Schneidig und talentiert

Jugendkonzert der Wasserburger Stadtkapelle - Nur mehr acht Schüler der Bläserklasse Realschule

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Ganze Familien lassen sich diesen Auftritt der jungen Nachwuchsmusiker nicht entgehen: Wieder einmal lud die Wasserburger Stadtkapelle gerne zum Schüler- und Jugendkonzert in den historischen Rathaussaal ein. Für viele der Schüler war es der erste Auftritt in der Öffentlichkeit. Wochen, Monate, ja Jahre intensiver Eigenleistung liegen hinter ihnen. Wenn Freunde nach den Hausaufgaben für die Schule schon auf der Straße oder im Schwimmbad sind, heißt es für die jungen Instrumentalisten noch zu üben. So ist der Übungsalltag!

Der Lehrer im Probenheim der Stadtkapelle legt zunächst die Grundlagen, die zu Hause verbessert werden sollen, um dann in der Musikstunde wieder eine Verfeinerung erhalten. Sie plagen sich durch die verschiedenen Tonarten, durch ganze, viertel oder achtel Noten um am Ende, hoffentlich eingebettet in eine schöne Melodie, zu musizieren.

Ohne es wahrzunehmen, erzieht dabei die Musik den jungen Menschen. Und ohne dass es ihnen und vielleicht auch ihren Eltern bewusst ist, fordern und fördern sie damit die Bildung des eigenen Gehirns. Die Sprachfähigkeit wird unterstützt. Ebenso die emotionale und soziale Kompetenz.

Alles das ist natürlich den jungen Musikern der Wasserburger Realschul-Bläserklassen und der Bläserschule der Stadtkapelle so ziemlich egal, wenn das eigene Lampenfieber nicht mehr steigerbar ist.

Bei den Bläserklassen der Realschule fällt auf, dass innerhalb des Schulkonzepts das Bläserklassen-Angebot wohl Konkurrenz bekommen hat. Nur noch acht Schüler sind für die Klasse 5b in diesem Schuljahr übrig geblieben. Schade.

Denn es war immer ein Erlebnis, wie Michaela Heindl schon nach wenigen Wochen, unterstützt von den Instrumentallehrern in der Bläserschule der Stadtkapelle, in angenehm vielstimmigen Besetzungen die zwar noch einfachen, aber immer sehr schön gespielten Auftritte zum Klingen brachte. Ja, es wäre echt schade, wenn dieses Projekt der Realschule im Programm einmal fehlen würde.
Egal ob das Programm mit vier, zählt man den Lehrer mit waren es fünf, schmetternden Trompeten eröffnet wird oder ob sich die Saxophone durch ihre zwei Vortragsstücke grooven: Das Musizieren alleine und in kleinen Gruppen ist die Grundlage jeder Ausbildung und Voraussetzung für den Einstieg in eine höhere Orchesterstruktur.

Zu zweit, alleine mit dem Lehrer oder eben in kleinen Gruppen folgen im Programm die Klarinetten, ein überaus witzig-musikalisches Tuba-Trio und gleich mehrere Auftritte mit Klavierbegleitung. Manchmal blieb da der Eindruck, dass vielleicht nur ein Vortragsstück an Stelle von zwei der Energie und dem Nervenkostüm der Mädchen und Buben entgegen gekommen wäre. Und so sehr die beiden Auftritte mit dem Tenorhorn und der Posaune, jeweils begleitet von Flügel des Rathaussaales, auch musikalisch überzeugten, sei hier der Hinweis auf den Faktor Zeit im Konzertablauf erlaubt.

Schön gelang das mit den überschaubaren Komposition der beiden jungen Klarinettistinnen, jeweils mit Klavierunterstützungen. In allen Vorträgen wurde deutlich, dass eben gerade der kammermusikalische Ausbildungsinhalt eine der Grundlagen des Ensemblespiels ist.

Die Brücke von der Kammermusik zur Blasmusik war deshalb vor der Pause das junge Blechbläserquintett der Stadtkapelle. Eine schon längere Ausbildungszeit durch alle Stufen der Bläserschule der Stadtkapelle ist bei dieser Formation zu spüren und zu hören. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil einige der Mitwirkenden schon im Erwachsenenorchester erste Erfahrungen sammeln konnten.
Eine „kolossale Entwicklung“ hat nach den Aussagen von Stadtkapellmeister Michael Kummer das Anfängerorchester „Bläserjugend“ unter der Leitung von Georg Auer gemacht.

Und recht hat er, der Herr Kummer. Alle Register, vom Schlagwerk bis zum tiefen Blech, sind nun ohne Aushilfen aus der Jugendkapelle besetzt. Das Holzbläserregister ist gut harmonisch und ausgeglichen aufgestellt. Aber eines bleibt immer: Trompeter gibt es genug und die Hörner sind unter den Blechbläsern nach wie vor eine – zumindest rechnerische – Minderheit. Mit zwei kleinen Kompositionen, fein und sicher einstudiert, überzeugte Georg Auer mit seiner Bläserjugend das Publikum. Viel wohlverdienter Beifall für einen recht überzeugenden Auftritt. Hier hätte man gerne auch noch eine Zugabe gehört.

Die fortgeschrittene Zeit des Abends machte es auch beim abschließenden Auftritt des Stadtkapellmeisters mit seiner Jugendkapelle nötig, das Programm um ein Stück zu kürzen. Übrig blieben zwei Originalkompositionen aus der neueren Zeit. Eigentlich überrascht die hohe musikalische Reife der Stadtkapellenjugend ja nicht mehr. Sie wird förmlich erwartet. Aber sie ist eben ein Ergebnis der bewusst gesamtkonzeptionell angelegten Bläserausbildung und dem rechtzeitigen Einstieg vieler der jungen Instrumentalisten in die jeweils höheren Orchester der Wasserburger Stadtkapelle.

Einen großen Beitrag dazu leisten dabei immer wieder die jungen Menschen selbst, die sich in der Stadtkapelle musikalisch einbringen können und persönlich auch reifen. Nicht zu vergessen die Eltern und Angehörigen im Hintergrund, die diese Entwicklungen begleiten – und zuletzt auch bezahlen.
bua

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