„St. Jakob – weniger wäre mehr!“

Leserin Jutta Schweiger aus Wasserburg macht ihrem Ärger Luft

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Leserin Jutta Schweiger aus Wasserburg macht ihrem Ärger Luft und hat der Wasserburger Stimme heute am Nachmittag diesen Brief geschrieben – zur Sanierung der Wasserburger Stadtpfarrkirche St. Jakob. Der Wortlaut: „Solange ich in Wasserburg lebe, hat mich die Wucht des Kirchturms von Sankt Jakob beeindruckt. Auf dem Weg über die Burg dominierte er als mächtiger steinerner Zeuge die Silhouette dieser Stadt. Nun wird diesem Turm – und wie zu befürchten der gesamten Kirchenfassade – ein Kleid übergestülpt. Die früher steinsichtigen Lisenen wurden grau gestrichen, die Fugen aufgeputzt, die Uhr neu gestaltet.

Natürlich hatte der Zahn der Zeit an unserem Kirchturm genagt. Aber warum muss man gestalterisch tätig werden? Warum reicht nicht eine konservative Festigung des maroden Steinwerks?

Diese Kirche ist ein Stück Identität. Sie weist über die jetzigen Bewohner hinaus, umschließt das Vergangene und Zukünftige gerade durch die unterschiedlichen Baumaterialien und das uneinheitliche Fassadenbild.

Jede Neufassung nimmt dieser Kirche ihren archaischen Charakter, zerstört die Kraft des über die Jahrhunderte gewachsenen Bauwerks. Gerade wird die letzte authentische Fassade von Wasserburg zerstört. Durch die Bürgerschaft geht kein Aufschrei, niemand scheint den Verlust zu bemerken.

Die verantwortlichen Bauherren beteuern, dass sie die Bedeutung der Kirche für das Erscheinungsbild der Stadt erkannt haben und behutsam sanieren wollen. Ich kann diese Aussage leider in den Ausführungen nicht bestätigt sehen. Ich trauere um ein weiteres Stück Wasserburg, das unwiderbringlich verloren geht.“

Jutta Schweiger, Wasserburg

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2 Gedanken zu „„St. Jakob – weniger wäre mehr!“

  1. Interessierter

    Ich kann diese Besorgnis vor dem Verlust eines Identifikationsstücks und die Unzufriedenheit mit dem veränderten Aussehen in Maßen verstehen. Ich warne aber davor, ein gewisses Erscheinungsbild als das ursprüngliche, richtige identifizieren zu wollen. Auch und gerade alte Gebäude waren in ihrem langen Bestand vielfältigen Veränderungen unterworfen. Jede Zeit hatte ihr „richtiges“ Erscheinungsbild. Passendes Beispiel sind gerade gotische Kirchen. In meiner Kindheit kannte ich deren Innenräume nur als düster-grau, steinern, ungeschmückte Säulen und Wände. Das wurde für mich zum Inbegriff der „richtigen“ Kirche. Doch dann musste ich lernen, dass sie im Originalzustand verputzt und äußerst bunt gestaltet waren. Prächtig, für mein Auge überschwänglich, geradezu heiter.

    Vielleicht ist das jetzige Aussehen der Jakobskirche dem Originalzustand näher? War das vorherige deswegen falsch? Sicher lässt sich nur sagen, dass dem einen das, dem anderen jenes besser gefällt.

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    1. Danke, besser kann man`s glaube ich nicht ausdrücken! Genau auf denPunkt gebracht!

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