Wasti fordert: „Nicht so viel fordern!“

Warum es dem Frühlingsfestlöwen gestern die Sprache verschlagen hat

Eine U-Bahnlinie direkt ins Festzelt, achtspurig, damit der Minutentakt zur Altstadt jederzeit in beide Richtungen gewährleistet ist. Ein vollklimatisiertes Festzelt, damit es immer schön 20 Grad hat beim Biertrinken und man unterm Fell nicht so schwitzen muss. Kalorienfreies Festbier mit gesichtsstraffender und verdauungsfördernder Wirkung und eingebauten acht Stunden Schlaf – das wär’s doch, träumt der Wasti. Wird sich nicht machen lassen, genau so wenig wie eine 24-Stunden-Sanitätswache, auch wenn das Frau Angelika Oppenhäuser fordert.

Die hat sich vorgestern bei der Wasserburger Zeitung beschwert, weil beim Pfingstgottesdienst im Festzelt kein Sanitäter anwesend war, ausgerechnet, als eine ältere Dame einen Schwächeanfall bekommen hat. Zehn Minuten habe es gedauert, bis ein Helfer vom BRK vor Ort gewesen sei. „Grob fahrlässig finde ich so etwas“, hat Frau Oppenhäuser in der Zeitung verlauten lassen. Zehn Minuten – das ist übrigens zwei Minuten schneller, als die in Bayern vorgeschriebene Hilfsfrist.

Ein typischer Fall von Vollkasko-Mentalität, meint der Wasti dazu. Wenn’s nach Frau Oppenhäuser ginge, müsste wohl auch in der Stadtpfarrkirche St. Jakob bei den Gottesdiensten ein Sanitätsdienst in der Sakristei eingerichtet werden.

Genau diesen wachsenden Forderungs- und Beschwerdemechanismen ist es geschuldet, dass sich Organisatoren solcher Veranstaltungen – ob ehrenamtlich oder unternehmerisch tätig – bei uns immer schwerer tun. Immer mehr Auflagen, Vorschriften und Anordnungen sind zu erfüllen. Im Ernst: Bei den Gesetzgebern wird gerade darüber nachgedacht, für Festzelte eine Lüftungsanlage zu fordern. Die entscheidende Frage: Wer soll das alles eigentlich noch bezahlen?

Fürs Frühlingsfest wurde eine eigene Gefährdungsanalyse erstellt. Ein 18-Stunden-Dauerdienst (so lange dauert das Fest bisweilen an einem Tag)  wäre einfach nicht zu finanzieren. Also wurden die „gefährlichsten“ Zeiten (nachmittags und abends) gestaffelt mit dem Sanitätsdienst bestückt, leider nicht der Gottesdienst am Vormittag – der heuer einen Rekordbesuch zu verbuchen hatte.

Natürlich darf man froh sein, dass der älteren Dame nichts Ernsthafteres geschehen ist – aber das Leben lässt sich nun mal nicht rund um die Uhr versichern. Und wer bei schwülwarmer Witterung in ein Festzelt geht, dem muss als Erwachsener ja auch klar sein, dass das eine heftige Belastung für seinen Kreislauf darstellen kann.

Autofahren ist übrigens statistisch viel gefährlicher, als der Besuch des Wasserburger Frühlingsfestes. Und dennoch sitzt nur äußerst selten ein Sani auf dem Beifahrersitz. Es ist echt schade, dass das Beschweren und Fordern mittlerweile mehr Platz in unserem Land einnehmen, als sich über etwas zu freuen. Des moan i … der Wasti, euer Frühlingsfestlöwe.

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7 Gedanken zu „Wasti fordert: „Nicht so viel fordern!“

  1. wasserburger

    Do hoad a Recht da Wasti

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    1. Ich meine da hat sich die Frau Oppenhäuser völlig zu recht beschwert. Der Kommentar darüber ist eine saublöse Ausrede.Gut daß sich der Gesundheitszustand der Frau wieder gebessert hat.

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      1. Christian Huber

        Servus Herr Meckermann, vielleicht können Sie ja im kommenden Jahr die Kosten für den Sanitätsdienst beim Gottesdienst, Kindernachmittag, Preisschafkopfen, beim Oldtimertreffen und beim Seniorennachmittag übernehmen. Da dürften so um die 50 Stunden zusammenkommen – viel Spaß beim Überweisen. Vielleicht können Sie auch gleich noch die Platzmiete an die Stadt, die Strom- und Personalkosten, die allgemeinen Gebühren, die Kosten für die Security, fürs Feuerwerk, fürs Marketing, die sechs Buslinien und und und berappen. Sie haben dann auch sicher noch genügend Geld, um den Christkindlmarkt quer zu finanzieren.

        Ich finde Ihren Kommentar ausgesprochen unqualizfiziert. Oder sagen wir es mit Ihren Worten: saublöd. Und das in Ihrer Position. Danke für die Motivation!
        Christian Huber

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        1. Mei …. am G’scheitsten is, die Frau Oppenhäuser bleibt einfach dahoam.

          Und wenn ihr do dann die Deck`n auf`n Kopf foid, dann ko`s ja moi schaung, wia lang der Notarzt zu ihra hoam braucht. 🙂

          Aber jetzad moi im Ernst….

          Es gibt koa hundertprozentige Absicherung. Dann miassad ja hinter jedem Volksfestbesucher a Sani steh. Und auf jeder Autobahn alle 100 Meter am besten aa no.

          Des is doch völlig absurd! Aber Hauptsach g`schimpft is!

          Huaba… guad habts die Wies`n organisiert! Lass di von so unqualifizierten Kommentaren ned untergriang. Kritik ist recht und schee, aber wenn, dann sois doch bitte konstruktiv sei.

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    2. Helmut Maier

      Zu „Nicht so viel fordern“:
      1oo%ige oder gar 1000%ige Lösungen gibt es einfach in unserem Leben nicht, auch wenn dies wünschenswert wäre. Ich meine, eine 10-minutige Anlaufzeit ist im Ausnahmefall bzw. zu bestimmten Zeiten akzeptabel.

      Und diese „Wartezeit“ kann auch sinnvoll genutzt werden. Bei größeren Veranstaltungen bzw. in einem Festzelt ist ja immer eine größere Anzahl von Personen anwesend. Für die notwendige „Ersthilfe“ kann man sich sicher adäquat mit einer Mikrofon-Durchsage in der Weise zunächst helfen wie: „Notfall! Wer kann Erste Hilfe leisten? Sanitätsdienst bzw. Notarzt ist angefordert“.

      Wahrscheinlich befindet sich unter den Besuchern sogar ärztlich geschultes Personal. Aber auch jeder Führerschein-Inhaber z.B. müsste/sollte die notwendige „Erste Hilfe“ leisten können. Und „Erste-Hilfe-Koffer“ sind ja sicher sofort griffbereit.
      H.M.

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  2. Guad gschrim (Y)

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  3. Kopfschüttel

    Mei Wasti, manchmal deaf ma sich ned ärgern- nur wundern! Aber freilich host recht!!

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