„Unfassbar und unterirdisch!“

Neue Bauernregeln: Stellungnahme vom Bauernverband und ein UPDATE

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Neue Bauernregeln für das Land – der Aufreger in diesen Tagen: Die einen finden, die Kampagne rüttle den Verbraucher wach – die anderen finden, die Kampagne sei reines Bauern-Mobbing! „Sie ist unterirdisch und plump“, so bezeichnet es Georg Wimmer, stellvertretender Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes. Er kritisiert die neuen ‚Bauernregeln‘ des Bundesumweltministeriums (wir berichteten bereits) massiv in dieser Stellungnahme …


„In den kommenden Wochen werden auf Plakatwänden in 70 deutschen Städten ’neue Bauernregeln‘ prangen. Es ist wohl ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Bundesministerium eine öffentliche Kampagne gegen einen gesamten Berufsstand startet.

Dieses Vorgehen von Umweltministerin Hendricks hat unter Bäuerinnen und Bauern, bei verschiedenen Parteien und selbst bei manchem SPD-Verantwortlichen Kopfschütteln, Entsetzen und Verärgerung ausgelöst.

Diese Machenschaften von Frau Hendricks sind nur eines: Unterirdisch, weil …

… sie gedankenlos schon längst zugeschüttete Gräben wieder aufreißt und damit die vorhandene Dialogbereitschaft kaputt macht
… sie einen gesamten Berufsstand zu Unrecht in Misskredit bringt und beleidigt
… hierzu 1,6 Millionen Euro an Steuergeldern verschwendet werden, die an anderer Stelle schmerzlich fehlen
… Frau Hendricks auch noch jegliche Kritik zurückweist und so tut, als würde sie niemanden beleidigen. Die Gefühlslage der Bäuerinnen und Bauern ignorieren dabei sie und ihr Haus völlig
… sie die großen Anstrengungen der Land- und Forstwirtschaft in den letzten Jahren für mehr Naturschutz, Umweltschutz und Tierwohl außer Acht lässt. Anstatt diese Leistungen öffentlich zu würdigen, fällt Frau Hendricks über diejenigen her, die den Umwelt- und Naturschutz in die Fläche tragen. Das ist schlicht unfassbar!
… Frau Hendricks die Bereitschaft der Bauern, den Weg der freiwilligen Mitwirkung für mehr Natur- und Umweltschutz mit Füssen tritt.

Dennoch und gerade in der jetzigen Situation muss die Landwirtschaft zusammenrücken und den Weg einer nachhaltigen Weiterentwicklung weitergehen. Diese Entwicklung muss auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praxistauglichen Maßnahmen fußen – und sie muss auch ökonomische Gesichtspunkte berücksichtigen.

Die von Bauernfamilien geprägte bayerische Landwirtschaft, die Arbeit auf den Höfen und in der Kulturlandschaft sind viel zu wertvoll, als dass wir sie uns von einer Bundesumweltministerin, die jegliche Bodenhaftung verloren hat, mies machen lassen dürften.

Georg Wimmer, stellvertretender Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes

UPDATE:

Inzwischen hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks – nach der bundesweiten, massiven Kritik an ihren „neuen Bauernregeln“ – eingelenkt. Anstatt weiterhin „mit frechen Sprüchen über Massentierhaltung und Überdüngung“ zu polarisieren, will die SPD-Politikerin in Zukunft mit Bauern und Verbrauchern einen „Dialog“ zu Missständen im Agrarsektor führen. Sie entschuldigte sich bei den Bauern.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte gestern, mit den „spielerisch-humorvollen Bauernregeln““ sei es aber gelungen, die Aufmerksamkeit eines großen Teils der Öffentlichkeit für das Thema zu gewinnen. Jetzt komme das Ministerium zu seinem „Kernanliegen“: einen breiten Dialog darüber zu führen, wie Landwirtschaft und Naturschutz miteinander versöhnt werden könnten.

Für diesen „Dialog“ solle bald eine neue Website online gehen. Weitere Plakate mit „Bauernregeln“ solle es nicht geben.

 

 

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Ein Gedanke zu „„Unfassbar und unterirdisch!“

  1. Freuen würde ich mich, wenn hier ein Bauer mal einen Kommentar reinschreibt, warum genau man sich so derart beleidigt und verunglimpft fühlt, weil ich es nicht verstehen kann.

    Der offene Brief vom Bauernverband schneidet, wenn überhaupt höchstens etwas an, ist aber insgesamt ein wenig kryptisch aufgebaut.

    Ich habe als Nichtlandwirt größten Respekt vor der Arbeit der Bauern, die dafür sorgen, dass ich jeden Tag meine Semmeln und Brezn essen kann und doch macht für mich die Entrüstung über die neuen Bauernregeln keinen Sinn.

    Im Gegenteil, ich finde das eigentlich sehr löblich, wenn man für eine ökologische Landwirtschaft einsteht.

    Wer mal die DEULA in Freising besucht hat, der weiß auch, dass junge Landwirte da gut in Kursen unterrichtet werden, was der aktuelle Stand der Technik hergibt und anspornend dafür ist, gute Arbeit zu leisten.

    Ich spreche hier ganz bewusst die Bauernregel Nr. 4 (den Einsatz von Pflanzenschutzmittel) an, ohne dessen Ausbringung der Ertrag bei den Marktpreisen ziemlich sicher nicht reicht, aber der bewusste Einsatz bei geschulten Fachkräften doch auf jeden Fall einiges verbessert.

    Dinge wie z.B. genaue Spritzbrühemengenermittlung bei exakter Flächenberechnung…etc.. Ein höchst anspruchsvoller Arbeitsbereich also, das natürlich fachkompetent bewerkstelligt werden möchte.

    Was ist daran schlecht? Dass keiner Danke sagt?

    Macht bei mir in meinem Beruf auch keiner.

    Warum verunglimpfen also solche Regeln, zielen sie doch eher auf die schwarzen Schafe ab, die ganz genau wissen, wann und warum sie Scheiße bauen.

    Ich kenne im übrigen ganz andere Bauernregeln, die im Volksmund kursieren und da sind wirklich schubladendenkende und höchst berufsdiskriminierende Sachen dabei und ich erspare mir Beispiele.

    Also, schreibt doch einer mal was, mit dem man was anfangen kann.

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