Museum Wasserburg wieder offen

Zwei neue Gemälde: Portraits, stellvertretend für das Familienleben vergangener Zeiten

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Das Museum Wasserburg ist nach kurzer Winterpause wieder in die neue Saison gestartet. Die Zeit im Januar wurde genutzt, um kleine Ausbesserungsarbeiten an den Wänden und an den Objektsockeln im Dachgeschoss auszuführen und die Beleuchtung etwas zu verbessern. Zudem werden zwei neue Gemälde gezeigt – Portraits, stellvertretend für das Familienleben vergangener Zeiten …

Bereits im Spätsommer vergangenen Jahres konnten zwei Portraits der Wasserburger Eheleute Elisabetha (1809-1861) und Christoph Mayerhofer (1821-1851) in restauriertem Zustand erworben werden. Sie befanden sich zuvor im Privatbesitz einer anverwandten Familie. Die Gemälde könnten anlässlich der Hochzeit im November 1848 angefertigt worden. Elisabetha hatte in erster Ehe in die Brauer- und Wirtefamilie Gassner eingeheiratet, Christoph war Hutmacher.

Elisabetha blickt ein wenig traurig und angstvoll aus ihren blaugrauen Augen – während ihr Mund ein wenig lächelt. Eine Sorgenfalte hat zwischen ihren Augenbrauen eingegraben. Ihr braunes Haar ist sorgfältig in der Mitte gescheitelt und seitlich zu einer runden Locke geschlungen. Sie trägt eine goldene Riegelhaube, die am Rand mit zwei Riegelhaubennadeln im Haar befestigt ist. Im Ohr ist ein goldener Ohrhänger mit roten Steinen zu sehen. Um den Hals liegt eine Kropfkette mit einem filigranen, goldenen Anhänger, die durch ein rosafarbenes Tuch gerahmt wird, das mit einer Schmucknadel zusammengehalten wird. Der Mode der Zeit entsprechend ist sie in ein schwarzes Biedermeierkleid mit einem Kragen aus filigraner Spitze gekleidet.

Elisabetha Roß kam am 1. Oktober 1809 als Tochter der Wirtsleute von Kirchreit zur Welt. 1830 heiratete sie Joseph Gassner aus Wasserburg, dem kurz zuvor die familieneigene Brauerei übertragen worden war. Durch die Zahlung einer Mitgift von 3.000 Gulden sowie der Einbringung von Hausrat wie Bierkrügen, Servietten und drei Betten nebst Bezügen im Wert von 300 Gulden wurde sie gleichberechtigte Miteigentümerin an der Brauerei.

Darüber hinaus hatte ihr Vater 1.000 Gulden an den Bruder des Bräutigams zu zahlen, damit dieser sich anderweitig niederlassen konnte. Aus der Ehe mit Joseph Gassner gingen sechs Kinder hervor, von denen vier starben. Der älteste Sohn Joseph galt seit seiner Gesellenzeit in Wien als verschollen. Es blieb ihr nur Thaddäus. Als ihr erster Mann im Dezember 1847 starb, bekam sie zwar mit Georg Gassner, Brauereibesitzer am Kloster Au, einen Vormund, ließ sich aber den alleinigen Besitz der Brauerei bestätigen.

Ein knappes Jahr darauf heiratete sie den Hutmacher Christoph Mayerhofer.

Zum Portait ganz oben: Christoph Mayerhofers blaue Augen scheinen am Betrachter vorbei zu blicken. Seine dichten, goldbraunen Haare sind ordentlich in Wellen gelegt, der Schnauzer säuberlich gekämmt, im Ohr trägt er einen filigranen, goldenen Ohrring und eine locker gebunden Krawatte um den Hals. Man sieht ihm seine Jugend noch an. Er wurde am 5. Dezember 1821 in Wasserburg geboren. Seine Mutter war in erster Ehe mit dem Hutmacher Joseph Moser senior verheiratet. In zweiter Ehe heiratete sie den Hutmacher Sebastian Mayerhofer.

Christoph Mayerhofer betrieb für einige Jahre ein Hutmachergeschäft. Im November 1848 heiratet er im Alter von knapp 27 Jahren die 39 Jahre alte Witwe Elisabetha. Aus der Ehe ging 1850 die gemeinsame Tochter Hortensia hervor. Im Dezember 1851 verstarb Christoph nach kurzer schwerer Krankheit.

Seine Schwester Maria Mayerhofer heiratet 1854 Bartholomäus Turneretscher, einen Hutmacher aus Tirol, der seit 1834 Mitglied der Hutmacherzunft in Wasserburg war. Einen Monat später übernahm dieser das Hutgeschäft der Mayerhofers und führte es unter seinem Namen fort.

Elisabetha führte die Brauerei weiter. Den Hutmachern blieb sie verbunden. Jährlich richtete der Gassnerbräu am Rosenmontag die Versammlung der Hutmacher, Tuchmacher und Tuchscherer aus. In den 1850er Jahren geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten. Um die Zwangsversteigerung der Brauerei im März 1856 abwenden zu können, griff ein Verwandter finanziell ein.

Ab April 1856 wurden Anton Heitmayer und Georg Gassner als Inhaber der Brauerei im Gewerberegister geführt, die Gaststätte war an das Ehepaar Danninger verpachtet. Im August 1861 starb Elisabetha. Die Brauerei ging daraufhin im September an Thaddäus Gassner, ihren Sohn, über. Wie sein Vater begab er sich alsbald auf Brautschau und heiratete die 16-jährige Maria Dorfner. Doch diese starb nach wenigen Wochen Ehe.

Bisher haben sich Bernd Joa und Irmingard Dietz bei der Erforschung beider Familien verdient gemacht.

Im Jahr 2017 wartet das Museum Wasserburg wieder mit einem vollen Programm auf.

Vom 8. März bis 25. Juni zeigt das Museum eine Sonderausstellung vom Leben in alter Zeit, in der es den religiösen und magischen Strategien der Menschen zur Bewältigung eines gefahrvollen und harten Alltags nachspürt.

Im August präsentieren die Juroren der Großen Kunstausstellung ihre Werke und im Herbst werden die Bilder des Evenhausener Males Lois Huber zu sehen sein bevor vom Advent bis zum Dreikönigstag die Kulturgeschichte des Weihnachtsgebäcks erzählt wird.

Museumspädagogische Angebote, Führungen und Veranstaltungen wie der Internationale Museumstag am 31. Mai und der Tag des offenen Denkmals am 10. September laden auch in diesem Jahr ein, das Haus zu besuchen.

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