Zwölf Meter hohes Bühnenbild für „Rigoletto“

Schloss Amerang: Unser Interview mit dem Maler und Grafiker Hendrik Müller

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Amerang 1So viel italienisches Flair herrschte bislang selten im Renaissance-Arkadenhof von Schloss Amerang, der den Veroneser Signori della Scala zu verdanken ist: Dank des zwölf Meter hohen Bühnenbilds von Hendrik Müller eröffnet sich bei Verdis Oper „Rigoletto“ der Blick auf die Piazza Sordello in Mantua. Premiere ist am nächsten Freitag, 3. Juli. Regie führt der Intendant des Salzburger „Oper im Berg Festivals“, Ingo Kolonerics. Wir sprachen mit dem in Halfing lebenden Bühnenbildner Hendrik Müller …

Sie sind Kunstmaler, Illustrator und Grafiker. Seit wann sorgen Sie für das optische Erscheinungsbild von Schloss Amerang – und wie begann damals Ihre Zusammenarbeit?

Hendrik Müller: 2015 gibt es nicht nur 50 Jahre Schlosskonzerte zu feiern, sondern auch noch 20 Jahre Grafik für Schloss Amerang. 1995 durfte ich das erste Programm, damals noch ein sehr schlichtes Faltblatt, für die Sommerkonzerte gestalten.

In den ganzen Jahren hat sich das Arbeitsfeld ziemlich ausgeweitet.

Hin und wieder sind Sie auch als Bühnenbildner tätig, vor allem für Opern. Lieben Sie die Oper besonders? Wenn ja, warum?

Ich könnte nicht behaupten, die Oper ‚besonders‘ zu lieben, aber ich kann mich sehr dafür begeistern, wenn sich die Inszenierung im klassischen Rahmen bewegt. Probleme habe ich, wenn die Optik auf der Bühne nicht mit der Musik übereinstimmt.

Wenn ich die Musik höre, habe ich Bilder im Kopf und es reizt mich, diese umzusetzen.

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Eine Szene der Probe in Amerang zu Rigoletto …

Ihre Bühnenprospekte für die vier Open zum 50-jährigen Jubiläum auf Schloss Amerang müssen ganz besonderen Anforderungen genügen. Die Bühne ist zwar klein, aber Sie können extrem hoch arbeiten – bis zu zwölf Meter hoch! Diese Höhe ist rekordverdächtig, oder? Wie geht das technisch?

Die relativ extreme Höhe im Verhältnis zur Breite ist natürlich eine Herausforderung, auch die nicht vorhandene große Bühnentechnik. Gerade das braucht eine technisch einfache Lösung sowie ein Bildmotiv, das weitestgehend zum Stück passt und das gesamte Schloss als Bühnenbild mit einbezieht. In so eine wunderschönen Kulisse, wie Schloss Amerang nur eine Guckkastenbühne zu stellen, wäre eine Sünde.

So haben wir bei Rigoletto die Bühnenwand optisch aufgebrochen und geben einen Blick auf die Piazza Sordello in Mantua frei. Die Darstellung ist realistisch und doch deutlich im zeichnerischen Stil gehalten.

Als Maler sind Autos Ihr Hauptmotiv. Hat das etwas mit dem Automobilmuseum in Amerang zu tun? Sie arbeiten ja um die Ecke in Halfing.

Alte Autos, Flugzeuge, Dampfmaschinen und so weiter sind von Jugend an meine Leidenschaft. Da reizt es mich, die Ästhetik funktionaler Technik darzustellen. Je realistischer und detailreicher, umso lieber. Mit dem Automuseum hat das nicht direkt zu tun und die lokale Nähe hat nur den Vorteil, dass man sich ab und zu mal spontan entschließen kann, das Museum zu besuchen.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben? Schaut man Ihre Homepage www.muellerhendrik.com an, sieht man viele Anspielungen auf Dali, Picasso, aber auch impressionistische Anklänge. Für welche Epoche begeistern Sie sich am meisten?

Für meinen bevorzugten Arbeitsstil passen wohl am besten die Begriffe Fotorealismus und Surrealismus. Dali hat mich seit jeher fasziniert, weil er es verstanden hat, seine Fantasie auch noch technisch brillant umzusetzen. Mit der Anspielung auf Picasso meinen Sie sicher mein Bild „Die Umkehrung der Abstraktion“, das sich dem Thema mit dezenter Kritik widmet. Meine Leidenschaft gilt jeder Epoche, die mit großem handwerklichen Können Dinge geschaffen hat, die man erkennen kann, ohne eine DIN A4 Seite lesen zu müssen, um nur annähernd zu verstehen, was der Künstler damit ausdrücken wollte. Da bin ich gerne konservativ.

Rigoletto, Die Zauberflöte, La Traviata und Tosca – bleiben Sie abstrakt oder haben Sie zu jeder Oper ganz besondere Ideen? Wenn ja, welche?

Eine abstrakte Lösung wird es bei keiner der vier Opern geben. Jedes Motiv bezieht sich in irgendeiner Form auf das Bühnengeschehen und soll es erkennbar optisch untermalen. Wie gesagt ist Rigoletto, mit dem direkten Blick von Amerang nach Mantua, schon fertig; die Zauberflöte, mit einem Palast im Zauberwald, entsteht gerade, und die beiden anderen Bilder befinden sich noch im Entwurfsstadium.

Hören Sie Musik beim Malen? Wenn ja, welche?

Ich höre vorwiegend Jazz beim Malen, und wenn ich mich sehr konzentrieren muss, verschafft mir die klassische Musik die nötige Ruhe.

Nehmen Sie bei den vier Bühnenbildern farblich auch Bezug zu den Kostümen? Welcher optische Genuss erwartet das Publikum?

Im Bühnenbild einen direkten farblichen Bezug zu den Kostümen herzustellen, ist eine sehr heikle Aufgabe. Ich neige eher dazu, das Bild dezent zu halten um nicht in Konkurrenz zu den prächtigen und farbenfrohen Kostümen der Sänger zu treten.

Die je nach Szene wechselnde Lichtstimmung setzt hier die notwendigen Farbakzente und liegt dann eher in der Hand des Beleuchters.

 

Opern-Termine – „Die Renaissance der Schönen Künste“:

Freitag, 3./Samstag, 4. Juli: Rigoletto von Verdi

Donnerstag, 9. Juli: Die Zauberflöte von Mozart, Inklusionsveranstaltung

Sonntag, 19./Freitag, 24. Juli: La Traviata von Verdi

Sonntag, 2./Sonntag, 9. August: Tosca von Puccini

Vorverkauf

Die Karten von 12 bis 59 Euro gibt es nur online oder über das Schloss-Büro, Schloss 1, 83123 Amerang, Mo.-Fr. 9-12 Uhr, Tel. 08075/91 92 99, Fax 08075/91 92 33, konzerte@schlossamerang.de, www.schlossamerang.de

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