Was ist nur in Griesstätt los, Herr Pauker?

Wir sprachen mit dem Bürgermeister darüber, warum er in die Schusslinie geraten ist

Er wirkt leise und nachdenklich, jeder Satz kommt überlegt über seine Lippen: Griesstätts Bürgermeister Stefan Pauker hat in seiner zweijährigen Amtszeit auch schon bessere Tage erlebt. Seit Monaten ist er in der Schusslinie, es kriselt im Rathaus. Mit einer Gemeindebroschüre fing alles an, über die Nutzung seines Dienstwagens wird – anders als in anderen Kommunen – öffentlich diskutiert und auch mit der Verwaltung läuft nicht alles reibungslos. Wir sprachen mit Stefan Pauker über sein Amt. Die wichtigste Frage:

Macht es noch Spaß, in Griesstätt Bürgermeister zu sein?

„Nein, derzeit eigentlich nicht. Der Karren ist wirklich verfahren. Teile der Verwaltung sind einfach nicht bereit, mit mir sachlich zu arbeiten. Dann wird es für einen ehrenamtlichen Bürgermeister wirklich schwierig“, sagt Pauker (47) und versichert: „Mir geht es um Griesstätt. Es wäre toll, wenn wir wieder zur sachlichen Arbeit kommen könnten und nicht ständig meine Person im Mittelpunkt stünde.“

Der ganze Ärger um den Bürgermeister, der seit 2014 im Amt ist, kam so richtig mit einer Gemeindebroschüre ins Rollen. Der Vorwurf an den Bürgemeister: Er hat die Broschüre im Alleingang durchgepeitscht und dabei auch noch kostenmäßig seinen finanziellen Verfügungsrahmen als Gemeindeoberhaupt überschritten.

Dazu Pauker: „Ich steh dazu. Die Broschüre war und ist eine gute Idee. Nicht nur die Gewerbetreibenden, sondern vor allem auch die Vereine unserer Gemeinde sollten sich darin darstellen und von ihrer besten Seite zeigen können. Ich glaube, das ist uns auch wirklich gut gelungen.“ Er habe in dieser Sache nur einen Fehler gemacht – den Gemeinderat nicht direkt über die Broschüre abstimmen zu lassen.

„Letztlich hab‘ ich die Entscheidung allein getroffen. Finanziell hab‘ ich mir keine Gedanken gemacht, weil ja eigentlich kein Defizit bei der Abwicklung geplant war.“ Als das dann doch eintrat, habe er immer noch gedacht, auf der sicheren Seite zu sein. „Das Defizit lag in dem Verfügungsrahmen, den ich als Bürgermeister hatte.“

Dann habe man ihm daraus aber aber einen Strick gedreht, weil man plötzlich die gesamte Rechnungssumme angerechnet hat. Die lag jetzt nicht mehr in seinem Rahmen. Pauker: „Schade, dass das so gelaufen ist. Ich habe meine Konsequenzen gezogen und das Defizit aus eigener Tasche bezahlt.“ Das Kuriose dabei: Der Bürgermeister hat eigentlich eine Diensthaftpflicht für solche Fälle. „Die zahlt aber nicht, weil der Gemeinde kein Schaden entstanden ist. Die Broschüre ist ja da.“

Was Pauker in diesem Zusammenhang besonders ärgert: „Wir haben im Gemeinderat offen über die Broschüre diskutiert. Das Vorhaben wurde im Gemeindeblatt öffentlich ausgeschrieben. Gemeinderäte, die mich dafür öffentlich kritisieren, sind mit ihren Betrieben in der Broschüre vertreten. Und jetzt tut man so, als ob ich das in einem stillen Kämmerlein entschieden hätte. Wir haben das für Griesstätt gemacht, nicht, damit ich mir die Broschüre übers Bett nageln kann.

Ähnlich ärgerlich lief für den Bürgermeister auch die Anschaffung eines neuen Dienstwagens.

Diese Anschaffung wurde nach einer öffentlichen Sitzung – ein eher außergewöhnliches Vorgehen für eine Gemeinde im Landkreis Rosenheim – zum Politikum. „Auch dafür hat man mich öffentlich angeprangert, ohne wirklich die Hintergründe offen zu legen.“ Er habe sich nach dem Auslaufen des Vertrages für einen BMW X1 nach einem Ersatzfahrzeug umgesehen. „Als Vollzeit-Ehrenamtsbürgermeister brauche ich ein Dienstfahrzeug. Da mir ein neuer X1 zu teuer erschien, hab‘ ich mich für den günstigeren Mercedes entschieden. Das war wohl ein Fehler. Jetzt musste ich mir aber schon wieder vorwerfen lassen, meine Verfügungsrahmen überschritten zu haben.“

Insgesamt wiege dieser Ärger im Gemeinderat aber nicht so schwer, wie die mangelhafte Zusammenarbeit in Teilen der Verwaltung: „Man kann da nur schlecht etwas kitten, wenn das eine Seite gar nicht will.“ Er finde es sehr schade, dass die von ihm vorgeschlagene Mediation abgelehnt worden sei.

Und wie geht’s jetzt weiter? Am heutigen Mittwoch findet in Griesstätt eine nichtöffentliche Sitzung statt. Unter anderem mit diesem Thema: Die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister.

„Das lasse ich auf mich zukommen. Ich bin für jedes Gespräch offen.“ Viele Griesstätter hätten ihm in den letzten Wochen den Rücken gestärkt. Allerdings spiele die ganze Sache mittlerweile auch in seine Familie hinein. „Zum Glück sind meine Kinder erwachsen und können das gut einordnen. Meine Frau arbeitet in Griesstätt und ist natürlich der ganzen Thematik ausgesetzt.“ Das sei alles andere als angenehm. „Ich weiß noch nicht, wie’s weitergeht. Ich bin innerlich zerrissen. Ich werde aber sicher nichts von heute auf morgen entscheiden“, sagt Pauker.

HC 

Fotos: Gemeinde Griesstätt

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

13 Gedanken zu „Was ist nur in Griesstätt los, Herr Pauker?

  1. Besorgter Bürger aus Altlandkreis

    Sehr guter, sachlicher Bericht!

    Ich bin Mitte 20, politisch sehr interessiert und auch ein wenig politisch aktiv, doch das öffentliche Bild eines Politikers verstört mich schon sehr!

    Es wird nur noch geschimpft und gesagt, was sie schlecht machen, kommunal an den Stammtischen und typischen Ortstreffpunkten und überregional über die Talk-Shows und Satire-Shows.

    Doch dass mal ein Politiker für eine Aktivität/ eine Entscheidung gelobt wird, dass gibt es nicht, außer vielleicht in einem eigenen PR-Bericht oder in einem der Partei.

    Aber der normale Bürger sagt, dass das ja auch seine Aufgabe ist und er dafür bezahlt wird. Das stimmt auch, aber vor allem kommunal sollten wir vielleicht auch noch an den Menschen (und seine Familie) denken, die dahinter steht!

    Ich werde mit diesem Kommentar jetzt nichts an dieser allgemeinen Denkweise ändern können, jedoch stößt mir das ganz schön auf und muss mal rausgelassen werden.

    Wir brauchen uns nicht wundern, wenn in 20 Jahren in unseren Gemeinden keiner mehr in den Gemeinderat will und wenn dann nur, um eigene Interessen zu verfolgen. Aber wo führt das hin? Man sieht es ja schon in vielen Ortsvereinen, dass das Interesse am Ehrenamt leider immer mehr abnimmt …

    Sollte sich jeder vielleicht mal Gedanken darüber machen …

    170

    17
    Antworten
    1. ich denke du hast ja recht. Was ich jedoch glaube, ist, dass viele der Gemeineräte mit ihrem Bürgermeister nicht zufrieden sind, weil dieser überraschend Pauker und nicht Meier, wie geplant, heißt. Die Gemeinderäte sollten endlich respektieren, dass Pauker von der Mehrheit der Bürger gewählt wurde, wenn auch knapp.

      90

      19
      Antworten
    2. Dank dem Gemeinderat in Griesstätt – haben wenigestens die umliegenden Gemeinden was zu lachen…

      So kann man die Broschüre auch zu nichte machen – wirft mit Sicherheit ein gutes Bild auf die Gemeinde.

      67

      14
      Antworten
    3. „Wir brauchen uns nicht wundern, wenn in 20 Jahren in unseren Gemeinden keiner mehr in den Gemeinderat will und wenn dann nur, um eigene Interessen zu verfolgen.“

      Das ist nicht erst in 20 Jahren so, sondern ist bereits heute in einem nicht unerheblichen Teil so.
      Denkt doch mal nach, warum und welche Gemeinderäte den Bürgermeister so vehement angreifen.
      Was ist es, was eben diesen Gemeinderäten mit diesem Bürgermeister nicht „rausgegangen“ ist?

      48

      10
      Antworten
  2. Schönes Intrigenspiel gegen den Bürgermeister. Dazu: Intrigen sind ein Mittel, um die eigene Macht auszuweiten und speziell: In der Politik ist Misstrauen überlebenswichtig.

    56

    18
    Antworten
  3. Griesstätter Beitlschneider; die Methoden haben sich geändert, das Ergebnis nicht!!!

    38

    23
    Antworten
  4. Ich stelle mir die Frage, warum nach außen soviel getragen wurde…
    Da ich im Altlandkreis unterwegs bin, bekomme ich von anderen Gemeinden einiges mit. Ein positives Feedback über konstruktive Arbeit unsere Gemeinde gab es bisher aber leider noch nicht. Auch wenn sich vielleicht schon was bewegt hat. Es wird vielmehr darüber gelacht, was momentan in unserer Gemeinde passiert – eine „Theateraufführung über mehrere Akte“, so ein Zitat. Das über Jahre Geschaffene ist somit schnell zunichte gemacht…
    Das alles ist bestimmt nicht förderlich, und ich glaube, der Schaden ist schon größer, als der eigentlich entstandene. Ganz zu Schweigen vom Imageschaden für die Beteiligten – allen Beteiligten! Denn jeder wird zitiert, der sich daran beteiligt hat.
    Wäre es nicht schöner, wenn mal wieder was Positives zu hören wäre?
    Wenn Entscheidungen, die uns als Gemeinde einfach voranbringen und jeder von uns den Mehrwert spürt, nach außen dringen?

    46

    6
    Antworten
  5. Wer sich die Broschüre schon mal genauer angeschaut hat, sieht doch wie hochwertig sie ist!

    Find ich wirklich klasse.
    Lieber Gemeinderat, versucht es doch einfach mal mit Zusammenarbeit für Griesstätt. Auf bessere Zeiten!!!

    83

    16
    Antworten
    1. Ja es geht allen so , es reicht mit den ganzen Negativmeldungen gegenüber Stefan Pauker.
      Man kann immer mal unterschiedlicher Meinung sein, sollte es aber sachlich ausdiskutieren um eine gemeinsame Lösung zu finden.
      Schauen was verbindet uns, nicht was trennt uns ?
      Zum Wohle für Griesstätt – nix anderes hatte der Bürgermeister im Sinn.
      Jeder von uns hat schon Fehler gemacht , nur stand es nicht in der Zeitung etc.

      43

      23
      Antworten
  6. Griesstätterin

    Richtig, dass ist das Problem von ein paar Gemeinderäten (CSU), dass der Bürgermeister nicht Maier, sonst Pauker heißt.
    Sie sind von uns gewählt worden um ihren Job zu machen, sich für die Gemeinde einzusetzen und NICHT um ihre persönlichen Interessen zu vertreten.
    Ich hoffe jetzt einfach nur, die Bürger sehen hinter die Fasaden.
    & nur gemeinsam können wir etwas daran ändern!

    46

    31
    Antworten
    1. Ich bin aus einer sagen wir mal Nachbargemeinde im Altlandkreis und kenne die Fälle mit den CSU Gemeinderäten die über den dingen stehen,
      weil sie werden ja eh wieder gewählt solange ein C im Parteinahmen steht. Verbietet das Listenkreuz bei der Kommunalwahl und die schwarzen gehen unter.

      12

      27
      Antworten
    2. Griesstätterin 2

      Ich glaube kaum das 5 CSU Gemeinderäte das alleine entscheiden konnten. Es sind ja noch viele andere dabei. Siehe Gemeindeblatt 2. Ausgabe Seite 8 (12:2) also noch 5 andere Gemeinderäte. Sicher auch aus seiner eigenen Partei . Da Frage ich mich, warum wohl? Man sollte sich immer beide Seiten anhören und nicht jetzt auf die Gemeimderäte schimpfen, vielleicht haben sie ja ihren Job gemacht und sich für die Gemeinde eingesetzt. Ich kann das nicht beurteilen, kannst du es? Hast du schon mit einem vom Gemeinderat darüber gesprochen? Wäre vielleicht sinnvoll! Wenn du etwas ändern möchtest, kannst du dich ja aufstellen lassen bei der nächsten Gemeinderatswahl und es besser machen!

      46

      10
      Antworten
  7. Wir sparen weiterhin ein?????
    Unser wachsamer Gemeinderat hat mit der Einsparung am Bürgermeister-Auto uns Bürgern sehr geholfen! Man hat die Gemeinde und ihre Bürger lächerlich gemacht im ganzen Landkreis!! Selbst beim Starkbieranstich in Rosenheim würde kräftig über Griesstätt gelacht! Möchte heut eine Anfrage an die Herren Räte machen. Wie steht es eigentlich mit unseren Fahrzeugen beim Bauhof? Jeder der Mitarbeiter fährt täglich dreimal am Tag hin und zurück, die Autos und Bulldogs stehen bei ihnen zuhause. Hat man die gefahrenen Kilometer schon mal ausgerechnet, ist der Spritverbrauch auch schon mal errechnet worden? Andere Arbeiter müssen auch mit ihrem Privat-Pkw zur Arbeit fahren. Privatfahrten sollen mit Gemeindefahrzeugen auch schon mal vorkommen! Ein Gemeindefahrzeugen hat abends am Bauhof zu stehen und sonst nirgends!! (…) Verschiedene Bürger können Ihnen ein bisschen mehr erzählen in puncto Privateinsatz von Gemeindefahrzeugen! Es gäbe zu diesem Punkt noch mehr zu sagen, auch zum Einsatz von Gemeindearbeitern im Privatbereich! Liebe Räte klären sie das auf, es geht auch hier um unser Geld!! Informieren sie sich bei den Nachbargemeinden, wie diese das handhaben. Der einzige der spart, ist unser 2. Bürgermeister, er hätte dringend ein Sakko für Fotos und Pressetermine nötig, genehmigt das bitte, er ist ja schließlich eine Amtsperson, und kann nicht immer mit T-Shirt auf den Fotos zu sehen sein!!!!!! Oder besser gesagt mit Unterhemd! Ein sehr besorgter Bürger.

    27

    42
    Antworten