Zu wenig altersgerechter Wohnraum

Kreistag schrieb heute das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept" weiter

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Über fünf Jahre ist es her, das vom Rosenheimer Kreistag ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept beschlossen wurde – in vielen Gemeinden hat es eine positive Entwicklung ausgelöst. Das bestätigt die erste Fortschreibung und Weiterentwicklung, mit der sich die Kreisräte in ihrer heutigen Sitzung beschäftigten. Deutlich wurde aber auch, dass die Strukturen und Angebote weiter entwickelt werden müssen, um älteren Menschen ein attraktives Lebensumfeld zu bieten.

Das Leben im Alter ist als Thema in der Öffentlichkeit angekommen. Die zunehmende Sensibilisierung sorgte dafür, dass sich die in der Seniorenarbeit tätigen Akteure stärker vernetzten und das Engagement der Bürger anstieg. Das Seniorenpolitische Gesamtkonzept sorgte in immerhin zwei Drittel aller Gemeinden im Landkreis für Veränderungen. Alle Wohlfahrtsverbände, 83 Prozent der ambulanten Dienste und 85 Prozent der stationären Einrichtungen setzten Maßnahmenempfehlungen aus dem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept um.

Das aus Sicht der älteren Menschen wichtigste Handlungsfeld bleibt das Wohnen zu Hause. Auch im Falle, dass sie Pflege und Unterstützung benötigen, wollen sie in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben.

Viele Senioren gestehen sich ein, schon jetzt gewisse Schwierigkeiten mit baulichen Gegebenheiten zu haben bzw. befürchten, zukünftig nicht mehr zu Recht zu kommen. Auf Initiative der Seniorenbeauftragten im Landkreis Rosenheim Silvia Stock wurden in den vergangenen Wochen ehrenamtliche Wohnberater ausgebildet. Sie werden in einigen Gemeinden bei einer möglichen Anpassung des Wohnraums beratend zur Seite stehen.

Unbestritten ist, dass in vielen Gemeinden kein ausreichender altersgerechter bzw. barrierefreier Wohnraum zur Verfügung steht. In zwei Drittel der Landkreisgemeinden gibt es zudem derzeit keine aktuellen Maßnahmen oder Planungen, diesen Bedarf zu verringern.

Die Angebote der ambulanten pflegerischen Versorgung sowie alltagspraktische und niedrigschwellige Hilfen wurden in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht weiter entwickelt. Potentiale gibt es noch im Ausbau von alternativen Wohnformen, insbesondere von Wohn- und Hausgemeinschaften für ältere Menschen.

Die Hauptlast der häuslichen Versorgung pflegebedürftiger Menschen tragen weiterhin Angehörige, Nachbarn und Freunde, auch wenn ergänzend ein ambulanter Pflegedienst tätig ist. Um die Risiken körperlicher und seelischer Erschöpfung oder einer gesundheitlichen Gefährdung zu minimieren, können pflegende Angehörige auf ein differenziertes Beratungs-, Unterstützungs- und Entlastungsangebot zurückgreifen. Der bereits erfolgte Ausbau solcher Angebote soll bedarfsgerecht fortgeführt werden.

Bei der Ortsplanung und –gestaltung legen viele Gemeinden großen Wert auf die Sicherstellung einer größtmöglichen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Die Nahversorgung ist größtenteils sichergestellt. Allerdings stehen in manchen Orten die Güter des täglichen Bedarfs gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung.

Besonders in kleinen Kommunen sind alternative Konzepte notwendig, um eine ortsnahe Lebensmittelversorgung zu gewährleisten. Als Alternative nennt die 1. Fortschreibung und Weiterentwicklung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts den Dorfladen als Gemeinschaftsprojekt.

Um die Mobilität älterer Menschen sicherzustellen, bleibt der Öffentliche Personennahverkehr eine Daueraufgabe. Schwerpunkt ist der ländliche Raum, wo vor allem am Wochenende das Angebot deutlich ausgedünnt ist. Zur Verbesserung der Situation trugen in vielen Gemeinden in den vergangenen Jahren ehrenamtlich getragene Beförderungsangebote wie Bürgerbusse bei.

Ganz grundsätzlich wird das ehrenamtliche Engagement in der Seniorenarbeit als sehr wichtig angesehen. Die stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie alle im Landkreis tätigen Wohlfahrtsverbände legen ein großes Augenmerk auf die Gewinnung und Wertschätzung von Ehrenamtlichen. Zudem bemüht sich etwa jede zweite Gemeinde, Ehrenamtliche für die Seniorenhilfe zu begeistern. Ehrenamtlich getragene Bürgerhilfen, Helferkreise und Nachbarschaftshilfen tragen dazu bei, dass Seniorinnen und Senioren selbstbestimmt leben können.

Zur gesellschaftlichen Teilhabe gehören auch Angebote, die soziale Kontakte und Beziehungen ermöglichen sowie das Selbstvertrauen und die Zusammengehörigkeit stärken. In drei Viertel aller Gemeinden im Landkreis gibt es ein speziell auf Senioren abgestimmtes Bildungs-, Kontakt-, Sport- und Kulturangebot. In 43 Gemeinden vertreten Seniorenbeauftragte die Interessen älterer Menschen. In den übrigen Gemeinden nehmen der Bürgermeister bzw. die Gemeindeverwaltungen diese Aufgabe wahr.

Wie es in dem im Kreistag vorgestellten Bericht weiter heißt, ist der Landkreis Rosenheim aktuell in den Bereichen der ambulanten, teilstationären und stationären Betreuung und Pflege gut bis sehr gut versorgt.

In der Zukunft wird der Bedarf an Pflege und Betreuung zunehmen. Der Anteil der Menschen über 65 Jahre betrug im Jahr 2000 15,5 Prozent. Ihr Anteil erhöhte sich bis heute auf 20,5 Prozent und im Jahr 2034 werden so die Prognose 27,7 Prozent aller Landkreisbürger älter als 65 sein. Im Jahr 2020 wird der Landkreis Rosenheim den längerfristigen Bedarf an Pflegeeinrichtungen erneut ermitteln. Die Ergebnisse werden Bestandteil der 2. Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts sein.

Grundlage der Ergebnisse der 1. Fortschreibung waren eine Fachveranstaltung zur Weiterentwicklung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts und schriftliche Befragungen der Gemeinden, der Seniorenbeauftragten, der Wohlfahrtsverbände, der ambulanten Pflege- und Betreuungsdienste, der stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie der Pflegekassenverbände.

Zudem wurden Einzelanfragen an die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und die Bayerische Architektenkammer gestellt. Die fachliche Beurteilung und politische Bewertung obliegt einer Steuerungsgruppe, die das Seniorenpolitische Gesamtkonzept von Anfang an begleitet. Von Seiten der Landkreisverwaltung kümmert sich Sozialplaner Jürgen Laupheimer um die Entwicklung, Steuerung und Koordinierung des Konzepts.

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