Standseilbahn statt Altstadtbahn?

Wasserburg: Thema „Verkehr" bei Bürgerbeteiligung zum ISEK unter der Lupe

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„Wasserburg ist wie ein Krapfen und soll auch so bleiben.“ Mit diesen Worten veranschaulichte Städteplaner Michael Leidl die aktuelle Situation: Alle Schwerpunkte bezüglich Handel, Wohnen und Gewerbe finden sich in der Mitte, also in der Altstadt. Das „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“, kurz ISEK, ist nun nach über zwei Jahren in die heiße Phase getreten. Die Bürger wurden jetzt zum Thema „Verkehr“ aktiv miteinbezogen …

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Michael Kölbl und Städteplaner Leidl stellte Robert Ulzhöfer (rechts) vom Büro „Stadt-Land-Verkehr“ die Überlegungen zum Schwerpunktthema Verkehr in Wasserburg vor.

Er allerdings verglich Wasserburg im Bezug auf den Straßenverkehr nicht mit einem Krapfen, sondern eher mit einem Zimtstern: „Man muss von einem Zacken zum anderen immer durch die Mitte fahren – und genau hier haben wir das zentrale Problem.“ Die schockierende Zahl: 15.500 Fahrzeuge überqueren täglich die Altstadtbrücke und stellen somit eine erhebliche Belastung für die Stadt dar. 

Um die Verkehrslage langfristig zu verbessern, bot Ulzhöfer den Wasserburgern einige Maßnahmen als Vorschläge an:  „Eine Stauanzeige auf den Zufahrtsstraßen könnte Autofahrer darüber informieren, dass sie einen Zeitverlust von etwa 15 Minuten haben, wenn sie über die Altstadt fahren. Vermehrte Engstellen oder Schwellen im Altstadtgebiet könnte die Verkehrslage etwas beruhigen.“

Zu Bus und Bahn: „Wenn das Fahrtgebiet des Stadtbusses um die drei umliegenden Gemeinden Babensham, Eiselfing und Edling erweitert werden würde, könnte man das Verkehrsaufkommen entlasten.“ Außerdem schlug Ulzhöfer als Alternative zur erneuten Inbetriebnahme des Eisenbahnnetzes, welches „nicht mehr den aktuellen Verkehrsschwerpunkten entspricht“ eine Standseilbahn vor. Diese könne, vollautomatisch erschlossen, die Burgau mit der Altstadt verbinden.

Dauerhaft reservierte Parkzonen für Anwohner, günstige und leicht ausgelagerte Parkmöglichkeiten für Dauerparker und eine Erhöhung der Parkgebühr für Kunden im Altstadtbereich wurden ebenfalls vorgeschlagen. „Gegebenenfalls könnten Dienstleister und Händler als Anreiz für ihre Kunden bei einem Einkauf einen Teil der Parkgebühr übernehmen.“

Das sind die Stimmen der Bürger zur Verkehrslage in Wasserburg:

„Wasserburg ist nicht groß und es gibt rundherum kostenlose Parkhäuser – warum richtet man nicht in der Innenstadt einen kompletten Fußgängerbereich ein?“ Ulzhöfer: „Ein Fahrverbot im Innenstadtbereich wäre auf jeden Fall eine gute Idee. Man könnte beispielsweise an einem Markt-Wochenende versuchsweise von Samstag Mittag bis einschließlich Sonntag den Verkehr in der Innenstadt sperren und anschließend mit Bürgern und Händlern Rücksprache halten.“

Auch wurden Pendelbusse, die die Stadt durchqueren, vorgeschlagen: „Diese sind kleiner als Linienbusse. Schüler würden dann außerhalb der Stadt, vielleicht an der Salzburger Straße vom Linienbus- zum Pendlerbus umsteigen, der wiederum am Busbahnhof hält.“

Die Altstadtbahn zur Verkehrsentlastung wurde ebenfalls diskutiert: „Die Bahn ist das Instrument der Zukunft“, so ein Bürger. In einem Punkt schienen sich die Bürger einig zu sein: „Die Busanbindung von Reitmehring in die Stadt ist definitiv verbesserungswürdig – wenn man Pech hat, wartet man eine Stunde auf einen Bus, mit dem man anschließend nur vier Kilometer weit fahren muss.“

Im Abschluss an die Veranstaltung konnten die Wasserburger erneut eigene Anregungen und Ideen mit den Städteplanern diskutieren und an Schautafeln im Foyer des Rathauses anbringen. Weitere Bürgerversammlungen mit Beteiligungsmöglichkeit sowie Versammlungen der ISEK-Lenkungsgruppe stehen nun an, um konkrete Ziele und Strategien für Wasserburg finden zu können. HF

 

 

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14 Gedanken zu „Standseilbahn statt Altstadtbahn?

  1. Schon faszinierend: einerseits entspricht Wasserburg einem Zimtstern, durch dessen Mitte sich ein großer Teil des Verkehrs abspielt – gleichzeitig entspricht angeblich eine Eisenbahnanbindung eben dieser Mitte „nicht mehr den aktuellen Verkehrsschwerpunkten“.
    Und mehrfache Umsteigezwänge zwischen Linien- und Pendelbussen wären mit Sicherheit das effektivste Mittel, um die Menschen wieder vom Bus ins eigene Auto zu zwingen.
    Alles nach dem Motto „warum einfach, wenns auch kompliziert geht?“

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  2. haubelinchen

    Immer wieder Altstadtbahn
    Wie soll das mit den Haltestellen funktionieren?
    Dies Frage hab ich hier schon öfter gestellt und keine Antwort bekommen.
    Sollen die Fahrgäste unten vom Inn hoch stell mir das nicht lustig vor!!!!

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    1. Und wo genau haben Sie ein Problem mit den Haltestellen? Sicherlich wurde ihnen diese Frage schon mehrfach beantwortet …. Es scheint eher ein Verständnisproblem zu sein.

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      1. Ich habe übrgens das selbe „Verständnisproblem“, wo bitte, sollen die ganzen Burgauer in die Altstadtbahn einsteigen?

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        1. Die Burgauer können seit über hundert Jahren die Eisenbahn benutzen. Fragen Sie einfach mal die Burgauer selbst.
          Vermutlich meinen Sie den Ortsteil Wasserburg-Burgau Süd (weitere: Burgau und Burgau Nord). Die Frage ist einfach zu beantworten. Sie können frei nach ihrem Bedarf entscheiden, da sogar zwei Zugangsmöglichkeiten zum Eisenbahnverkehr (ggf. S-Bahnverkehr vorhanden sind: Reitmehring oder Wasserburg Stadt. Dies ist sogar ein optimale Erschließung, das sogar Großstädet mit über 50 000 Einwohnern oft nur über einen einzigen Zugangsmöglichkeit zum Eisenbahnverkehr verfügen.
          Da der Ortsteil Burgau-Süd nie einen Haltepunkt hatte, stellt sich diese Frage erst später. Die Erschließung dieses Ortsteils kann bei einem späteren S-Bahnausbau näher auf Umsetzungspotential betrachtet werden (Da wird aber der Name eher Wasserburg-Gabersee lauten, da dort sinnvoller und vielversprechender). Ebenso ist es sogar möglich, diesen Ortsteil (und andere Ortsteile), mit einem Autonombus zu erschließen (Ebenso fehlt ein direkter Bundesstraßen, Autobahn, oder ICE Anschluss, wenn man so argumentieren möchte). Dies nennt man auch multimodale Mobilität.
          Es ist weltweit nicht üblich jeden Ortsteil an eine Eisenbahnhaltstelle anzubinden. Daher können Sie auch beobachten, dass sowohl Nahverkehrszüge als auch (schnelle) Fernverkehrszüge nicht an den sichtbaren Siedlungsbereichen anhalten. Es ist aber weltweit üblich diese mit anderen Verkehrsmittel zu erschließen.

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          1. Danke für diese umfangreiche Information, die mir und den anderen Burgauern aber leider auch nicht wirklich weitergeholfen hat!

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  3. Das Intetesse an diesen sog. „Bürgerbeteiligungen“ sagt ja schon alles aus. Die einfach umzusetzenden Maßnahmen sind lediglich ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ und verbessern gar nichts. Die wirklich verbessernden Maßnahmen sind aus vielerlei Gründen wohl nicht umsetzbar. Dem stehen zum einen Interessen weniger, zum anderen fehlende Inovationen und Mutlosigkeit der Verantwortlichen gegenüber. Noch ein entscheidender Aspekt fehlt diesem Vorhaben: eine Vision.

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    1. Eine Stadt, und sei sie noch so klein und schnuckelig, muss sich den Herausforderungen der Zukunft rechtzeitig stellen.Sonst ist der Zug abgefahren!Sprichwörtlich…
      Wasserburg Stadt und Umgebung müssen jetzt auch noch in das MVV_Gebiet miteinbezogen werden.Wenn schon keine Altstadtbahn rentabel wäre, oder ist, dann eine perfekte Busanbindung die ihren Namen verdient.Stündliche Busse sind leider zu wenig.Die Busanbindung ist zum Glück an die Zuganbindungen von München, Landshut und Rosenheim koordiniert,
      Jedoch wer öffentlich von Reithmering ect in die Altstadt, bzw. Badria ect will, sollte eine verbesserte Busverbindung bekommen, bei Stoßzeiten eventuell halbstündlich.Arrogante Busfahrer lassen prinzipiell Fahrgäste nicht in den Bus einsteigen, obwohl man 20 Minuten Umsteigezeit von zB Filzenexpress aus München kommend in den Stadtbus hat, und dieser Bus eh schon dasteht.
      Wie soll ich das beschreiben, man fühlt sich als lästiger Fahrgast zweiter Klasse.Kundenservice ist da noch sehr verbesserungswürdig, wenn man wirklich will , dass mehr Fahrgäste in die Öffentlichen wechseln sollen..Auch wenn die Stadt Wasserburg komplett im MVV wäre, würden zusätzliche Kosten für den Stadtbus für uns Bürger wegfallen.Vielleicht schon ein weiterer Anreiz…Die Stadt soll sich etwas für uns Bürger einfallen lassen…nicht reden , sondern handeln…

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  4. Die S-Bahn, und damit die echte nachhaltige Elektrombilität soll bis Wasserburg kommen. Wenn es kein typisches CSU Wahlkampfversprechen ist (Vor der Wahl versprchen, nach der Wahl gebrochen), könnte schon in wenigen Jahren die S-Bahn bis nach Wasserburg fahren.
    Wirklich Sinn macht dies nur, wenn die S-Bahn gleich bis zur Altstadt geführt wird. Damit hätte Wasserburg das erste echte und nachhaltige Elektromobilitätsverkehrsmittel überhaupt.
    Daher ist jegliche Gedanken an einer Zerstörung der Eisenbantrasse zwischen Reitmehring und Altstadt sofort zu verwerfen, da es die Zukunft der Stadt und deren nachhaltige Mobilität gefährdet.
    Es wird Zeit sich dem nachhaligen Fortschritt und der nachhaltigen Mobilität zu widmen und offen zu zeigen. Schluss mit der Förderung des umwelt- und stadtzerstörenden Autoverkehrs.
    Daher NEIN zur Zwangsstilllegung und Zerstörung der Altadtbahn durch CSU und SPD. Und JA zur nachhaltigen Verkehrswende mit der Altstadtbahn.

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      1. Das ist richtig. Auch Seilbahnen sind E-Mobilität. Im Ausland ist die Seilbahn DIE Lösung zum Auto-Schmutz-Verkehrsproblem geworden. Die Städte haben sich von der Auto-Umwelthölle zu lebenswerten Lebensstätten gewandelt. Aber solche Vorschläge werden, insbesondere in Bayern, nicht gerne gehört, weil diese Lösung des Mobilitäsbedarfs eben nicht das Auto ist. So einfach ist bei manchen Parteien die Verkehrspolitik: Entweder es bleibt beim Auto oder keine andere Lösung. Und wenn, dann nur auf dem Papier und ohne Umsetzungszeitpunkt für die Wahlkampfzeit.
        Selbiges trift ebenso auf die Stadtbahnen (BoStrab) zu. In anderen deutschen Bundesländern ist man inzwischen bei ca. 350 km Strekenlänge angekommen. In Bayern gibt es nur eine einzige Planung. Bestand derzeit 0 km. Das politische Problem lautet hier: Wenn eine Stadtbahn fährt, nimmt die Autolast auf den Straßen ab. Und diese positive Entwicklung für die Umwelt und für die menschengerechten Stadtentwicklung ist für eine bestimmte Partei mit weniger Autos die Hölle.

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  5. Wo würde der Masten der Seilbahn stehen?

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    1. Welcher Mast? Standseilbahnen fahren am Boden auf Schienen!

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  6. Manuel Michaelis

    Also wenn ich das richtig verstanden habe, ging es in dieser Versammlung primär darum, wie man den Autoverkehr in der Altstadt reduzieren kann.
    Stelle man sich nun einen Altstadtbahnhof vor – im schlimmsten Fall sogar noch mit S-Bahn Anschluss – dann wird die Konsequenz sein, dass noch mehr Menschen täglich in, bzw. durch die Altstdt fahren um diesen Bahnhof benutzen zu können. Zudem müssen für diese Leute dann weitere Parkmöglichkeiten geschaffen werden.
    Insofern wird die Altstadtbahn nicht zur Entlastung beitragen, sondern, im Gegenteil noch mehr Verkehr in die Altstadt bringen.
    Zwar gibt es tatsächlich unter den Bahnbefürworten welche, die dann sagen, dass das alles Fahrgäste sein werden, die nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, weil sie ja so ökologisch seien…
    …das zeigt aber nur, wie weit diese Menschen (die Bahnbefürworter) von der Raelität entfernt sind.

    Gebetsmühlenartig kann man dann noch wiederholen:
    – die Altstadtbahn würde durch massive Abholzung ein Flora, Fauna Habitat zerstören
    – ein, für die Wasserburger wichtiges Naherholungsgebiet stünde nichtmehr zur Verfügung
    – die Mieten würden weiter ins Unermessliche gesteigert werden
    – Bürger aus Penzing, Burgau, Burgerfeld etc würden von der Altstadtbahn nicht profitieren, es sei denn, sie fahren mit dem Auto zum Bahnhof in die Altstadt…
    – die Kosten für die Reaktivierung und Erhaltung der Altstadtbahn stehen in keinem Verhältnis zu einem sinnvollen Bussystem, das den Bahnhof in Reitmehring bedient.
    – Die Firma Meggle – einer der größten Arbeitgeber und Steuerzahler könnte ihre „Drohung“ wahrmachen und den Standort von Wasserburg wegverlagern.

    Wer an der Versammlung teilgenommen hat, kann sich vielleicht auch daran erinnern, dass nach Analyse der ISEK nur wenige Wasserburger von einem Arbeitplatz in München abhängig sind.

    Wahrscheinlich ist auch, dass die ALtstadtbahn ein weiterer Killerfaktor für den Einzelhandel in der Altstadt wäre, da viele, die die Zeit dafür haben dann „schnell mal“ nach München fahren würden um ihre Einkäufe dort zu erledigen.

    Übrigens schnell mal: Der Zug von der Altstadt benötigt bis nach Reitmehring ein Vielfaches der Zeit im Vergleich zum Bus und würde daher von Pendlern und Schülern nicht besonders bevorzugt werden.

    Man hat sich in den letzten Jahren viel von den Probahnlern anhören müssen: Vom „Peak-Oil“ über die Argumentation, ein Dieselzug würde für die Strecke nur 8 Liter benötigen bis hin zu dem Märchen von Kosten unter 2 Millionen € war alles dabei. Inzwischen sind wir in einer Zeit angekommen, wo man realistisch über Elektromobilität und selbstfahrende Nahverkehrskonzepte nachdenkt.

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