Wasserburgs Heimatverein wird 100 Jahre alt

Vereinsjubiläum wird mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert

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2-WZ09102004-207_kWasserburg – Mit seinem Gründungsjahr 1913 zählt der Heimatverein für Wasserburg und Umgebung (Historischer Verein)  nicht zu den frühesten historischen Vereinen in Bayern. Bürger der Stadt waren jedoch lange vor der Gründung Mitglieder des Historischen Vereins von Oberbayern und die Stadt Wasserburg selbst bemühte sich bereits seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts aktiv um geschichtliche Frage- und Aufgabenstellungen sowie um die Denkmal- oder Heimatpflege. Das Jubiläum wird jetzt mit einem großen Programm gefeiert.

 

Mit seinem Gründungsjahr 1913 zählt der Heimatverein für Wasserburg und Umgebung (Historischer Verein) e. V. nicht zu den frühesten historischen Vereinen in Bayern. Bürger der Stadt waren jedoch lange vor der Gründung Mitglieder des Historischen Vereins von Oberbayern und die Stadt Wasserburg selbst bemühte sich bereits seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts aktiv um geschichtliche Frage- und Aufgabenstellungen sowie um die Denkmal- oder Heimatpflege.

Als im Jahr 1907 Kaspar Brunhuber im Auftrag der Verwaltung ein „Verzeichnis über in hiesiger Stadt noch vorhandene historische Bauteile und sonstige Gegenstände“ anfertigte, könnte er sein Vorhaben der Begründung eines Historischen Vereins bereits im Kopf gehabt haben. Brunhuber, Lehrer und Stadtarchivar, war jedenfalls Initiator der Vereinsgründung und hatte ein paar Jahre später, für den 5. November 1913, zur konstituierenden Versammlung des Historischen Vereins für Wasserburg und Umgebung eingeladen. 21 Herren waren diesem Aufruf gefolgt. Kaum war der Verein gegründet, beschäftigte er sich gemäß dem § 2 seiner Satzung damit, historische Gegenstände und Denkmale zu sammeln und zu bewahren.

Bereits 1915 zählten zwanzig Urkunden bzw. kulturhistorische Gegenstände zum Eigentum des Vereins, die den städtischen Einrichtungen wie dem 1888 begründeten Museum und dem Stadtarchiv überlassen wurden. Vorsitzender Kaspar Brunhuber hielt bis zu seinem Tod 1930 unzählige Vorträge, hauptsächlich zu lokalgeschichtlichen Themen, die er durch seine Arbeit als Stadtarchivar überblicken konnte. Damit begann er auch, das bis heute beibehaltene Aufgabenverständnis der Vermittlung stadt- und regionalgeschichtlicher sowie kulturgeschichtlicher Erkenntnisse in Vorträgen und Exkursionen umzusetzen.

 

Während des Nationalsozialismus nahm die Tätigkeit des Historischen Vereins ab. Gründe dafür versucht Cornelia Oelwein u.a. in ihrem im Oktober 2013 erscheinenden Beitrag zur Geschichte des Vereins aufzuzeigen, in dem sie sich auch mit der Rolle des Vereins im „Dritten Reich“ auseinandersetzt.

 

Nach dem Krieg ermutigte Josef Noderer zur Neugründung des Vereins und stellte sich von 1946 bis 1948 als geschäftsführender Vorsitzender zur Verfügung. Neuen Schwung in das von Amtsträgern besetzte und vielleicht etwas müde gewordene Vorstandskollegium brachte der 1974 gewählte geschäftsführende Vorstand Siegfried Rieger in den Verein ein, der die Geschicke des Heimatvereins bis 2001 erfolgreich und ausdauernd lenkte. Zu seiner Zeit konnte die Mitgliederzahl erheblich, bis auf zeitweise 479 Mitglieder, erhöht werden. Auch die 1927 begründete Vereinszeitschrift Heimat am Inn wurde nach langer Zeit im Jahr 1980 wiederbelebt und erscheint bis heute regelmäßig.

Mit zahlreichen überregionalen Rezensionen von bekannten Landeshistorikern gehört die Reihe ohne Zweifel zu den angesehenen historischen Zeitschriften in Bayern und vermittelt einer großen Leserschaft die jeweils neuesten Erkenntnisse zur Geschichte unserer Region. Verstärkt durch die Wahl des Bürgermeisters Dr. Martin Geiger zum 1. Vorsitzenden 1990, rückte dann auch die Stadt selbst wieder näher an den Verein heran, was bis heute ein Kontinuum ist.

 

Als eigene Gruppe innerhalb des Heimatvereins haben sich die „Kellerfreunde“ etabliert. Die Ehrenamtlichen kümmern sich nach Initiative von Witgar Neumaier um die Erfassung und Erhaltung der historischen Bierkelleranlagen in der Wasserburger Kellerstraße. Im Jahr 2002 wurde ein Bierkellermuseum eingerichtet, durch das bis April 2012 bereits 14.000 Gäste geführt werden konnten.

 

Im Jubiläumsjahr 2013 feiert der Historische Verein das hundertjährige Bestehen u.a. mit einem Festabend, der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vereinsgeschichte sowie einer Diskussionsveranstaltung zur Zukunftsbestimmung. Der Vorsitzende des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine, Prof. Dr. Manfred Treml, wird am Samstag, 28. September, im Rathaussaal Wasserburg zum Thema Regionalität und Geschichtsbewusstsein sprechen und damit die Jubiläumsfeier angemessen gestalten. Am Montag, 14. Oktober, wird Museumsleiterin Sonja Fehler bei einer Führung durch das Museum Wasserburg der Geschichte und Provenienz der Sammlungen nachgehen. Am Montag, 28. Oktober, wird die neue Ausgabe der Heimat am Inn 33/34 im Sparkassensaal vorgestellt, die sich in mehreren Beiträgen mit der Geschichte des Heimatvereins Wasserburg befasst.

Am Montag, 18. November, findet – ebenfalls im Sparkassensaal – ein Diskussionsabend mit einem einleitenden Impulsreferat von Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler statt: Unter dem Motto „Heimat – Heimatgeschichte – Zukunft Heimat“ soll unter Einbindung der Mitglieder des Vereins, junger Menschen, wie Schülern des Wasserburger Gymnasiums und der Berufsoberschule, die Zukunftsbestimmung des Historischen und Heimat-Vereins Wasserburg vorgenommen werden. Das vollständige Jubiläums-Programm ist im Internet einsehbar unter: www.heimatverein.wasserburg.de            Matthias Haupt

Foto: Der Vorsitzende des Heimatvereins Dr. Martin Geiger und Autor Dr. Ludwig Scheidacher bei der Buchvorstellung der „Heimat am Inn Nr. 22, 23“ zur Geschichte der Wasserburger Versorgungsbetriebe im Oktober 2004 im Sitzungssaal des Rathauses Wasserburg.

 

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