Musik war sein Leben!

Zum Tode des ehemaligen Stadtkapellmeisters Heinz Radzischewski

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Er war wohl eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Wasserburg. Und wahrscheinlich gibt es kaum jemand, der oder die nicht irgendwann die Musik von Heinz Radzischewski gehört und genossen hat. Egal ob auf der Bühne der Badria-Halle oder auf dem Podium eines Tanzsaales oder im Bierzelt.

Am 15. April 1928 in Birnbaum in der Provinz Posen geboren, trat Heinz Radzischewski 1942 in das Internat der Musikhochschule Litzmannstadt ein. Ausgebildet wurde er dort neben der Musiktheorie an den Instrumenten Klavier, Geige und Oboe. Nach dem Krieg übersiedelte er 1948 nach Bayern und musizierte zunächst als Oboist beim damaligen Südbayerischen Sinfonieorchester in Rosenheim. 1949 wurde er zudem Mitglied einer Tanzkapelle und wirkte mit der Geige und der Oboe bei kirchlichen Anlässen und anderen Konzertveranstaltungen mit.

Beim Sinfonieorchester lernte er den späteren Wasserburger Stadtkapellmeister Otto Hofmann und den Wiedergründungsvorstand der Wasserburger Stadtkapelle, Heinrich Stamm, kennen. Beide waren von seiner hohen Musikalität sehr angetan und überredeten ihn zu einem Wechsel in die Innstadt. Beim Postamt in Wasserburg erhielt er einen Arbeitsplatz. Bei einem ersten Auftritt einer Blasmusik in Wasserburg, einem Standkonzert auf dem Marienplatz im Oktober 1952, wirkte Heinz Radzischewski noch mit der Oboe mit. Ohne jeglichen Unterricht hatte er sich zwischenzeitlich im Selbststudium das Spiel mit der Trompete beigebracht. Bei der Wiedergründung Stadtkapelle Wasserburg war er dann 1953 Gründungsmitglied und von Anfang an gleich erster Trompeter. Ein Jahr später heiratete er seine Ehefrau Margret und die Familie komplettierten im Laufe der Zeit Sohn Heinz und Tochter Heidi.

Der „Ratschi-Heinz“, eine Abkürzung seines Namens, der seine Karriere nun begleitete, war schnell als technisch überaus sicher und klanglich hervorragend musizierender Trompeter bekannt. Mit dem Wechsel in der musikalischen Leitung der Stadtkapelle von Otto Hofmann zu Hans Hübner übernahm er zusätzliche die Aufgabe eines stellvertretenden Dirigenten. In dieser Funktion trat er bei einem Gastbesuch der Stadtkapelle in  Gächlingen in der Schweiz 1961 erstmals auf. Somit war er auch der logische Nachfolger von Hans Hübner 1971, als dieser aus persönlichen und aus Altersgründen als Stadtkapellmeister zurück trat.

Als die Stadtkapelle 1978 ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Konzert in der ausverkauften Badria-Halle feierte, wurde Heinz Radzischewski von Bürgermeister Dr. Martin Geiger offiziell zum Stadtkapellmeister ernannt. Bis 1991 leitete er die Wasserburger Stadtkapelle und eilte mit seinem Blasorchester landauf und landab von Erfolg zu Erfolg. Als Trompetenlehrer war er wesentlich am weiteren Aufbau der Jugendkapelle mit der eigenen Bläserschule beteiligt. Auf vielen Musikfeldern war die Stadtkapelle mit ihm als Dirigenten mittlerweile zu Hause. Von der ursprünglichen Blechmusikbesetzung bis hin zur orchestralen Blasmusik spannte sich nun das Betätigungsfeld. Für seine großen Verdienste und seine vorbildliche Mitarbeit im Bereich der Laien- und Volksmusik erhielt er 1988 den Ehrenbrief und die goldene Ehrennadel der Bundesvereinigung Deutscher Blas- und Volksmusikverbände. Der Blasmusikbezirk Inn-Chiemgau überreichte ihm 1992 ebenfalls die goldene Ehrennadel für sein Wirken als Dirigent und Musiker.

Besonders gerne war Heinz Radzischewski auch mit der Tanz- und Unterhaltungsmusik unterwegs. Es gibt wohl kaum einen Tanzsaal in der Region, in dem er mit seiner eigene Tanzkapelle „Caramba“ nicht irgendwann aufgespielt hat. Als Leiter der Inntaler Musikanten bestritt er ab 1975 über viele Jahrzehnte Auftritte mit bayerischer Kultur und Lebensfreude in Fernost. Besonders Malaysia hatte es ihm dabei angetan. Neben der Musik machte dem ehemaligen Postbeamten eben auch das Reisen viel Spaß. Wichtig war ihm dabei immer der Kontakt zu Leuten, die ihm zuhörten. Und wenn er von den Bühnen ins Publikum winkte war es nicht nur irgendeine Geste, sondern ehrlich gemeinte Freude.

Die Familie war ihm mit ihrer tiefen Zuneigung immer eine Kraftquelle für seine musikalischen Unternehmungen. Mit Stolz beobachtete er, was aus seinen Kindern und den Enkelkindern geworden ist. Und in all den Jahren war ihm seine Margret als vertraute Begleiterin eine große Unterstützung.

Mit seiner Musik und seiner Trompete hat er vielen Menschen Freude bereitet und glückliche Augenblicke geschaffen. Nun ist er verstorben. Man wird diese Augenblicke mit diesem Menschen Heinz Radzischewski vermissen. Seine Trompete wird für immer stumm bleiben. BUA

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