Schüler stellen ihre Talente unter Beweis

Kleinkunst-Abend des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg ein voller Erfolg

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„Sie sind acht Sekunden Liebling ihres Publikums”, heißt es in „FivaMCs“-Lied „Das ist Kleinkunst.” Der Zusatz „Klein“ mag allerdings manchem unpassend erschienen sein, als der erste Kleinkunstabend des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg im Treppenhaus des Altbaus für zwei Stunden das Publikum in seinen Bann zog. Ausgehend von einer Initiative der beiden Schülerinnen Katja Hennemann und Lorenza Bauer, die mit ihrem Vorschlag, eine solche Veranstaltung am LGW auf die Beine zu stellen, bei Verbindungslehrerin Christina Schneider offene Türen einrannten, konnten in geradezu märchenhaftem Ambiente rund 20 Kleinkünstler ihre eben nicht kleinen, sondern großen Talente zum Besten geben.

Die Bandbreite der Darbietungen erstreckte sich von den charmanten Tricks des schlagfertigen Zauberkünstlers Tobias Schwarzberger über ein selbstgeschriebenes französisches Chanson von Miriam Schmid und Alina Schachner hin zu zahlreichen Wortbeiträgen, die der ursprünglichen Idee der Organisatorinnen, eine Art Poetry Slam zu veranstalten, am nächsten kamen.

Immer wieder sorgten die selbst verfassten Texte der Schülerinnen und Schüler für sprachloses Erstaunen und begeisterten Applaus bei Eltern, Mitschülern und Lehrern, die sich im Treppenhaus eingefunden hatten. Man konnte gesellschaftskritische Gedichte von Sophie Bauer wie „Genug“ sowie „Du bist schön” von Katja Hennemann, das sehr emotional und dennoch scharf die Schönheitsindustrie und ihre verzerrten Ideale angriff, „Nicht in meinem Namen” von Kristian Witthaut, einen pazifistischen Text über religiösen Fundamentalismus, oder aber „Maskenball“ von Miriam Schmid, die darin deutlich Stellung gegen Verlogenheit und bequemen Opportunismus bezog, hören.

Auch der Abschlusstext von Caroline Kunz mit dem Titel „Wenigstens ist es für Dich noch schlimm“ zeigte tiefgründige gesellschaftliche Reflexionen. Aber es gab auch humorige, heitere oder eben ganz persönliche Beiträge wie Lukas Bauers kabarettistische, pointensichere Glosse über das Grauen des frühen Aufstehens an Schultagen, Anastasia Trenklers Kolumnentext über eine Mädchenfreundschaft und Hanna Alberts, Lorenza Bauers, Taine Bürgers beziehungsweise Nina Rads Gedichte, die der Frage nachspürten, was es denn heiße, jung beziehungsweise zwölf Jahre alt zu sein. In diese Reihe gehört auch Isabell Eiwans ganz individuelle Neuinterpretation von Poes „The Raven”.

In „FivaMCs“-Lied heißt es an einer weiteren Stelle: „Es sind nicht ihre Lieder, doch sie singen sie für uns.” Mit diesem Vers könnte man ganz treffend den zweiten künstlerischen Schwerpunkt des Abends beschreiben: den Gesang. Zahlreiche musikalische Talente haben den Mut gefunden, live und unplugged einige Lieblingslieder vorzutragen: Diese musikalischen Kleinkünstler waren Florian Alber, Dominik Hartmann, Zarife Kara, Alina Schachner, Miriam Schmid, Alina Neukam und Nina Rad.

Die einzige Lehrerperformance des Abends soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Es war der kürzeste und vielleicht ungewöhnlichste Beitrag in Sachen Kleinkunst: Oliver Schernhammer zeigte eine formvollendete pantomimische Körperstudie des Vorgangs eines Skisprungs samt Telemark-Landung. Als die Jury, die aus weiteren fünf Lehrern bestand, ihre Haltungsnoten bekannt gegeben hatte und damit dieser Auftritt nach nur wenigen Sekunden beendet war, herrschte zunächst kurz Verwirrung, dann allerdings großes Amüsement. Oder um noch einmal das Eingangszitat von „FivaMC“ zu bemühen: „Sie waren acht Sekunden Lieblinge des Publikum.”

Einen echten Publikumsliebling konnte man an diesem rundum verzaubernden Abend nicht festmachen. Immer wieder gab es echte Highlights, berührende, faszinierende, einfach schöne Momente, die in der ungewöhnlichen Location, dem Treppenhaus, das in rosa-violettes Licht, vermischt mit Kerzenschein, getaucht war, perfekt in Szene gesetzt waren. Dass bei dieser perfekten Organisation auch ein verlockendes Buffet und eine kleine Bar nicht fehlen durften, versteht sich fast von selbst. Zurecht war das Publikum begeistert und wünscht sich ebenso wie die beiden Initiatorinnen, die zudem charmant durch den Abend führten, eine baldige Wiederholung, auf dass der Kleinkunstabend eine feste Institution am Luitpold-Gymnasium wird.

Eva-Maria Schwarzfischer

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