Vorfrühling im Wasserburger Land

Pilartz-Gemälde: Museum sucht nach dem Entstehungsort

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Created with GIMPDie Sonne scheint bereits seit einigen Tagen, doch nicht immer berühren ihre Strahlen den Boden und lichten den Nebel. Ein leichter Schleier verdeckt die Fernsicht. Und das, obwohl es schon so schön warm ist. Man meint, der Frühling wäre bereits angebrochen, doch die Äste der Bäume sind kahl. Blumen verstecken sich noch. Nur das Gras beginnt wieder zu grünen. Diese Stimmung hat der Maler Joseph Pilartz bereits 1957 in seinem Gemälde „Vorfrühling“ eingefangen. Das Wasserburger Museum hat dazu eine Frage …

Im Vordergrund ist ein von kahlen Bäumen umgebenes Gehöft zu sehen, dem sich auf gleicher Linie zwei weitere in einiger Entfernung anschließen. Dahinter fällt die Landschaft leicht ab und scheint in einen Wald überzugehen; eine seltene Struktur in der leicht hügeligen, durch Wiesen, Äcker und kleine Wäldchen geprägten Voralpenlandschaft. Im Bildhintergrund schließen sich die im Dunst liegenden Alpen an. Schemenhaft sind der Wendelstein, rechts daneben der Breitenstein sowie die Gruppe um Brünnstein und Traithen zu erkennen.

Das in Öltempera mit einem Haarpinsel gemalte Bild mutet auf den ersten Blick fast realistisch an. So genau sind die Feinheiten der Landschaft herausgearbeitet. Doch bei näherem Hinschauen erkennen wir, dass etwas fehlt: Dies ist zum einen der Mensch, der die Kulturlandschaft geprägt und bevölkert hat und zum anderen alle Anzeichen der Moderne, die auch in den 1950er Jahren bereits omnipräsent waren. Pilartz zeigt Landschaften in ihrer Weite, ihrer stillen Anmut, ohne sie naiv zu schönen und doch zeigt er uns eine Interpretation, indem er sie von allem, was den Betrachter ablenkt und seinen alltäglichen Blick leitet, befreit. Er möchte damit dem Betrachter die Augen öffnen für die Größe, die ihn umgibt.

Joseph Maria Pilartz (* 21.04.1891, + 26.12.1974) gehört neben Karl Wähmann, Hermann Schlittgen und Karl Staudt zu der Generation von Künstlern, die in Wasserburg während oder nach dem Ersten Weltkrieg ihre Heimat gefunden haben. Geboren als zweites von zehn Kindern einer Kölner Handwerkerfamilie begann er eine Schreinerlehre und belegte Abendkurse an verschiedenen Kunstgewerbeschulen. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg studiert er in Dessau, Kassel und München, wo Max Doerner sein Lehrer wurde.

1925 nahm er seinen Wohnsitz in Wasserburg und richtete ein Atelier in der Fletzingergasse 14 ein. 1936 folgte die Heirat mit der Künstlerin Hedwig Emmel. 1949 verlegen beide ihren Wohnsitz und die Ateliers in ein kleines Haus auf einem Moränenhügel zwischen Eiselfing und Wasserburg in Weikertsham. Von hier aus hatte Joseph Pilartz den Blick frei über das Land vor den Bergen mit seinen Hügeln, Wäldern, Wiesen und Seen. Bekannt durch Ausstellungen im In- und Ausland, Ankäufe namhafter Galerien und Sammlungen und geehrt durch den Kunstpreis der Stadt Wasserburg starb er 1974 im Alter von 83 Jahren.

Die Werke von Pilartz hängen heute in der Nationalgalerie in Berlin, den städtischen Galerien in München, Köln oder Düsseldorf, oder eben auf dem Wasserburger Rathausspeicher, wo sich zurzeit auch dieses Gemälde befindet. Nach einer umfangreichen Entrümpelungs- und Umräumaktion Ende Januar Anfang Februar haben nun alle dort gelagerten Gemälde der städtischen Sammlung einen Platz in der Zuganlage oder zu mindestens in einem eigenen, gesicherten Abteil gefunden, wo sie auf die Überführung in ein zukünftiges Museumsdepot warten.

Doch um welche Orte auf dem Gemälde handelt es sich? Von welchem Punkt aus ist das Gemälde gemalt worden? Die Bebauung hat sich seit den 1950er Jahren stark verändert. Wer Hinweise auf den Entstehungsort hat, meldet sich beim Museum Wasserburg, Herrengasse 15, 83512 Wasserburg am Inn, Tel: 08071/ 92 52 90 oder per Mail: heimatmuseum@stadt.wasserburg.de

 

Abbildungen: Joseph Pilartz: Vorfrühling. Öltempera auf Leinwand. 1957.

 

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