Taubenmarkt: Blick auf die Geschichte

Traditionsveranstaltung vor dem Aus - Kritik von Tierschützern

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KLZV Taubenmarkt 1978001_kkkNach unserem Bericht „Wegen EU: Taubenmarkt im freien Fall“ haben Tierschützer anonym Kritik an der über 100 Jahre alten Veranstaltung in der Wasserburger Altstadt geübt (siehe Kommentare). Unser Wasserburg-Historiker Dietmar Gebert hat für uns auf die Geschichte der Traditionsveranstaltung geblickt, die es seit dem Blasitag 1878 gibt und die (wie berichtet) vor dem Aus steht.

Als Simon Grain, selbst ein begeisterter Taubenzüchter, am Blasitag 1878 den ersten Taubenmarkt veranstalte,t ging es darum den Züchtern die Möglichkeit zu geben, Zuchttiere auszutauschen oder sich andere Rassen zuzulegen. 20 Jahre später annoncierte Grain schon den größten Taubenmarkt der Welt.

Um 1970 rum übernahm der Kleintierzuchtverein die Ausrichtung des Marktes. Der Markt ist gewachsen, der Grundgedanke ist der gleiche geblieben. Zu einer Zeit als es nämlich noch Luxus war, das Pferd zur Lasagne zu verarbeiten, sorgten die Kleintierzüchter für die Grundversorgung an Fleisch. Besonders zu Kriegszeiten als auch danach war dies äußerst wichtig. Jeder der ein paar Quadratmeter Garten hatte oder anderweitig an Futter für seine Tiere rankam, hielt sich ein paar Kaninchen, Hühner oder anderes Geflügel. Die Rassestandards (hier werden die Rassemerkmale festgelegt) waren nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtet, Tiere die diesem Standard am nächsten kamen wurden prämiert. Genau so wie es bei der Zucht von großen Tiere geschieht.

Nachdem sich die Zeit gewandelt hatte, wandelte sich auch die Bedeutung der Kleintierzucht. Im Vordergrund stand nun der Erhalt und Ausbau der Rassenvielfalt. Damit ein Züchter auf der Schau erfolgreich ist, muss er seine Tiere gut in Schuss haben. Der gewissenhafte Züchter hat deshalb zu jeden Tier ab der Geburt ein persönliches Verhältnis und beobachtet es laufend. Tiere aus schlechter Haltung oder die sich unwohl fühlen, erkennt der Fachmann sofort, besonders beim Geflügel. Mit solchen Tieren ist kein Preis zu gewinnen und diese lassen sich auch nicht verkaufen.

Großzügiges Platzangebot und Freilandhaltung waren für den Kleintierzüchter nie ein Thema. Bevor sich der Gesetzgeber oder die Eurokraten um den Tierschutz kümmerten, wurden die Schwarzen Schafe unter den Züchtern schon auf Vereins- und Verbandsebene entfernt. Kontrolliert wird dies zudem durch die jeweiligen Zuchtwarte. Seit Jahrzehnten wird der Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen durch ein organisiertes Impfmanagement in den Vereinen Einhalt geboten die auch noch meist die Impfung bezahlten.

Früher bauten Züchter von Exoten, also Sittich, Kanarie oder Papageien, vor dem Markttag beheizte Zelte auf damit sich ihre Vögel von der schönsten Seite zeigten. Später als die Vereinsschau des Kleintierzuchtvereins ins Parkhaus in der Altstadt verlegt wurde stellte dieser den Exotenzüchtern einen eigenen optimal temperierten Platz zur Verfügung.

Vor rund 25,30 Jahren gab es dann tatsächlich Auswüchse, die zur Kritik Anlass gaben. Die Probleme wurden aber durch kontinuierlichen Arbeit und Kontrolle durch den Kleintierzuchtverein als Verantwortlichen Ausrichter des Taubenmarktes abgestellt.

Nicht zu vergessen ist natürlich der wirtschaftliche Gesichtspunkt des Taubenmarktes, bei dem viele Geschäftsleute in der Altstadt gutes Geld verdient haben.

Die Kleintierzucht, früher als Spießerhobby belächelt, hat die letzten Jahre mit einem großen Abnehmen der Züchter zu kämpfen. Gesetzliche Auflagen und Urteile, die sogar auf dem Land dafür sorgen, dass der Gockel den Schnabel halten muss, tun ihr übriges.

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4 Gedanken zu „Taubenmarkt: Blick auf die Geschichte

  1. Um die sich vielleicht angegriffen gefühlten Kleintierzüchter zu besänftigen, grundsätzlich seit ihr es die sich außergewöhnlich gut um ihre Tiere kümmern jedoch gibt es nach wie vor viele Schwarze Schaafe die Vögelchen in winzigen Käfigen Kilometerweit transportieren da braucht mir niemand erzählen dass dies „artgerecht“ ist. Zum anderen braucht es heutzutage durch Internet und ähnliches glaube ich diese „Tieraustellungen“ nicht mehr,letztendlich sind es Lebewesen und ich bin der Meinung das Lebewesen nicht ausgestellt gehören, ich möchte damit aber nicht grundsätzlich sagen das Teilnehmer von solchen Märkten Tierquäler sind. Ich für meinen Teil kann sagen dass ich einfach Mitleid mit den Tieren verspüre wenn ich über den Taubenmarkt gehe,genauso geht es mir aber auch bei Zoos und vorallem Zirkusen, natürlich geben sich auch dort die Pfleger alle Mühe und sind große Tierfreunde,trotzdem finde ich es irgendwie bizarr sich eingesperrte Lebewesen anzusehen.

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  2. Tradition ade!!!

    Wiederum hat die EU eine Veranstaltung, die weit über 100 Jahre Züchter und Zuschauer erfreute, vernichtet!
    Obwohl unsere Politiker großspurig verkünden, dass Bayern sich nicht von Brüssel seine Traditionen nehmen lässt, haben sie den Schwanz wieder eingezogen – wie eigentlich immer!
    Ähnliche Märkte finden in ganz Europa statt, auch in Ländern, die den Tierschutz nicht so genau nehmen, ohne auch nur den geringsten Protest von Politik und Tierschützern. In Deutschland ist es im allgemeinen ähnlich, ausser einigen Landkreisen wie Rosenheim, wo die Veterinärämter das EU-Recht buchstabengetreu umsetzen. Das ist nicht verwerflich, aber tödlich für diesen Markt.
    Ein bisschen Fingerspitzengefühl hätte hier nicht geschadet. Glaubt denn wirklich jemand, dass ein Züchter seine Tiere quält? Mit soviel Liebe und Sachverstand, wie mit diesen Tieren bei der Haltung umgegangen wird, würde ich jedem Kanarienvogel oder Goldfisch nur wünschen!
    Jeden Tag werden Millionen von Puten, Hähnchen usw. geschlachtet und auch verzehrt, die trotz Tierschutz in erbärmlichen Ställen gemästet werden. Keine EU-Behörde, kein Landwirtschaftsminister hat auch nur im Traum daran gedacht „ernsthafte Verbesserungen“ für diese Kreaturen zu beschließen. Als großer Erfolg wird das Verbot von 4 Antibiotikasorten bezeichnet, aber verschwiegen, dass bis heute ca 14 andere Sorten bereitstehen.
    Diese Tiere wären „ohne Antibiotika“ nicht in schöner Aufmachung zu Billigpreisen in den Theken der Supermärkte, wo sie von den „tierlieben Menschen“ gekauft werden.
    Wie dumm muss ein Endverbraucher sein, wenn er glaubt um 2,99€ könnte man ein Hähnchen artgerecht aufziehen? Oder ist es dem Käufer egal, Hauptsache man spart Geld für Urlaub und anderen Schnickschnack?!
    Aber um sein Gewissen zu beruhigen, hackt man auf die Züchter, die zur Freude von vielen vernünftigen Menschen wunderschöne Tiere züchten und austellen herum, um sich anschliessend beim Mittagessen den Schweinsbraten, dem die Artgenossen vorher das Ohr und den Schwanz abgebissen haben, der aber billig wie nie zuvor war, zu erfreuen! Mahlzeit, weiter so!!!
    Man kann ja in Wildgehegen seinen Kindern einige Exemplare zeigen, wenn es der EU recht ist, das reicht in der heutigen Zeit aus, wo wir mehr auf Bären, Wölfe, Biber etc. stehen. Die Wildschweine kommen bereits auch, wie schön für unsere Heimat.
    Ich bin ganz der Meinung der Tierschützer, lieber Komorane und andere Schädlinge schützen -als Tauben, Hühner, Hasen usw.
    Wenn den „Wasserburger Tierschützern“ die Stadttauben auf den Schädel scheissen und diese trotzdem noch schützen, sie haben hoffentlich noch lange Zeit einen Grund, sich aufzuregen. Ich werde meine Tauben in Wasserburg auslassen, da haben sie es bestimmt gut. Ich erwarte aber, dass auf den Dächern bei Kälte, Sturm und Regen Schutzhütten und Wärmestuben errichtet werden, das Veterinäramt wird bestimmt des öfteren alles überprüfen!

    Nach 66 Jahren höre ich mit meiner Zucht auf, denn einen Tierquäler, will ich mich nicht heißen lassen!!!

    Rudolf Eser

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  3. Wie gesagt, Züchter sind keine Tierquäler!
    Aber ich als Laie kann mir einfach nicht vorstellen dass es für eine Taube „ok“ ist in einem Käfig der so groß wie ein Schuhkarton ist mehrere Stunden durch die Gegend transportiert zu werden.
    Und dass mir ab und zu ein Vogel auf den Kopf scheisst oder mir sonst irgendwie „schadet“ kann ich gerade noch verkraften. Grundsätzlich kann ich ihre Ausführung so aber unterschreiben, vielleicht muss so etwas wirklich individuell und von Fall zu Fall entschieden werden und nicht durch irgendwelche „Politiker“ die sich wahrscheinlich überhaupt nicht mit der Materie auskennen und oft aus puren Aktionismus entschieden und weil sie irgendwie ihren Posten legitimieren müssen.

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  4. Dembski Peter

    Peter Dembski 03.02.2014 11:40 Uhr
    Endlich hat die Eu gehandelt. Besser geht es nicht. Alle seriösen Kleintierhalter sind erleichtert, dass den Tierquälern auf diesen Märkten das Handwerk gelegt wurde. Es bräuchte keine EU Verordnungen wenn die Tiere artgerecht nac §2 TierSchG gehalten würden. Die Tierquäler geben ihre Visitenkarte auf allen stattfindenden Kleintiermärkten ab. Nach 60 Jahren Taubenhaltung habe ich aufgegeben. Der Grund war die Überhandnahme von Ansteckungen auf Ausstellungen und durch Zukäufe. Ich habe nicht nicht unverantwortlich zuviele Tiere gezüchtet und brauchte diese nicht diesen auf Märkten entsorgen. Eine Behandlung ist für viele zu teuer, die Wirksamkeit von Medikamenten hat nachgelassen, die UNI Leipzig teilte mir bei einem Test, ohne diesen geht es nicht mehr, dass von 15 Antibiotika nur drei wirksam sind.
    Tierschutz hat in Deutschland einen hohen Stellenwert und ist seit 2001 als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Tierschutz ist die Wahrung der geschöpflichen Würde aller Tiere, unabhängig davon, ob sie vom Menschen genutzt werden oder freilebend sind. Dem Grundsatz des Tierschutzgesetzes nach muss der Mensch das Leben und Wohlbefinden der Tiere schützen und sie vor Schmerzen, Leiden und Schäden ohne vernünftigen Grund bewahren.
    In der Erwägung, dass Tierschutz im 21. Jahrhundert ein Ausdruck von Menschlichkeit und eine Herausforderung für die europäische Zivilisation und Kultur ist; in der Erwägung, dass jede Maßnahme zum Schutz und zum Wohlergehen von Tieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie auf dem in Artikel 13 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegten Grundsatz beruhen sollte, dass Tiere fühlende Wesen sind, deren spezifischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen ist.
    Der BDRG und ein Grßteil der Züchter ist noch nicht im 2100 Jahrhundert angekommen. Er sollte endlich seine Satzung vollziehen und gegen die Tierquäler vorgehen, die der Rassegeflügelzucht schaden.
    Peter Dembski

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