Männer knapp am Stockerl vorbei

Leichtathletik-Cup: Wasserburg mit Großvereinen aus ganz Bayern am Start

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Unser schönstes Bild zum heutigen Sonntag: Jung und Alt im Sport als Team vereint! Das Beispiel Leichtathletik in Wasserburg: Mit Leichtathletik verbindet man ja eigentlich eher eine Individualsportart, in der jeder für sich kämpft, siegt oder verliert. Da das den Leichtathleten auf Dauer einfach zu langweilig wurde, ist der Bayern-Cup entwickelt worden, der jetzt im schönen Stadion des TSV Erding ausgerichtet wurde. Hierbei handelt es sich um einen reinen Mannschaftswettkampf. Der TSV 1880 Wasserburg trat dieses Jahr gleich mit vier Mannschaften an. Dabei schrammten die ‚bunt gemischten‘ Herren (unser Foto) nur knapp am Stockerl der Leichtathleten aus ganz Bayern vorbei …

Die Wertung erfolgt dann nach dem Punktesystem. Bei beispielsweise zehn antretenden Mannschaften erhält der Gewinner der jeweiligen Disziplin zehn Punkte, der zweite neun, der letzte einen. Nach allen Wettbewerben gewinnt die Mannschaft mit den meisten Punkten.

Die U16-Mannschaft weiblich

Die zierliche, stille Victoria Wimmer lässt gar nicht vermuten, dass hinter einer ruhigen Fassade ordentlich Wumms steckt. Victoria warf den Diskus auf fast 20 (19,68m) und den Speer auf 17,71m – und das, zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison. Besonders Wurf-Trainer Willy freute sich über die Leistung seines jungen, talentierten Schützlings.

Im Weitsprung trat für die Mädels aus der Trainingsgruppe von Marinus Zimmer Klara Huber an. Sie nutzte wieder einmal ihre Schnelligkeit und Sprungkraft, um zwischen Absprung und Landung im Sand 4,32m zurückzulegen. Die nächste Sprungdisziplin absolvierte Anja Eggerl. Für die Turnerin war der Hochsprung eine Leichtigkeit und so sprang sie mühelos über 1,28m.

Auf Abwegen war Ramona Forstner in Erding. Eigentlich Stabhochspringerin absolvierte sie die 800m und lernte dabei auch mal andere Plätze des Stadions auf ihren zwei Runden kennen. Nach einem kurzen Asthma-Anfall hatte sie jedoch immer noch nicht genug vom Laufen und kniete sich als Startläuferin der 4x100m Staffel in den Startblock.

Ramona, Daniela Geiger, die vormittags noch Hürden gelaufen war, Victoria und Anja absolvierten auch die letzte Disziplin und brachten den Staffelstab in 55,44s sicher über die Zielline. Bei 13 Mannschaften in der wJU16 schaffte es das Wasserburger Quintett auf einen zufriedenstellenden 11. Platz. Gewonnen hat hier das Team der LG Stadtwerke München.

Die jungen Herren der Schöpfung waren natürlich auch dabei.
Einen guten dritten Platz belegte Kilian Drisga im Kugelstoßen. Er wuchtete die 4kg schwere Eisenkugel auf 11,33m. Kurz danach zeigte Lukas Neugebauer mit einem Wurf auf fast 30m im Diskus seine Qualitäten und eroberte/erwarf für das Team einen wichtigen vierten Platz. Die Leistungen der beiden Freunde, beide natürlich in der Hand von Willy Atzenberger, unterstreichen die Qualitäten des Wasserburger Wurfs.

Die Disziplin, die normalerweise immer zwangsbesetzt werden muss, spielt bei den 14/15 jährigen Jungs keine Rolle. Einer will die zwei Stadionrunden freiwillig! laufen. Lukas Falk ging hier nämlich in seiner Paradediziplin an den Start und absolvierte die zwei Stadionrunden (inklusive eines fulminanten Endspurts) in 2:15,41min. Sprint/Sprung Talent Malcom Dannhauer zeigte wieder einmal, warum er das Sprint/Sprung Talent ist.

Als einer der jüngeren Starter im 80m Hürdenlauf sowie im Weitsprung überlief er die Hindernisse mit Leichtigkeit in 13,24s und sprang sagenhafte 4,83m weit. Eigene Einschätzung (O-Ton): „Ääh jaa, es war ganz gut.“ Daniel Schwab und Jonas Lambacher komplettierten das mJU16 Team. Daniel überquerte im Hochsprung die Latte bei einer Höhe von 1,40m. Jonas – ganz in den Fußstapfen des Vaters- ging locker an den Wettkampf ran, und legte die 100m Distanz in 12,92s zurück.

Die abschließende 4x100m Staffel liefen Jonas, Kilian, Malcom und Daniel in guten 49,48s.
Am Ende reichten die guten Mannschaftsleistungen für einen 7. von zehn Plätzen. Auch hier gewann der Großverein aus München.

Bei den „Großen“ ging der TSV mit jeweils einer Frauen- und einer Männermannschaft an den Start.

Ihren Spitznamen „Hannelore Hüpf“ hat sich Johanna Windmaier wirklich verdient. Mit einem Satz auf 5,74m gewann sie für die Mannschaft den Weitsprung. Als professionelle Hürdensprinterin und Kaderathletin stand es natürlich nahe, dass sie die Mannschaft auch in ihrer Paradedisziplin, dem 100m Hürdenlauf, vertrat – mit einem sehr guten dritten Platz ins Ziel gekommen, hat sie hier für ihre Mitstreiterinnen viele wertvolle Punkte geholt.

Die wohl unbeliebteste Disziplin hatte Isabel Röttger zu absolvieren. Zur Zeit trainiert sie studienbedingt in Erlangen beim Sprintteam der LG Erlangen. So war es klar, dass sie über die Sprintstrecken antritt. Nachdem sie zuvor 100m gelaufen ist, ging sie hochmotiviert an den Start für die ganze Stadionrunde, die sie in 61,89s absolvierte. Als Mehrkämpferin durfte natürlich eine Disziplin, Kugelstoß, nicht fehlen.

Mehrkampfkollegin Alisa Böhm flog im Hochsprung über 1,63m, die dritthöchste Höhe, die im Frauenwettkampf gesprungen wurde.

Die 1500m bei den Frauen verhalten sich wie die 800m bei der Jugend. Keiner will es machen. Keiner? Nein Daniela Weichselgartner „wollte“ über die Dreidreiviertel antreten, tat es und kam nach flotten 5:36,80min an.

Eine Bayern-Cup Tradition für Lisi Höcketstaller ist der Diskuswurf. Sie schleuderte die 1kg schwere Scheibe auf 31,49m. Die Staffel rannte das Frauen Quartett, Andrea Gablik, Alisa, Laura Neugebauer und Amelie Schwaninger in 52,99s, was summa summarum für einen 6. Platz reichte. Gewonnen hat hier das LAC Quelle Fürth.

 

Die kurioseste Mannschaft hatten die Männer. Zusammengestellt aus U20 Athleten und Oldies, zum Teil traten sogar Trainer an.

Einen wahrhaftig weiten Sprung hat Zehnkämpfer Manuel Riemer gezeigt. Er flog 6,85m weit und gewann damit den Männerweitsprung. Nachdem Willi Atzenberger seine jungen Schützlinge gecoacht hat, gute Leistungen gesehen hat, ist er in Zugzwang gekommen. Er hätte es nicht ertragen können, dass „de kloanan“ weiter werfen als er. Lange Rede kurzer Sinn: er katapultierte den 800g Speer auf 53,11m, den 2kg Diskus auf 39,26m. In beiden Disziplinen kam er auf den dritten Platz.

Um den Wurf zu komplettieren, ging Robert Dippl an den Start. Der letztjährige Deutsche Hallenvizemeister stieß die 7,26kg (für uns) schwere/(für ihn) leichte Kugel auf 17,44m, was ihm den zweiten Platz einbrachte. Maximilian Kurzbuch, eigentlich Stabhochspringer, benötigt vermutlich bald keinen Stab mehr. Stolz war Papa Walter als er seinen Sohn über 1,90m hüpfen sah. Aber auch über die unmenschlich hohen (ca. 1,06m) Männerhürden lief Max mit einer Leichtigkeit, die man sich nur wünschen kann.

Seine Bestleistung um gleich 3 zehntel steigern konnte Nils Focke über 100m. In einer Sprintdemonstartion vom feinsten in einem Rennen mit einer Siegerzeit von 10,95s (Lucien Aubry, LG Erlangen) rannte bzw. flog Nils die 100m in 11,61s.

Die zweite Sprintstrecke über die ganze Stadionrunde nahm Jonathan Neuhoff in Angriff. In 54,76s erreichte er, wie Nils den sechsten Platz. Hervorzuheben im 400m Lauf der Männer ist die fabelhafte Leistung von Benedikt Wiesend (LG SWM) von 48,32s. Gleich zwei Ausdauerdisziplinen gibt es bei den Männern, nämlich die 800m und 5000m.

Nachdem Trainer Michael Grabl ausgefallen ist, musste, der leider von einer Zerrung geplagte, Max Huber an den Start über die 800m. In einem taktischen Rennen lief der trainierte Stabhochspringer 2:22,11min. Über die 5000m musste Matthias Grasberger ran. Vor kurzem noch einen Marathon in Salzburg gelaufen lief er die 12,5 Runden in 18:14,42min.

Die von Verletzungen und Lernstress geplagten Burschen mussten jedoch noch eine 4x100m Staffel zusammenstellen. Drei Kandidaten waren schnell gefunden, der Schlussläufer musste jedoch noch auserkoren werden. Da waren Franz Hofer, am Wochenende noch einen 10-Kampf absolviert, Johannes Geiger, der den Winter verletzt war und Marinus Zimmer, der jedoch auch mit leichten Wehwehchen zu kämpfen hat. Blieb am Ende nur noch Grasi, der die Zielgerade gleich in sein Aufwärmprogramm für die 5000 mit einbaute. Zusammen mit Nils, Jonathan und Max Kurzbuch brachte er den Staffelstab nach schnellen 46,68s ins Ziel.

Im Ergebnis haben die Männer das Stockerl nur um 2,5 Punkte hinter Fürth, Herzogenaurach und dem Sieger, den LG Stadtwerke München verpasst.

Die Wasserburger Leistungen sind insgesamt als sehr gut einzuschätzen, insbesondere im Hinblick auf die Konkurrenz aus den Großvereinen aus München, Regensburg und Fürth, die allein durch ihre Größe und die Vielzahl an Trainingsmöglichkeiten einen immensen Vorteil haben.

cp

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