„Mache mir Sorgen um den AK68″

Stefan Scherer nimmt Stellung zu seiner Kündigung als Kurator

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„Wer gegen Kritik in der Kunst vorgeht, der geht auch gegen die Kunst an sich vor.“ Stefan Scherer, langjähriger Kurator des AK68 und einer der anerkanntesten Künstler Wasserburgs, nimmt jetzt Stellung zu seinem Aus bei der renommierten Künstlergemeinschaft. Man habe ihm gekündigt, weil er sich kritisch zu einer Ausstellung eines anderen Kurators des AK68 geäußert habe. Scherer: „Gerade ein Kunstverein darf aber auf keinen Fall diskussionsfeindlich sein.“ Zudem entbehre seine Kündigung ohnehin jeglicher rechtlichen Grundlage.

Es kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Mitten in der Vorbereitungsphase zur diesjährigen großen Kunstausstellung schickte die neue Vorstandschaft den langjährigen, erfolgreichen Kurator in die Wüste (wir berichteten). Was Scherer besonders ärgert: Bei einer Sitzung des AK68-Vorstands mit einer eigentlich unspektakulären Tagesordnung sei seine Person plötzlich im Mittelpunkt gestanden, „ohne, dass ich dazu speziell geladen oder darüber informiert worden wäre“. „Das war sechs Wochen, nachdem ich in meinem Blog Fritz Armbruster kritisiert hatte. Den Antrag zu meiner Kündigung stellte der neue Vorsitzende Dominic Hausmann.“

Letzterer habe zu der Sitzung alle seine Unterstützer geladen, „damit er auf jeden Fall eine Mehrheit hat“. Scherer: „In der Vorstandschaft alleine hätte er diese nicht zusammengebracht. Deshalb mussten Beisitzer herhalten.“ Dies sei höchst undemokratisch, gar „ein Angriff auf die Grundbausteine von Kunst-Vereinen. Ich empfinde das als eine feindliche Übernahme. Seit dem Amtsantritt von Hausmann geht es nicht mehr um Kunst, sondern um einen Mitmachverein. Das hat mit einer Neuausrichtung nichts zu tun.“

Auch Hausmanns Vorgänger als AK68-Vorsitzender, Dr. Markus Brezina, seines Zeichens Rechtsanwalt, habe in einem Schreiben klargestellt, dass die Kündigung weder inhaltlich noch formell begründet und damit auch nicht rechtswirksam sei. Was übrigens auch der Zweite Vorsitzende, Wolfgang Janeczka, so sah – er nahm seinen Hut.

Scherer hält die Ämterverschmelzung von Vorstand und Kurator, wie sie jetzt unter Hausmann stattfindet, für eine „gefährliche Verbindung“. „Kurator und Vorsitzender in Personalunion ist eine Machtfülle, die noch nie noch gut gegangen ist.“ Der AK68 habe von einer klaren Trennung von Vorstand, Kurator, Administration und Kunst gelebt.  „Dadurch hatten wir ein Maximum an Transparenz und waren für die Stadt Wasserburg immer ein verlässlicher und starker Verhandlungspartner. Damit ist jetzt leider Schluss.“

Der Schritt hin zu mehr Ehrenamtlichkeit, wie Hausmann ihn jetzt gerade praktiziere, sei fatal. „Man darf die Ehrenamtlichen nicht überstrapazieren. Ehrenamt ist eine sehr dankenswerte, freiwillige Verpflichtung und abhängig vom nicht immer möglichen Engagement der Einzelnen.“

Wie es jetzt weitergeht, steht in den Sternen. Scherer jedenfalls hat einen Vertrag mit dem AK68 zur laufenden Kunstausstellung, den beide Seiten im Januar unterzeichneten. HC

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