Wenn Worte verletzen: Appell eines Schiris

Obmann Sepp Kurzmeier will Botschaft in die Gemeinden tragen

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OLYMPUS DIGITAL CAMERARamerberg/Amerang/Landkreis – Er durfte den DFB-Pokal an Dr. Felix Brych zum „Schiedsrichter des Jahres“ überreichen und er pfeift bereits in der Bundesliga Spiele von Teams wie die der U 19 des FC Bayern München: Michi Bacher aus Amerang (22) ist schon heute der Star unter den Hobby-Schiedsrichtern in der Heimat, dem Altlandkreis. Ein Hobby, das ein Negativ-Image hat sondersgleichen. Und das, obwohl es auf der ganzen Welt ja überhaupt kein einziges Spiel ohne Schiri gibt oder geben könnte. Sepp Kurzmeier vom SV Ramerberg (unser Foto) will jetzt wachrütteln.

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Und zwar am liebsten in allen Orten der Region. Er ist Schiri-Obmann und was er und seine Kollegen erleben – dafür braucht es nur zwei Worte: Es reicht … (Siehe auch unseren Kommentar unter – Des moanan mia – „Üba de Achtung füran Schiri!“)

 

Er ist der Star unter den Schiris in der heimat: der 22-jährige Michi Bacher, der schon in der Jugend-Bundesliga pfeift und vielleicht einmal ein ganz Großer wird ...

Er ist der Star unter den Schiris in der Heimat: der 22-jährige Michi Bacher, der schon in der Jugend-Bundesliga pfeift und vielleicht einmal ein ganz Großer wird …

Was ein Schiedsrichter im Amateur-Fußball zu hören bekommt, ist sehr selten oberhalb der Gürtellinie, wie man so sagt. Ganz zu schweigen von Lob, denn irgendeine falsche Entscheidung – zumindest in den Augen eines Teams – ist zu tausend Prozent dabei. Zwei Gegner und man steht dazwischen. So einfach ist die Beschreibung. Sepp Kurzmeier trat relativ spontan bei der Jahreshauptversammlung in Ramerberg (wir berichteten bereits) ans Mikro. Er dankte dem Sportverein und freute sich, dass dieser mittlerweile gleich sechs Schiedsrichter in seinen Reihen habe – davon sogar zwei Frauen.

Aber er hatte an diesem Abend vor allem eine Botschaft und wollte damit einfach bei seinem Heimatverein beginnen. Hinaustragen möchte er die Botschaft – in alle Gemeinden. „Es geht um Wertschätzung und um Achtung“, sagt Kurzmeier. Es gehe nicht darum, etwas schön zu reden, was vielleicht falsch war – denn es sei ja logisch, dass man auch als Schiri nicht unfehlbar sei. Man mache Fehler. Und, weiß Gott, man vertrage auch Kritik. Nur wie damit in der Öffentlichkeit umgegangen werde, dass sei schon immer extrem gewesen – und werde in letzter Zeit immer extremer. Es gebe kaum noch Anstand.

Er nannte den Fall von Thomas Krichbaumer am 3. Oktober 2012 beim A-Klassen-Spiel zwischen dem FC Iliria Rosenheim und dem ESV Rosenheim unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Schiedsrichter Thomas und auch der ESV-Trainer, der ihm helfen wollte, wurden brutal niedergeschlagen und dabei massiv verletzt. Thomas erlitt dabei sogar bleibende Schäden an einem Auge. Der Fall hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Spieler des FC Ilira waren nach dem Schlusspfiff auf den Schiedsrichter losgegangen, umringten und schubsten ihn. Ein bereits ausgewechselter Spieler stürmte vom Spielfeldrand auf den Unparteiischen mit erhobenen Fäusten zu und sprang ihn an. Er schlug ihm mehrfach ins Gesicht, bis der Schiedsrichter bewusstlos zusammenbrach. Kurzmeier: „Der Thomas hat ein Augenlicht verloren.“

Seit diesem brutalen Gewaltakt hat Kurzmeier die Schiedsrichter angehalten, immer vor einem Spiel Kontakt zu dem Ordnungsleiter herzustellen, damit sofort reagiert werden könne und Gewalt im Keim erstickt werde. So viel zur Theorie, wie die Praxis aussehen kann, siehe 3. Oktober vor einem Jahr. Natürlich, so Kurzmeier weiter, sei das der schlimmste Fall. Aber auch die verbalen Attacken seien Verletzungen … Auf was er hoffe? „Auf ein Umdenken“, sagt Sepp Kurzmeier knapp. Und er lächelt dabei nicht.

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