Krebse in oberbayerischen Seen?

Informativer Aktionstag zum Thema Fischerei im Bauernhausmuseum

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Da trauten viele Besucher ihren Augen nicht: Ein echter Krebs tummelt sich da im Aquarium vor dem Häuslmannhof im Bauernhausmuseum Amerang! So was gibt es in den oberbayerischen Seen? „Früher gab es die Edelkrebse im Chiemsee“, klärt der Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern, Dr. Ulrich Wunner (unser Foto), auf. „Dann wurden amerikanische Krebse importiert und schleppten Krankheiten ein. Jetzt wollen wir die Tiere wieder in heimische Gewässer bringen. Derzeit haben wir sie vor allem in Baggerseen.“

Es war nicht das einzige Aha-Erlebnis an einem informativen Aktionstag zum Thema Fischerei im Bauernhausmuseum des Bezirks Oberbayern. Die Fischereifachberatung stellte sich vor, und dazu wurde auch eine kleine, aber feine Fotoausstellung über die Fischer an den oberbayerischen Seen eröffnet.

„Das Angeln und die Fachberatung für Fischerei haben eine lange Tradition“, sagte Bezirkstagsvizepräsident Michael Asam. „Sie ist geprägt von der engen Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur. Bereits 1908 bestellten die Kreise, aus denen später die Bezirke hervorgingen, Kreiswanderlehrer für Fischerei, um das alte Handwerk der Fischerei zu pflegen und zu fördern. “

Die Fischereifachberatung und die Freilichtmuseen des Bezirks Oberbayern – das passt zusammen, betonte die Direktorin der Freilichtmuseen Glentleiten und Amerang Dr. Monika Kania-Schütz.

„In beiden Einrichtungen geht es um Kultur und Natur, um die Abhängigkeit des Menschen von natürlichen Ressourcen einerseits und die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt andererseits.“ Zudem sei es die Aufgabe der Freilichtmuseen, die Geschichte des Arbeitens und des Lebensunterhaltes in historischen Zeiten zu erforschen. „Deshalb passen die Bilder der der Seenfischer auch so gut in unsere Museen.“

Die Fischereifachberatung des Bezirks ist heute nicht nur Ansprechpartner für die rund 35.000 Angler und 300 Teichwirte in Oberbayern, sondern auch für die Berufsfischer und staatliche Behörden, wenn es etwa um FFH-Gebiete oder um Wasserrechtsverfahren geht. Das erklärte der Fischereifachberater Ulrich Wunner.

Seine Arbeit besteht nicht nur aus Beratung, sondern auch aus Projekten zum Fischartenschutz. Die Fischerei fasziniert Wunner seit über 30 Jahren. Gemeinsam mit seinem Bruder Johannes erstellte er deswegen eine Dokumentation, um die Spezies der Berufsfischer im Bild festzuhalten. Von 1998 bis 2000 war der Fotograf Johannes Wunner auf den oberbayerischen Seen zwischen dem Staffelsee und dem Königssee unterwegs. Er begleitete die Fischer bei der Arbeit, und herausgekommen sind eindrucksvolle Porträts und Fotos vom Arbeitsalltag der Fischer. „Sie sind immer noch von der Natur abhängig“, sagte Ulrich Wunner. „Wenn der Chiemsee keine Fische hergibt, dann kann der Fischer nicht mehr von seinem Beruf leben.“

Über das Leben als Berufsfischer berichtete Thomas Lex. „Der Chiemsee ist der einzige See mit Vollerwerbsfischer. Es gibt immer noch 16 Berufsfischer. Das wissen nur wenige.“ Viel hat sich geändert in seiner Arbeit. „Das fängt bei den Netzen an. Früher arbeiteten wir vom Ufer aus mit Netzen aus Hanf oder Baumwolle. Heute fischen wir mit Stellnetzen mit einer Fadenstärke von 0,12 Millimetern.“

Entscheidend ist hier die Maschenweite. Sie darf nicht zu eng sein, weil kleine Fische nicht ins Netz gehen dürfen. „Hier folgen wir den Empfehlungen der Fischereifachberater. Das klappt sehr gut.“ Seit über 17 Jahren gibt es einen sehr guten Renkenbestand im Chiemsee – das Ergebnis intensiver Arbeit der Berufsfischer, die 2016 rund 100 Millionen Renken einsetzten. Die Fischerei Lex ist ein Familienbetrieb – und soll es auch bleiben. Thomas Lex ist vorsichtig optimistisch. „Ich hoffe, dass es uns in unserer technisierten Welt auch in Zukunft geben wird.“

Wer die Fotoausstellung sehen will: sie ist im Häuslmannhof des Bauernhausmuseums Amerang. Alles über Öffnungszeiten, Eintritt und Programm findet man im Internet unter www.bhm-amerang.de.

 

Unser Foto zeigt von links Thomas Lex (Chiemseefischer), Dr. Ulrich Wunner (Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern), Dr. Claudia Richartz (örtl. Museumsleitung BHM Amerang), Dr. Monika Kania-Schütz (Museumsdirektorin Freilichtmuseen Glentleiten und Amerang), Bezirkstagsvizepräsident Michael Asam, Johnnes Wunner (Fotograf)

Fotos: Bauernhausmuseum Amerang

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