Schaf muss der Mensch haben!

Unterhaltsamer Handwerkertag mit Schafausstellung im Bauernhausmuseum

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2013_Schafschur_kAmerang – Von wegen: „Schwein muss der Mensch haben!“ Schafe sind mindestens genauso wichtig. Davon überzeugten sich über 1.000 Besucher beim großen Handwerkertag im Bauernhausmuseum Amerang des Bezirks Oberbayern. Der Schafhalterverein Rosenheim e.V. war zu Gast und zeigte die große Vielfalt der heimischen Schafwelt.

Die erste Erkenntnis: Schaf ist nicht gleich Schaf! Da tummelten sich das Walliser Schwarznasenschaf, das Krainer Steinschaf, ein Brillenschaf, das Coburger Fuchsschaf und noch zahlreiche Bergschafe in den Gehegen und ließen sich von Kindern streicheln. Kurze krause Wolle, lange zottelige Wolle, die schwarze Nase oder ein gekrümmtes Horn – die unterschiedlichen Schafe sorgten bei den Besuchern für großes Staunen.

Die zweite Erkenntnis: Es gibt bei uns in der Region sogar einen Deutschen Vizemeister im Schafscheren. Robert Hagenrainer zeigte den Gästen – und auch den Schafen -, wie gut er sein Handwerk versteht. Sehr feinfühlig präsentierte er an zwei Bergschafen, wie das Scheren der Wolle geht. Schafhalter Werner Fröwis kommentierte den Vorgang sachkundig. „Man muss schon viel Gefühl beim Scheren haben. Denn die Scheren sind scharf, und man darf die Tiere nicht verletzen.“ Erstaunlich für die Besucher war, dass die Schafe still hielten und sich das Scheren ihrer Wolle ohne einen Muckser gefallen ließen. Nicht nur wegen der guten Schafwolle ist das Scheren wichtig, sondern auch für die Gesundheit der Tiere, sagte Fröwis. „Ohne das Scheren würde die Wolle verfilzen, und manch ein Schaf könnte mit einer verfilzten Wolle sterben.“

Die dritte und wichtigste Erkenntnis: „Nehmen Sie sich Wolle mit nach Hause – eine bessere Handcreme gibt es nicht!“ Mit Wolle die Hand eincremen? Werner Fröwis erklärt es so: „Die Schafwolle ist sehr fett und enthält Lanolin. Das ist für die Haut der Schafe wichtig, tut aber auch dem Menschen gut.“ Wer als raue Hände hat, greife nur kurz in die Schafwolle, und schon spürt man das sanfte Fett. Lanolin sorgt auch für eine gute Wundheilung.

Sorgen muss man sich um die Zukunft der Schafhaltung in Bayern machen. „Über 30.000 Schafe haben wir in Bayern in den letzten fünf Jahren verloren“, erzählt Werner Fröwis. „Viele kleine Halterbetriebe hören auf, viele finden keinen Betriebsnachfolger.“ Immerhin aber gibt es im Freistaat noch 360.000 Schafe, davon 260.000 Mutterschafe.

Eine Attraktion waren die vielen Handwerkervorführungen, die im ganzen Museum zu sehen waren: Der Schmied zeigte sein Können, die Seiler schlugen Sisal zu Stricken, und die Buben und Mädchen konnten auf der Wiese vor dem Vierseithof nach Herzenslust filzen. „Sägen, Bohren, Hämmern!“ hieß das Motto in der Kinder-Schreinerwerkstatt. Ein Besuchermagnet war die große Dreschmaschine vom Grandlhof aus Haag in Oberbayern, und die Traktoren vom Bulldog-Verein Amerang waren nicht nur für die Kinder eine große und beliebte Attraktion.

Schließlich rundeten Ernst Schusser und Eva Bruckner vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern das abwechslungsreiche Programm am Handwerkertag ab. Viele Besucher blieben nachmittags beim Bartlhof stehen und sangen die geselligen Lieder der einfachen Leute aus der Großstadt München um 1900 mit.

Foto: Viele interessierte Museumsbesucher schauten Robert Hagenrainer, dem deutschen Vizemeister im Schafscheren, zu.

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