A gscheida Kirta dauert bis zum Irta …

... und es kunnt se schicka, aa bis zum Migga - Sonntag ist „Allerweltskirchweih“

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0A Kirchweih-Anterl, Auszogne und Kirta-Krapfen – beliebt sind die kulinarischen Genüsse zum Kirtasonntag, wie sie auch die Wasserburger Backstube wieder bietet. Am dritten Sonntag im Oktober – diesmal dem 19. – wird bei uns Kirchweih gefeiert, allerdings der „Allerweltskirchweih“. Denn eigentlich sollte dieser Tag auch der Jahrestag der Weihe des jeweiligen Gotteshauses sein. Praktisch-pragmatische Gründe änderten das damals. Einzig im Altlandkreis macht da Edling eine Ausnahme. Der dortige Kirtaverein feiert, wie es ursprünglich der Brauch war (unser Foto), genau zur Weihe seiner Kirche St. Cyriakus …

Fotos: Renate Drax

… am ersten August-Wochenende (wir berichteten). Bis 1866 wurde nämlich in Bayern in den Städten und Dörfern Kirchweih noch gefeiert, wie es gefallen ist – jedes Jahr am Datum der Weihe … wie der Name ja ursprünglich auch schon sagt. Kirchweih.

In der Regel waren die Feste am Sonntag vor- oder nachher. Und eben nicht nur am Sonntag, sondern auch schon mal bis Mittwoch. Nichts anderes meint die altbayerische Redensart vom Kirta: „A gscheiter Kirta dauert bis zum Irta – und es kunnt se schicka, a dirnmal bis zum Migga.“

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Beim Kirtaverein in Edling eine schöne alte Tradition: das Kirtahutschn!

Und da die Bevölkerung auch die Kirchweihfeste der Nachbarorte mitgefeiert hat, ist das der Obrigkeit dann zuviel geworden: die Dorfkirchweih wurde abgeschafft, bisweilen gar verboten. Dafür gab es dann nur mehr die zentral angeordnete, einheitliche Feier am dritten Sonntag im Oktober. Theologische Gründe für diesen Kahlschlag in der Feiertagskultur im 19. Jahrhundert gibt es keine.

Das Erzbistum München-Freising sagt dazu: „Paradoxerweise ist es heute die Vielzahl der Feste und Events im Lauf eines Jahres, die den Kirchweihtag vielerorts zur Pflichtübung degradiert haben. Denn es gibt ja auch noch das Pfarrfest im Sommer, den Pfarrball und -ausflug, das Feuerwehr- und Dorffest, Tage der offen Tür, private und berufliche Gartenfeste. Dazu kommt, dass die Freude über ein eigenes Gebäude der Selbstverständlichkeit darüber gewichen und von Renovierungs- und Finanzierungssorgen getrübt ist.
Selbst dort, wo Kirchweihbrauchtum lebendig ist, ist längst nicht immer klar, ob über schwungvoll aufbereitete Traditionen hinaus auch die Tatsache gefeiert wird, dass die Kirche Raum und Ort in unserer Gesellschaft hat. Und dennoch: wenn die rot-weiße Fahne an diesem Tag von allen Kirchtürmen flattert, ist ein schöner Feiertag im Lauf des Kirchenjahres gekommen.“

Die Fahne übrigens wird „Zachäus-Fahne“ genannt, in Erinnerung an den Zöllner Zachäus, der, wie im Festevangelium verkündet, extra auf einen Baum gestiegen war, um den vorüber gehenden Jesus zu sehen.

Siehe auch:

Kirta in Edling – eins der schönsten Feste!

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