau und den gemeinsamen Nachwuchs, das Murkelchen, kümmern will und muss. Sie richten sich in ihrer unaufhaltsamen Abwärtsspirale ein und versuchen sich durch komplette Abschottung von der Außenwelt zu schützen. Der Aufstieg des Arturo Ui ist dagegen laut Bertolt Brecht „aufhaltsam“. Um diesen Gangster geht es ab Frühjahr 2017. Der wittert in der aktuellen politischen Situation seiner Zeit mit all den wirtschaftlichen und staatlichen Verfilzungen und persönlichen Perspektivlosigkeiten den perfekten Nährboden für seine Allmachtsambitionen.

theaterwasserburg_peterpan_hoch3_flammMit einer neuen Lesereihe möchte Nik Mayr „die politische Absichtserklärung für diese Spielzeit“ zusätzlich ein wenig „würzen“: Unter seiner Leitung kommen ab sofort an einem Dienstag im Monat Texte auf den Tisch, die von Schauspielern des Theaters vorgetragen werden und damit als Anregung zum Mitdenken, als Vorlage zur Ermunterung oder Empörung dienen. Den Beginn macht im Oktober „Wenn nicht wir, wer dann?“ von Philipp Ruch.

Nik Mayr selbst wird in dieser Spielzeit mit dem Kunstförderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet (wir berichteten). Ausgehändigt wird ihm diese Nachwuchs-Ehrung für darstellende Künstler in Bayern Ende November durch Dr. Ludwig Spaenle. Mit dieser Auszeichnung ist er im Theater Wasserburg derzeit in guter Gesellschaft: Zunächst hat Uwe Bertram in diesem Jahr das Bundesverdienstkreuz überreicht bekommen, das ihm Bundespräsident Joachim Gauck 2015 verliehen hat. Dann wurde Hilmar Henjes mit einem der drei Jury-Darstellerpreise der 12. Wasserburger Theatertage ausgezeichnet. Er bekommt seinen Preis gemeinsam mit den anderen Preisträgern – Bernd Berleb aus Dinkelsbühl und Heiko Dietz aus München – zur Eröffnung der Spielzeit 16/17 mit der Andorra-Premiere am Freitag, 7. Oktober, um 20 Uhr überreicht.

Auch für Kinder und Jugendliche gibt‘s es in dieser Spielzeit wieder Programm – unter anderem verirren sich zwei Schauspieler in den Wirren der Grimmschen Märchen und brauchen dringend Unterstützung, um da wieder heraus zu finden. Zu Gast ist im Herbst und zu Silvester Frank Piotraschke mit einer eigenen Produktion: „Früher kam ich bis ganz runter“ – eine böse Humoreske über das Casting-Gebahren. Wer bislang „Peter Pan“, „Nur ein Tag“, „Draußen vor der Tür“ und „Käse“ nicht gesehen hat, hat dazu ab diesem Winter noch mal Gelegenheit.

Karten im Online-Vorverkauf und weitere Details über www.theaterwasserburg.de. Kartenvorverkauf außerdem über Buchhandlung Fabula Wasserburg, Kroiss TicketZentrum Rosenheim und Kulturpunkt Isen. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

 

 

 

Bilder Peter Pan & Draußen vor der Tür: Christian Flamm

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