Rainer Devens – Haus und Stadt

Neue Ausstellung ab der nächsten Woche im Städtischen Museum Wasserburg

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stadt-notiz„Rainer Devens – Haus und Stadt“. So heißt die neue Ausstellung im Heimatmuseum Wasserburg, die am nächsten Mittwoch, 19. Oktober, eröffnet wird. Die Ausstellung vereint zwei Werkzyklen des Wasserburger Malers Rainer Devens. Während im Sonderausstellungsraum des Museums seine über drei Jahrzehnte entstandenen „Wasserburger Häuser“ zu sehen sind, beleben seine abstrakteren Werke – die „Hausgedanken“ – an entscheidenden Stellen die Dauerausstellung des Museums und erlauben so ganz neue Perspektiven auf dessen Sammlung und Gebäude.

Wasserburger Häuser

architekturdeteil-gruenIn den 1990-er Jahren wird Rainer Devens zum Porträtisten der Wasserburger Häuser. Er kennt ihre Bewohner und ihre Geschichten, hat in ihren Höfen als Kind Fußball gespielt und erlebt, wie sie sich im Laufe der Jahrzehnte verändern. Es geht ihm in seinen Bildern um eine Ahnung von Geschichte und Innenleben. Dabei zeigt er in seinen Gemälden die Alltagsgesichter der Häuser, das Massive, das Schwere von Mauern mit harter, rauer, schrundiger Oberfläche genauso wie die Lebendigkeit von alten Putzen und deren farbige Strahlkraft, wie sie unter dem Einfluss von Tages- und Jahreszeiten changieren.

Ihn beschäftigen der skulpturaler Charakter der Häuser und die Details der über Jahrhunderte organisch gewachsenen Architektur. Rainer Devens widmete ihnen daher ab 2004 eine eigene Werksreihe. Hier zeigt er die Erker und Zinnen bewehrten Vorschussmauern genauso wie die verwinkelten und verwachsen anmutenden Rückansichten der Altstadthäuser und ihrer Innenhöfe.

Hausgedanken

archeSeit den 2000-er Jahren beschäftigt sich Rainer Devens in seinem Werkzyklus „Hausgedanken“ in zunehmend abstrakteren Gemälden mit dem Verhältnis von Haus und Mensch. Die Bilder thematisieren die vielschichtigen Bedeutungen des Hauses für den Menschen als erster und letzter Ort, als Heim und Käfig, als Rückzugsort und Bühne. Sie beschreiben das Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft, wie es sich in der Architektur abbildet. Dem Maler boten sich dafür in der Mehrzahl der Gemälde die zahlreichen Abstufungen der warmen Farbe Rot. Sie wirken wie Infrarotaufnahmen, die in das Innerste der Häuser blicken.

In der Dauerausstellung des Museums gehen sie eine neue Beziehung zum Museum und dessen Gebäude ein und sollen so neue Denkanstöße vermitteln. Einige Werke wurden neu für ihre Position in der Ausstellung vom Künstler geschaffen.

 

Entstehung der Werke und Malweise

achatzblickAusgehend von Landschafts- und Stadtansichten entdeckte Rainer Devens vor über 30 Jahren das Sujet Haus. Während erste Werke vor allem Stadtansichten zeigen, wandte er sich zunehmend der Darstellung einzelner Häuser zu, die er frei von Staffage und aus ihrer Umgebung herausgehoben darstellt. Ausgangspunkt seiner Arbeit sind dabei einfache, in situ gefertigte Bleistiftskizzen, die die charakteristischen Linien einer Ansicht fixieren. Diese werden mit handschriftlichen Notizen versehen, die die Farben bezeichnen. Die Werke entstehen anschließend im Atelier. Gelegentlich erwachsen aus einer Skizze mehrere Gemälde in unterschiedlichen Ausführungen.

Die Bilder entsprießen einem Prozess, bei dem Farbschicht auf Farbschicht gesetzt wird, bis sich das gewünschte Ergebnis einstellt. Dabei geraten Linien und Flächen in Bewegung. Rainer Devens führt die Mehrzahl seiner Werke in Acryl aus, wobei die Pigmente je nach Anmischung als Lasur gleichsam eines Aquarells oder pastos aufgetragen werden. Bis in die 1990er Jahre diente ihm vorwiegend Papier als Malgrund, nach 2000 entstanden seine Werke vornehmlich auf Leinwand.

Rainer Devens

In Rainer Devens ist 1938 in Breslau geboren. 1945 führte die Flucht seine Familie mit ihm nach Bachmehring bei Wasserburg. Von Kindheit an malte und zeichnete Devens. „Als Kind hat man mich mit Papier und Bleistift ruhig gestellt“ sagte der Künstler in einem Interview.

Neben seinem Brotberuf bildet er sich zeit seines Lebens autodidaktisch als Künstler. Ausgehend von Landschafts- und Stadtansichten widmet er sich seit den 1980-er Jahren verstärkt dem Sujet Haus. Darüber hinaus beschäftigen ihn die Portraitmalerei und besonders die Darstellung von Musik im Bild. Mit seinen Werken „Resonanz“ und „Im Forst da wachsen die Häuser“ beteiligt sich Devens an den Skulpturenwegen in Wasserburg und im Ebersberger Forst.

Rainer Devens ist seit 1982 Mitglied des AK 68 und war zwischen 1989 und 2001 im Vorstand der Künstlervereinigung. Seit 1983 gab es von ihm Einzelausstellungen und jurierte Ausstellungsbeteiligungen in Wasserburg, München (Haus der Kunst), Rosenheim, Traunstein sowie in zahlreichen Orten in der Region. Seit dem Jahr 2000 sind Bücher mit seinen Bildern veröffentlicht worden.

Programm

An drei Sonntagen führt der Künstler persönlich durch die Ausstellung. Weitere Führungen für Gruppen können jederzeit telefonisch gebucht werden. Für Schulklassen eröffnet ein museumspädagogisches Programm Möglichkeiten selbst kreativ zu werden. LehrerInnen können am 26.10.2016 um 14.30 Uhr an einer Fortbildung zur Ausstellung teilzunehmen. Mehr zum Programm unter: www.museum.wasserburg.de

Info

Durchs Haus – Künstlerführung mit Rainer Devens

am Sonntag, den 30.10./13.11./4.12.2016 jeweils um 14.30 Uhr

LehrerInnenfortbildung am Mittwoch 26.10.2016 um 14.30 Uhr

Für Schulen (ab der 3. Klasse):„Haus am See“ und „Haus im Porträt“

zur kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema Haus

 

 

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