Schleich in Bestform: Nicht mit mir!

In Isen vom Franz Josef verfolgt und vom Publikum gefeiert

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Foto 1Isen – Woher komme ich, und wenn ja, wo gehe ich hin – und was mache ich in der Zwischenzeit? Am besten unbedingt einmal Helmut Schleich live miterleben. Das, was der Kabarettist auf die Bühne bringt, ist nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert. An ständig wechselnder Mimik, Gestik und sonstiger Körpersprache ist dieser Mann nicht zu übertreffen. In zehn Personen kann er schlüpfen, dass man meinen könnte, eine ganze Gesellschaft aus prominenten Politikern, Geistlichen und sonstigen Größen stehe auf der Bühne. Komplimente und Standing ovations bei seinem fulminanten Auftritt im Gasthof Klement in Isen.

Requisiten braucht Helmut Schleich keine – er hat ja sich, den Meister im Grimassen-Schneiden. Ein leerer Tisch, ein einfacher Stuhl, ein Stummer Diener als Garderobe für Zylinder und Frack und seinen weißen Schal. Das war’s. Schon kann’s losgehen.

Foto 2Nicht mit mir – so heißt sein Bühnen-Spektakulum, bei dem man als Fotograf die Sport-Einstellungen wählen muss – so viel Bewegung bietet Schleich. Seine Paraderolle Franz Josef Strauß ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. Dieser bemächtigt sich nämlich unbeirrt und unkontrollierbar der Person Schleichs und kommentiert – zur grenzenlosen Begeisterung der Besucher – gnadenlos das Bühnengeschehen. Schleich: „Ich hab das Gefühl, der verfolgt mich!“

Ständig mischen sich aber auch andere Promis ins Geschehen ein: von Horst Seehofer oder Helmut Schmidt über Ottfried Fischer bis hin zu Papst Benedikt XVI. Schleich versteht es, in geradezu brillanter Weise zwischen politischen, kabarettistischen und religiösen Schwergewichten zu wechseln.

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Fotos: Renate Drax

Und natürlich dürfen skurrile Figuren, die den täglichen Irrsinn auf die Spitze treiben, nicht fehlen: So trifft Schleich auf einen Psychologen, der nur noch in Schlagerzitaten spricht. Ein Wahrsager blickt nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit. Sie alle sind des Mitmachens überdrüssig und streben nach etwas Anderem, nach dem privaten Protest.

Harmlose Späßchen – „jetzt hod der doch tatsächlich an grünen Veltliner übern Receiver gschütt und gmoand, er griagt an Österreicher jetzt besser her“ – wechseln mit heftiger Kritik. Und genau so trifft er den Nerv und vor allem die Lachmuskeln seines Publikums. Das rote Sakko mal angezogen, mal eben nicht. Die Schultern zur Franz Josef Pose hochgezogen – und dann wieder nicht. Es geht um die Politik und insbesonders um die große Koalition, es geht aber auch um die Freundlichkeit der Menschen ganz im Allgemeinen („I pack’s nimma dieses weichgespülte Espresso-Getue und einen schönen Tag auch noch!“) und er philosophiert über Charisma im Besonderen.

Foto 4Tränen vor Lachen bei den Besuchern, als Helmut Schleich auf die Bildungspolitik in diesem unserem Lande – oder in seiner Sprache den „Bildungskrampf“ zu sprechen kam. Wie optimieren wir unser Premium-Objekt Kind? Das war die zentrale Frage. Und fand in einer von Schleich – eigens für die Isener mitgebrachten – Textaufgabe für den Übertritt an eine Realschule ihren Höhepunkt. Es ging um ein Schwimmbecken, das 2070 Liter fasst und mit drei Schläuchen befüllt wird, wobei in 40 Minuten 80 Liter … Das Fazit: Mit Schleich macht sogar Mathe einen Riesenspaß und Isen darf sich sowieso freuen – genau in einem Jahr am gleichen Ort zur gleichen Zeit ist er wieder da – mit neuem Programm.

Alle Infos zum neuen Abo-Programm im historischen Saal Gasthof Klement in Isen unter 08083/908929 oder kulturpunkt-isen@t-online.de.

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