Preiswürdig die Heimat erforscht

Heimatkundlicher Wettbewerb: Wasserburger geehrt

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Heimatkundlicher Wettbewerb 2013_kWasserburg/Eiselfing – Zum 20. Mal hat der Landkreis Rosenheim in diesem zu Ende gehenden Schuljahr den Heimatkundlichen Wettbewerb ausgeschrieben. Landrat Josef Neiderhell ehrte die Preisträger in den Kategorien „Kollegstufe Gymnasien und Berufliche Oberschulen“ sowie „Förderzentren, Grund- und Mittelschulen“. Die Laudationes hielt der Vorsitzende der Jury, der ehemalige Wasserburger Schulleiter Dr. Otto Helwig. Unter den Preisträgern  sind Schulen aus Wasserburg und Eiselfing.

Zunächst gab es von Landrat Neiderhell großes Lob: Zu sehen, wie geforscht, nachgedacht, Schlüsse gezogen und die Inhalte aufbereitet werden, das mache ihm eine große Freude. Nei-derhell lobte, dass von allen Schularten Arbeiten zum Thema Heimat eingereicht wurden. Er kündigte an, dass der Wettbewerb in Zukunft breiter ausgeschrieben wird, um eine größere Themenbreite zu ermöglichen.

Den ersten Preis in der Kategorie „Kollegstufe Gymnasien und Berufliche Oberschulen“ erhielt Lilia Thalhammer von der Beruflichen Oberschule Rosenheim für ihre Seminararbeit zur Geschichte des früheren Rosenheimer Kinos Capitol. Rosenheim, so recherchierte es die junge Autorin, galt Anfang der 1950er Jahre als kinofreudigste Stadt in Westdeutschland. Während es den Westdeutschen im Durchschnitt 18 Mal pro Jahr in die Lichtspielhäuser zog, schaute sich der Rosenheimer durchschnittlich 25 Filme jährlich an. Im Zuge dieser Kinoeuphorie wurde 1956 das Capitol eröffnet. Nach mehreren Eigentümerwechseln übernahm es 1967 die Familie von Herder, die es bis zur Schließung weiter betrieb. Mit dem Siegeszug der Fernsehgeräte begann das Kinosterben in der Innstadt und nachdem im Dezember 2000 das Multiplex-Kino „Citydome“ eröffnet hatte, bleib dem Capitol nicht Mal mehr ein halbes Jahr. Am 11. April 2001 endete ein Stück Kinogeschichte. Lilia Thalhammer beleuchte in ihrer Seminararbeit auch die Versuche einer Nachfolgenutzung. Letztendlich rückten aber im März 2012 die Bagger an.

Den zweiten Preis vergab die Jury an Sarah Fütterer vom Gymnasium Bruckmühl. Sie beschäftigte sich in ihrer Seminararbeit mit einer geografischen Besonderheit, an der sie selbst auf-wuchs: Dem Mangfallknie bei Grub im Bereich der Gemeinden Valley und Feldkirchen-Westerham. Der Fluss windet sich an dieser Stelle um einen Hügel und ändert seine Fließrichtung um 180 Grad. Aufgrund von Fakten, aber auch von Indizien kommt die Schülerin zu dem Schluss, dass es im Bereich des Mangfallknies seit der Bronzezeit eine Besiedelung gegeben haben könnte. Sichere Spuren gibt es dagegen aus der Zeit als das heutige Südbayern Teil des römischen Reiches war. Mehrere Gräber, die 1905 bei einem Erdrutsch zum Vorschein kamen, können in die Merowingerzeit, also die Zeit nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches datiert werden. In ihrer Seminararbeit beleuchtete Sarah Fütterer die so genannte Vor- und Frühgeschichte, also jene Zeiträume aus denen es keine oder kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt. Die einzig zuverlässigen Quellen sind die Erkenntnisse der Archäologie.

Den Biber und sein oft schwieriges Verhältnis zum Menschen hat Carlotta Jung, ebenfalls vom Gymnasium Bruckmühl, näher betrachtet. Sie stellte in ihrer Seminararbeit fest, dass seine positiven Einflüsse auf das Ökosystem oft übersehen werden, stattdessen für viele die Jagd die einzige Antwort auf Konflikte ist. Carlotta Jung beschrieb die Ausrottung des Bibers und seine Wiederansiedelung. In der Region ist der Biber fast überall heimisch geworden, lediglich die Mangfall ist nur dünn besiedelt. Sie geht davon aus, dass sich die Populationskurve abflachen wird, weil die meisten Reviere bereits besetzt sind.

Eine Anerkennung von der Jury gab es für Lena Baumüller von der Beruflichen Oberschule Ro-senheim. Das Thema ihrer Seminararbeit war die konduktive Förderung nach Andras Petö, auf-gezeigt am Beispiel behinderter Kinder und Jugendlicher im Raum Rosenheim. Lena Baumüller bezieht klar Stellung, für sie ist die „Petö-Methode“ eine sehr gute Möglichkeit Kinder mit Behinderungen zu fördern. Sie hofft, dass die Idee einer inklusiven Schule nicht nur ein Traum bleibt, sondern eines Tages ein selbstverständlicher Bestandteil des deutschen Schulsystems darstellt.

In der Kategorie „Förderzentren sowie Grund- und Mittelschulen“ freute sich die Abschlussklasse des Sonderpädagogischen Förderzentrums Wasserburg über den ersten Preis. Die Jugendlichen hatten sich intensiv mit ihrer Heimatzeitung, der Wasserburger Zeitung, auseinandergesetzt und ihre Erkenntnisse in einer Ausstellung veröffentlicht.

Je mit einem zweiten Preis wurden die Klasse 6b der Hohenau-Mittelschule Neubeuern und die Klasse 10M der Mittelschule Eiselfing ausgezeichnet. Die 10M hatte einen heimatkundlichen Kalender erstellt und dazu Sagen bzw. sagenhafte Geschichten aus dem Heimatraum der Schüler zusammengetragen. Der Kalender wurde mit einer Auflage von 150 Exemplaren gedruckt und war innerhalb weniger Tage ausverkauft.

Die unmittelbare Heimat nahm sich auch die Klasse 6b vor. Sie entwickelten Tischdecken mit historischen Motiven, damit sich die Urlauber beim Essen und Trinken über die Neu- und Alten-beurer Geschichte informieren können. In der Vorbereitung zu diesem Projekt wanderten die Kinder auf den Spuren der Inn-Schifffahrt, besuchten Schloss Neubeuern, die Burg Althaus oder das Schiffleut-Museum in Neubeuern und beschäftigten sich mit Persönlichkeiten wie den Burgherren Jan von Wendelstadt oder Hugo von Hofmannsthal.

Insgesamt waren 16 Arbeiten eingereicht und von der Jury gelesen und bewertet worden. Der Jury gehörten die Schulleiterin Marlene Ramm, Helga Wichmann vom Staatlichen Schulamt Rosenheim, der ehemalige Schulleiter Dr. Otto Helwig sowie die Kreisheimatpfleger Karl Aß, Ferdinand Steffan, Michael Stratbücker und Knut Lothar Stolte an. Der erste Preis ist dotiert mit 500 Euro, für den zweiten Preis gibt es 250 Euro und für den dritten 150 Euro. Die Anerkennung belohnt der Landkreis mit 100 Euro.

 

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