Oper für alle – mit großer Nähe zum Publikum

Jubiläum auf Schloss Amerang - Ein Interview mit dem Regisseur Ingo Kolonerics

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operIn Kürze beginnt das 50-jährige Konzerte-Jubiläum auf Schloss Amerang – und dazu der Auftakt zu vier Opern-Eigeninszenierungen! Am 3. Juli hat „Rigoletto“ von Verdi Premiere – mit dem höchsten Bühnenbild im Umkreis von 500 Kilometern. Wir sprachen mit dem Regisseur Ingo Kolonerics (unser Foto). In Salzburg ist er als Intendant erfolgreich mit dem „Oper im Berg-Festival“, auf Schloss Amerang findet der Opernsänger (Bass) und Regisseur nun ein ganz anderes Ambiente …

… als in den Kavernen 1595 im Salzburger Mönchsberg vor: Ingo Kolonerics inszeniert zum 50-jährigen Konzerte-Jubiläum auf Schloss Amerang erstmals vier Opern und bringt dazu die Gewinner seines Gesangswettbewerbs „Grandi Voci“ mit.

Schlossherr Ortholf von Crailsheim verspricht „Oper für alle – mit großer Nähe zum Publikum“. Wir fragten den Regisseur zu seinen werktreuen Inszenierungen von „Rigoletto“ und „La Traviata“ von Verdi, „Die Zauberflöte“ von Mozart und „Tosca“ von Puccini.

Das Publikum auf Schloss Amerang darf sich auf klassisch-inszenierte Opern freuen. Heißt das, Sie halten sich als Regisseur komplett zurück? Oder wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Ich halte mich an die Vorlagen des Autors und des Komponisten. Manche Stellen, die vielleicht durch typische Opernklischees (z. B. das Singen von schon Halbtoten) Schmunzeln auslösen, versuche ich mit der einen oder anderen Lösung glaubhaft zu gestalten. Modern oder alt ist nicht die Frage, sondern sinnvoll oder nicht sinnvoll, oder um Otto Schenk zu zitieren: „es ist einfach falsch“.  Mein Stil heißt Freiheit für die Bühnenpersönlichkeit und Respekt für die Werkschöpfer. Das Wort Regie kommt von regieren, es sollte aber besser „servire“ (dienen) heißen.

Ein Regisseur ist ein Umsetzer. Wieland Wagner meinte, er könne nicht eine Inszenierung von Tristan machen für drei so unterschiedliche Sängerinnen wie Mödl, Varnay und Nielssen. Das ist auch mein Credo. Der Sänger färbt die Rolle. Er gibt mir mit seiner Persönlichkeit eine Richtung. Das Publikum kommt nicht wegen der Regie, sondern wegen der Künstlerpersönlichkeiten, der Musik, der Stimmen. Natürlich wird das durch ein stimmiges Konzept, wie wir es in Amerang haben, unterstützt, aber ohne aufdringlich zu sein, ohne der Star sein zu müssen.

Die Musik und die Sänger sollen im Mittelpunkt stehen, nicht das Regie-Konzept. Was sollte der ideale Zuschauer für Sie an Vorkenntnissen mitbringen?

Es wäre sinnvoll, sich die Geschichte einmal vorher durchzulesen und die Handlung jedes Aktes ungefähr zu kennen; dann kann man auch auf Untertitel-Installationen verzichten, die mehr ablenken als helfen. Aber wenn man die Handlung ohne Vorkenntnis verstehen kann, dann bei uns.

Der Renaissance-Arkadenhof und vor allem die Bühne von Schloss Amerang sind relativ klein. Auch bei Ihrem eigenen „Oper im Berg“-Festival in Salzburg sind Sie keine großen Dimensionen gewöhnt. Sehen Sie das inzwischen als Vorteil?

Es ermöglicht eine andere Spielweise. Weg vom Guckkastentheater, hin zu einer Darstellung, die sich in den Zuschauerraum öffnet. Die Arkaden werden bespielt, es gibt Auftritte, Abgänge und Szenen im Publikumsbereich. Das Publikum wird zum stillen Beteiligten. Gänsehautfeeling. Das funktioniert NUR im kleineren Rahmen bzw. wenn es die Gebäudestruktur und die Akustik es erlauben.

Die erste Oper zum 50-jährigen Jubiläum auf Schloss Amerang wird „Rigoletto“ von Verdi sein. Was ist für Sie das Besondere an dieser Oper rund um das Schicksal des Hofnarrn Rigoletto?

Heute spricht man von einer „fit und fun“-Gesellschaft, Voyeurismus ist gesellschaftsfähig geworden, Tragödien werden verkauft. Hinter dieser oberflächlichen Welt, hat jeder seine „Hütte“ wie Rigoletto, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Es braucht keine modernen Kostüme, um das zu verdeutlichen. Wenn man will, dass der Zuschauer hinsieht, ist es besser, man lässt ihn finden anstatt ihn zu blenden. Abgesehen davon ist es ein Meisterwerk der Operngeschichte mit unzähligen Ohrwürmern (wie „La Donna è mobile“).

Die zweite Oper ist Mozarts unverwüstliche „Zauberflöte“, in der Sie als Sarastro selbst sehr oft auf der Bühne standen. Erleichtert es die Regie, wenn man selbst dort auf der anderen Seite mitgewirkt hat?

Wesentlich, aber nicht für den Sarastro (Scherz)! Was mir aber besondere Freude bereitet, in Amerang Regie zu machen, ist die Kooperation mit Hendrik Müller als Bühnenbildner, der diese wirklich fantastisch umsetzt. Das ist eine neue Dimension in Amerang. Ein 12 (!!!) Meter hohes Bühnenbild gibt es im Umkreis von 500 Kilometern nicht. Das Schloss öffnet die Nordwand in eine neue Perspektive, in eine neue Welt, die aber doch noch darin wurzelt. Hier verbindet man neue Ideen mit Tradition! Die Zuschauer werden überrascht sein!

Die  dritte Oper ist „La Traviata“ von Verdi. Im Gegensatz zu „Rigoletto“ spielt hier eine Frau die Hauptrolle, die todkranke Edelprostituiere Violetta. Was fasziniert Sie an ihrem Schicksal?

Verdis Damen waren immer stark, haben sich immer geopfert (Gilda, Aida usw.), auch Violetta nimmt ihr Schicksal an, selbst als ihr Giorgio Germont das einzige nimmt, was ihre letzten Tage lebenswert macht, akzeptiert sie dies. Viele Bilder des 3. Aktes schwanken jedoch zwischen Wunschdenken und Realität. Das werden wir zeigen.

Die vierte Oper ist „Tosca“ von Puccini, eine der beliebtesten Belcanto-Opern, die zudem als die Primadonnen-Oper schlechthin gilt. Haben Sie eine „Primadonna“ für diese Rolle?

Wir haben sogar zwei: Meredith Hoffmann-Thomson hat den Grandi Voci Wettbewerb 2014 gewonne, und Elena Kononenko hat schon mehrmals
am Bolshoi Theater in Moskau gesungen. Beide sind Idealbesetzungen und ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit mit ihnen. Diese Rolle erfordert schon ein gewisses Temperament, eine Persönlichkeit, man kann sie nicht nur singen. Aber auch die anderen Sänger – Patricio Cueto/ Isik Belen als Scarpia – sind Kaliber. Der Tenor Paolo Lardizzone als Cavaradossi ist ein Stimmwunder und in bester Traditionsfolge von Corelli, del Monaco & Co!

Opern-Termine: „Die Renaissance der Schönen Künste“

Freitag, 3. und Samstag, 4. Juli: Rigoletto von Verdi

Donnerstag, 9. Juli: Die Zauberflöte von Mozart, Inklusionsveranstaltung

Sonntag, 19./Freitag, 24. Juli: La Traviata von Verdi

Sonntag, 2./Sonntag, 9. August: Tosca von Puccini

Vorverkauf

Die Karten von zwölf bis 59 Euro gibt es nur online oder über das Schloss-Büro, Schloss 1, 83123 Amerang, Mo.-Fr. 9-12 Uhr, Tel. 08075/91 92 99, Fax 08075/91 92 33, konzerte@schlossamerang.de, www.schlossamerang.de

 

 

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