„Standort nicht genehmigungsfähig“

Deponie Odelsham: Bund Naturschutz nimmt vor Ort Stellung - Zitate der Teilnehmer

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dsc_0976Die geplante Deponie in Odelsham sorgt seit so langer Zeit schon für hitzige Diskussionen. Nachdem den Verhandlungen zwischen der Gemeinde Babensham und der Firma Zosseder bereits ein Bürgerbegehren entgegen gesetzt wurde, nimmt jetzt der Bund Naturschutz (BUND) erneut Stellung zur geplanten DK1-Deponie. Um das Thema gemeinsam zu besprechen, trafen sich die Mitglieder des BUND-Arbeitskreises für Abfall und Rohstoffe sowie Stadtratsmitglieder aus Wasserburg und Gemeinderäte aus Babensham direkt vor Ort.

„Von unserer Seite sind Standort und Betrieb einer Deponie weiterhin nicht zu rechtfertigen“, sagte Waltraud Galaske, Mitglied des BUND-Arbeitskreises und Fraktionsmitglied der Grünen in Fürth. Sie nannte vier Punkte, die gegen die Klasse I-Deponie in Odelsham sprächen:

So fehle es erstens am Bedarf. Es könne kein Nachweis geliefert werden, dass eine zusätzliche Deponie in Oberbayern notwendig sei, so Galaske. Die für den Altlandkreis zuständigen Mülldeponien wie beispielsweise Waldering und Bischofswiesen-Winkl hätten mehr als ausreichend Kapazität, um den Bedarf zu decken.

Zweitens: Laut Bund Naturschutz sei die Deponie in einem „landwirtschaftlich sensiblen Bereich“ wie in Odelsham nicht zu rechtfertigen. Es sei aus der Planung der Firma Zosseder nicht ersichtlich, wie und wo derzeitige Abfallmengen verwertet und deponiert würden und warum diese Verwertung oder Deponierung in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehe. „Um die Planung begründen zu können, fehlt also ein konkreter, dem Abfallschlüssel entsprechender Mengenbedarf mit Herkunftsgebiet“, so die Sprecherin.

Drittens sei der Standort in Siedlungsnähe denkbar ungünstig. Es sei durch die Kiesgrube, die den Untergrund bilde, kein sicherer Stand der Deponie gewährleisten. „Der Untergrund ist schlichtweg nicht tragfähig genug. Wir regen daher eine Neubewertung des Raum-Ordnungs-Verfahrens an.“

Außerdem, so Galaske weiter, sei die Belastung durch Luftschadstoffe enorm. Durch die Einlagerung gefährlicher Abfälle könnten sich Asbestfasern und ähnliche Stoffe als Staub in der Luft auf die unmittelbare und weitere Umgebung verteilen und somit laut eine erhebliche Gefahr darstellen.

Außerdem werde das Sickerwasser der Deponie während der Betriebsphase in einem Speicherbecken gelagert. Es könne nicht in die Kläranlage der Stadt Wasserburg eingeleitet werden. Bei Regen sei die Gefahr groß, dass es überlaufe. „Wenn die Deponie stillgelegt wird, ist eine Abdeckung mit einer Kunststoff-Dichtungs-Bahn geplant. Bei einer Beschädigung der Plane muss die Entsorgung des Sickerwassers durch Gelder der Steuerzahler finanziert werden“, befürchtet der Bund Narurschutz.

Als vierten und letzten Punkt nannten die Vertreter des Bund Naturschutz die mangelhafte Umweltverträglichkeits-Untersuchung. Sickerwasser und Luftschadstoffe hätten laut der Stellungnahme erhebliche Auswirkungen auf die Pflanzen und Tiere in der näheren Umgebung. Der BUND hält die bisherige Bewertung dieser Konsequenzen für unzureichend.

dsc_0982Dr. Hartmut Hoffmann, Mitglied des BN-Landesarbeitskreis Abfall und Kreislaufwirtschaft in Schwandorf (Mitte), äußert einen weiteren Gedanken: „Die Kontrolle der Deponie übernimmt der Betreiber selbst. Jedoch ist das geplante Vorhaben eine Maßnahme für die Öffentlichkeit, die sich aber nach der Inbetriebnahme den Bürgern gegenüber nicht rechtfertigen braucht. Es handelt sich also um die Privatisierung einer öffentlichen Aufgabe.“

Hoffmann weiter: „Das geplante Projekt weißt viele Lücken auf. Etwa 1,2 Millionen Tonnen Müll drücken auf losen Schotter. Das Ganze bewegt sich. Nach 20 Jahren kann man keine Dichtheit mehr garantieren und dann fließt das Sickerwasser ungebremst in den Inn.“

dsc_0969Norbert Buortesch, Stadtrat der Freien Wähler in Wasserburg (rechts): „Es ist geplant, den 30-Meter-hohen Hügel der Deponie mit einer Folie abzudecken und anschließend flach wurzelnde Bäume darauf zu pflanzen. Der Hügel ist jedoch vor Wettereinflüssen nicht geschützt. Bei einem kräftigen Sturm könnten die Bäume umfallen. Und dann?“

Wasserburges Stadtratsmitglied Peter Stenger (SPD) äußerte sich ebenfalls sehr kritisch dem geplanten Vorhaben gegenüber: „Alles, was auf der Folie gepflanzt wird, wird mit der Zeit abrutschen. Außerdem finde ich es fragwürdig, dass Verhandlungen mit der Firma Zosseder hinter verschlossenen Türen geführt werden.“

Roger Diller, Vorsitzender der Bürgerinitiative zur Erhaltung von Umwelt und Lebensqualität im Wasserburger Land, ergänzte: „Bereits 2012 haben wir mit einem Bürgerbegehren versucht, in die Verhandlungen zwischen der Gemeinde und der Firma Zosseder einzugreifen. Offiziell heißt es, die Gemeinde Babensham tut alles, um die Deponie zu verhindern. Zu diesem Zweck wurde beispielsweise beschlossen, keine Grundstücke an das Unternehmen zu verkaufen. Doch der Weg, der sich durch das Grundstück zieht, wurde im neuen Verfahren dann schlichtweg überplant.“

Johann Brunnlechner, Gemeinderat Babensham: „Die Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Unternehmen lautet momentan so, dass das Kieswerk auch auf dem Weg, der sich durch das Grundstück zieht, genehmigt ist. Die Deponie hingegen nicht.“

Und so geht’s jetzt weiter: Ein Bürgerbegehren, bei dem erneut Unterschriften gegen die geplante Deponie gesammelt werden, soll am 4. Dezember stattfinden. Dem wird ein Ratsbegehren der Gemeinde Babensham entgegen gestellt, dass die Deponie mit Verwendung des Gehweges genehmigen soll. Die einzige Bedingung: Die Firma Zosseder darf kein Asbest einlagern. 

HF
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