Von Adel, Kirche und Bürgern

Der Tag des offenen Denkmals heuer unter dem Motto: Macht und Pracht

image_pdfimage_print

Im Landkreis Rosenheim gibt es eine ganze Reihe von Schlössern und Burgen die einst für „Macht und Pracht“ standen oder es immer noch tun. Im Unterschied zu einem Publikumsmagneten wie Schloss Herrenchiemsee sind die meisten von ihnen normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Der Tag des offenen Denkmals am 10. September bietet daher wieder seltene Gelegenheiten für Blicke hinter Kulissen – besonders auch in Stadt und Altlandkreis Wasserburg.

Möglichkeiten zu Besichtigungen und Führungen gibt es in Bad Endorf, Neubeuern, Bad Aibling, Wasserburg und Babensham. In der Gemeinde ganz im Norden des Landkreises steht das Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Schloss Penzing (foto). Der oberhalb des Penzinger Sees gelegene viergeschossige Hauptbau wurde 1483 um eine Schlosskapelle erweitert. Am Tag des offenen Denkmals ist Schloss Penzing von 15 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Führungen durch Walter Erpf werden um 15 Uhr, 16.30 Uhr und 18 Uhr angeboten.

 

Ein mächtiger Turm mit Satteldach weist den Weg zur Kirche St. Jakobus in Schönberg, ebenfalls in der Gemeinde Babensham. Sie liegt zwischen der Bundesstraße 304 und der Staatsstraße 2357 nach Schnaitsee. Wohl schon im 14. Jahrhundert bestehend, besitzt der in der Spätgotik veränderte Baukörper eine Ausstattung, die sich auf Wasserburger Baumeister, Bildhauer und Maler zurückführen lässt. Vor allem der mächtige Hochaltar und der Seitenaltar zu Ehren des heiligen Sebastian, das Chorgestühl und die Antependien bilden ein zeitlich geschlossenes Ensemble, das durch verschiedene Einzelobjekte ergänzt wird. St. Jakobus ist nur von 14 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. Führungen finden um 14 Uhr und um 14.45 Uhr statt.

In Bad Endorf in der Nähe des Ortsteiles Hemhof lag zwischen Schlosssee und Langbürgner See ursprünglich eine Burganlage der Falkensteiner. 1680 entstand an der Stelle ein barockes Schloss mit Mitteltrakt, einem Seitenflügel und einer 1730 beigefügten Schlosskapelle. Schloss Hartmannsberg ist normalerweise nur im Rahmen von Konzertveranstaltungen und einer einmal jährlich stattfindenden Ausstellung öffentlich zugänglich. Am 10. September kann das im Eigentum des Landkreises Rosenheim stehende Schloss von 14 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Kulturreferent des Landkreises Christoph Maier-Gehring bietet zudem um 15 Uhr und um 16 Uhr Führungen an.

Das Motto „Macht und Pracht“ wird in Bad Aibling auf eine einmalige Art und Weise interpretiert. Zwei Führungen werden angeboten, die einen Bogen von einem ehemaligen Besitztum der Wittelsbacher hin zum modernen Rathaus spannen. Um 11 Uhr und um 14.30 Uhr beginnen die Führungen auf dem Parkplatz neben der Stadtverwaltung am Klafferer 4. Das neubarocke Gebäude beherbergte ab 1901 das Bezirksamt. 1939 wurde daraus das Landratsamt und seit 2010 residiert dort die Stadtverwaltung. Die Führung geht weiter zum ehemaligen Amtsgerichtsgebäude. Die beiden dreigeschossigen Bauten gehörten einst den Wittelsbachern, die dort das herzogliche Pflegeschloss betrieben. Von der Macht damals zur Macht heute ist es zu Fuß kein weiter Weg. Die Führung endet im 2012 fertiggestellten neuen Rathaus am Marienplatz. Die drei Gebäude können am Tag des offenen Denkmals nur im Rahmen der Führungen besichtigt werden.

Der weithin sichtbare Bergfried von Schloss Neubeuern wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Die restliche Burg wurde im österreichischen Erbfolgekrieg im 18. Jahrhundert zerstört. Den Wiederaufbau organisierte Max IV. Emanuel von Preysing-Aschau in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Schlosskapelle St. Augustin stattete Johann Baptist Zimmermann aus. Schloss Neubeuern ist von 10 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Um 10 Uhr und um 11 Uhr bieten Restaurator Wolfgang Lauber und Kreisheimatpfleger Daniel Hoheneder Führungen an.

Wenn es im Landkreis einen Ort gibt, der seine einstige Macht und Pracht bis heute gerne zur Schau stellt, dann ist es Wasserburg. In der Innstadt wird anlässlich des Tags des offenen Denkmals das umfassendste Programm angeboten. Stadtarchivar Matthias Haupt führt um 10 Uhr, 12 Uhr und 15.30 Uhr durch das historische Archiv im Rathaus. Die rund 60-minütigen Führungen beginnen im Foyer des Rathauses. Aus Platzgründen muss die Teilnehmerzahl auf 18 begrenzt werden.

Traudl Inninger präsentiert ab 14 Uhr „eine prächtige Burg über einer mächtigen Stadt“. Die Führerin wird die illustren Bewohner der Burg vorstellen und den Teilnehmern die sonst verschlossene Burgkirche St. Ägidien zeigen. Treffpunkt ist im Burghof vor dem Kasten.

Die Kirchen einer Stadt waren der Stolz ihrer Bürger. Ihre Errichtung dauerte Jahrzehnte und im Laufe der Jahrhunderte wurden sie immer wieder umgestaltet. Unter dem Titel „Wer glaubt, wird selig“ lädt Ingrid Unger um 11 Uhr und um 14 Uhr zu einem Spaziergang, auf dessen Weg die Pfarrkirche St. Jakob, die Frauenkirche und die selten geöffnete Heiliggeist-Spitalkirche liegen. Treffpunkt ist am Eingang der Frauenkirche.

 

Nicht nur Adel und Kirche trugen in früheren Jahrhunderten ihre Pracht zur Schau. Auch das Bürgertum präsentierte selbstbewusst Reichtum und Wohlstand. Um 14 Uhr und um 16 Uhr wird Sonja Fehler im Museum Wasserburg die Renaissanceportraits vorstellen und erklären, warum das Geschirr früher an der Wand hing und wie die prächtigen Goldhauben nach Wasserburg kamen. Das Museum Wasserburg ist am Tag des offenen Denkmals von 13 Uhr bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

 

In der Wasserburger Altstadt sind es bis heute die Fassaden, in denen sich der Reichtum der alten Handelsstadt wiederspiegelt. Brucktor und Rathaus zeugen zudem vom Selbstbewusstsein der Bürger. Irene Kristen-Deliano führt um 11 Uhr und um 15 Uhr zu den Orten, an denen Macht und Pracht des alten Wasserburg noch heute präsent sind. Treffpunkt ist vor dem Rathaus am Marienplatz.

 

Im vergangenen Jahr wurde die Sammlung Wasserburg aus fünf Jahrhunderten im ehemaligen Heiliggeist-Spital im Brucktor eingerichtet. Sie umfasst neben zahlreichen Stadtansichten auch Objekte des Wasserburger Kunsthandwerks und der sakralen Kunst. Am Tag des offenen Denkmals ist sie von 14 Uhr bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Gerd Riemeier wird zudem um 15 Uhr durch die Sammlung führen und die bedeutendsten Objekte präsentieren.

Im Anschluss daran, um 16 Uhr zeigt Bernd Joa, der Begründer der Sammlung Wasserburg, in der Heiliggeist-Spitalkirche vier Wasserburger Kelche und erklärt deren Besonderheit.

Mit dem Tag des offenen Denkmals soll eine breite Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes sensibilisiert sowie das Interesse für die Belange der Denkmalpflege geweckt werden. Die Öffentlichkeitsarbeit ist neben dem Erhalt bedrohten Kulturerbes die zweite wichtige Aufgabe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mehr als vier Millionen Menschen nutzten in den vergangenen Jahren die Gelegenheit am Tag des offenen Denkmals Denkmalschutz „live“ vor Ort zu erleben.

Kulturbegeisterte jeden Alters können erfahren, wie vielfältig Denkmäler sind und wie sehr sich das gemeinsame Engagement für den Denkmalschutz lohnt. Seit ihrer Gründung 1985 konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mehr als 520 Millionen Euro einsetzen und damit rund 5.000 Denkmale retten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.