„Können uns keine Erzieherin backen“

Diskussion im Stadtrat über Personalmangel beim Altstadt-Kindergarten

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img_5577Ein Einwurf von Edith Stürmlinger (Bürgerforum) am Ende der jüngsten Stadtratssitzung hatte es in sich. Die Rätin bemängelte, dass sie von verschiedenen Seiten wegen des Personalmangels im Altstadt-Kindergarten angesprochen worden sei. „Die Situation ist derzeit offenbar sehr schwierig. Die Stelle einer Erzieherin konnte nicht nachbesetzt werden. Eine andere wurde auch noch krank. Es droht die Schließung einer Gruppe“, so Stürmlinger, auf deren Ausführungen der geschäftsführende Beamte der Stadt, Thomas Rothmeier, konterte: „Wir können uns keine Erzieherin backen.“ Der Stellenmarkt sei …

… wie leergefegt, so Rothmaier. „Wir haben schon jede Menge Inserate platziert. Bisher ohne Ergebnis.“

Die Besetzung von Kindergartenstellen sei nicht so einfach. Dabei müssten zahlreiche Auflagen und Vorschriften beachtet werden. „Die Personalangelegenheiten im Kindergarten sind unglaublich zeitaufwendig. Man könnte dafür schon fast eine Dreiviertel-Kraft einstellen. Manchmal kommt es mir obendrein vor, als müssten nicht nur die Kinder im Kindergarten betreut werden, sondern vor allem auch die Eltern.“

Wenig Verständnis zeigte auch Bürgermeister Michael Kölbl für die Diskussion um den Personalmangel: „Solche Fragen und Probleme sollten doch zunächst einmal intern geregelt werden.“ Es könne nicht sein, dass Personalangelegenheiten in der Öffentlichkeit diskutiert würden.

Rückenwind bekamen Rothmaier und Kölbl von Elisabeth Fischer (CSU), der Kindergarten-Referentin: „Mich wundert das schon, dass diese Sorgen nicht an mich herangetragen, sondern jetzt in einer öffentlichen Sitzung besprochen werden.“

Sie kenne den Personalmangel in den Kindergärten, der übrigens nicht in Wasserburg hausgemacht sei. „Da wurden schon vor Jahren politisch die Weichen falsch gestellt.“ Fischer versprach, sie werde sich der Sache mit dem Altstadt-Kindergarten annehmen.

 

 

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18 Gedanken zu „„Können uns keine Erzieherin backen“

  1. Tja, dann muss man vielleicht doch einfach mal mehr zahlen und nicht immer alles Spitz auf Knopf besetzen – sonst wird sich das Problem verschlimmern.

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    1. Matthias Wabner

      So geht’s nicht, meine Damen und Herren!

      Wenn sich eine Reihe von Eltern hilfesuchend an den Bürgermeister und an die Verwaltung wenden, weil vor Ort – im Kindergarten – ein nachweislicher Personalmangel nicht gelöst wird, dann ist das ein legitimer und vor allem auch notwendiger Schritt. Vor diesem Hintergrund halte ich die Kommentare, wie sie wohl im Stadtrat gefallen sind, für völlig daneben, meine Damen und Herren! Es ist Ihre Aufgabe, die Verwaltung erforderlichenfalls bei der Ausführung ihrer Aufgaben zu kontrollieren und ggf. Maßnahmen zu ergreifen. Tun Sie das!

      (…)

      Zurück zur Sache: Personalmangel herrscht aktuell in vielen Bereichen der Erziehung und Bildung, nicht nur in Kindergärten. Wenn man etwas von seinem Personal-/Geschäft versteht, weiß man, dass man dem nur durch Kreativität, vorausschauende Personalplanung und v.a. durch Schaffung attraktiver Arbeitsplätze begegnen kann. Platte Sprüche, Wegducken und Gegenangriffe nach dem Motto „hätten die mal“ oder „da sind wir nicht zuständig“ helfen in der Sache überhaupt nicht weiter. Vertrauensbildend und -wiederherstellend ist so etwas nicht, im Gegenteil es offenbart Hilflosigkeit und wahrscheinlich auch Inkompetenz und unterstreicht nochmals ganz deutlich die Legitimation der Anliegen der engagierten Eltern!

      Ich bin enttäuscht von diesem „Krisenmanagement“ und dieser Art der Kommunikation, muss ich sagen.

      (Kommentar von der Redaktion gekürzt)

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  2. Ja…..gehts noch ?

    Darf man wirklich wichtige Dinge wie Personalmangel im Kindergarten….der ja eklatant zu sein scheint, nicht zum Thema machen?

    Sind Diskussionen über passende und unpassende Häuserfarben, Anzahl der Mülltonnen … von größerem Interesse?

    Vielen Dank an Edith Stuermlinger, dass sie den Mut dazu hatte, befremdlich für mich die übersteigerte Reaktion der angesprochenen Verantwortlichen darauf!

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    1. Liebe Tini, da gebe ich Dir völlig recht. (…) Dass in diesem Kindergarten schon seit langem entsprechend qualifiziertes Personal fehlt, ist ja nichts Neues. Ich finde es wichtig, dass die Bevölkerung, und vor allem die Kindergarteneltern, auf diesen Mißstand hinweisen. Man darf gespannt sein, ob es Frau Fischer gelingen wird, diese Situation zu entschärfen. Ich frage mich nur, wie es dann private Kindergärten schaffen, ausreichend gut qualifiziertes Personal zu organisieren? Es scheint fast so, dass die nötigen Gelder in die falschen Töpfe fließen. Dabei gebe ich nur eines zu bedenken: Kinder sind unsere Zukunft. Hier sollte auf keinen Fall an der falschen Stelle gespart werden.

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  3. (…) Erschreckend, dass die „Kindergartenreferentin“ sich “wundert“, dass diese Sorge nicht an sie herangetragen wurde. Wie kann dieses Thema so an einem vorbeigehen??

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  4. Ich bin ganz eurer Meinung! Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen haben eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Nämlich auf unsere Schätze aufpassen und ihnen viele wichtige Sachen beibringen! Dafür bekommen Sie viel zu wenig Gehalt!

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  5. Bastian Wernthaler

    Offensichtlich hat Edith Stürmlinger ihren Finger tief in eine städtische Wunde gelegt. Anders jedenfalls sind die Reaktionen der Verantwortlichen nicht zu erklären. Der geschäftsführende Beamte Herr Rothmaier wird sich wohl schwer tun, zu erläutern, welche Verantwortung die Eltern an der zu knappen Personaldecke tragen. Vollkommen zu Recht weist die Stadt auf den fast leergefegten Stellenmarkt hin. Warum allerdings in dieser Kenntnis offenbar nur befristete Stellen angeboten werden, wird nicht klar. Ein Verweis auf die finanzielle Machbarkeit dürfte angesichts der Wichtigkeit der Aufgabe, des künftigen Bedarfs und der Finanzlage Wasserburgs abwegig sein. So kann man Edith Stürmlinger, die sich wenig Freunde gemacht haben dürfte (auch wenn hinter vorgehaltener Hand durchaus auch von Stadtratsmitgliedern Zustimmung gemurmelt wird), nur größten Respekt zollen. Es muss Aufgabe einer Vertreterin der Stadtbevölkerung sein, in wirklich wichtigen Fragen die Sache über den (generell natürlich zu begrüßenden) fraktionsübergreifenden Frieden im Stadtrat zu stellen. Hier wird sich dann auch der Bürgermeister einer notwendigen öffentlichen Diskussion stellen müssen. Frau Fischer bleibt eine glückliche Hand zu wünschen, wenn sie die Probleme jetzt löst. Dann wird Edith Stürmlinger sicher gerne applaudieren, statt ihre Finger in Wunden zu legen.

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  6. Wer ein ordentliches Gehalt zahlt bekommt auch gute Erzieherinnen!

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    1. Und wer als öffentliche Hand an den TVöD gebunden ist, darf nur das zahlen, was der TVöD vorsieht. Das macht es für Städte und Gemeinden im Wettrennen um gutes Personal nicht leichter. Private Einrichtungen dürfen übertariflich zahlen.

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      1. Zum Thema Gehalt: Die Linke Liste Wasserburg hat schon im Mai im Stadtrat für bessere Bezahlung geworben und zwar in der Form dass sich die Stadt Wasserburg dafür einsetzt, dass bei den Tarifverhandlungen eine bessere Eingruppierung und Bezahlung der Mitarbeiter_innen im Sozial- und Erziehungsdienst erreicht wird. Der Bayerische Landtag hatte schon einstimmig beschlossen, sich für eine bessere Bezahlung für die Erzieherinnen und Erzieher einzusetzen. Auch als Kommune kann man Druck machen.

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        1. sehr gut

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      2. Schmarn,freier Markt, er darf nur nicht unter dem verhandelten Tarif zahlen, ob er jemanden beispielsweise von Beginn an höher eingruppiert, ortsspezifische Zulagen estellt etc. sollte doch wohl machbar sein.

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  7. In Unkenntnis jeglicher juristischer Feinheiten….Frage an Innleiten: Sind im TvoeD – Arbeitsvertrag keinerlei Nebenabreden moeglich wie z.B. verguenstigter Wohnraum, Umzugskostenuebernahme, Fahrkostenzuschuss oder was auch immer?

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  8. Josef Esterman

    Unglaublich mit welcher Arroganz einige Stadträte versuchen ein derart wichtiges Thema abzuschmettern. Das ganze Jahr über Anzahl, Farbe, Gewicht von Mülltonnen diskutieren und bei so einem Thema ist man dann nicht zuständig? Einige scheinen wohl dann doch zu lange in ihren Sesseln zu sitzen, wird Zeit dass man ein frischer, junger Wind in den ehrwürdigen Hallen weht.
    Und an die anscheinend Zuständige Dame von det CSU, denken Sie mal drüber nach warum die Sache nicht an sie heran getragen wird, vielleicht weil die Leute kein Vertrauen darin haben dass Sie sich für ihre Belange einsetzten?

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  9. Danke Frau Stürmlinger, dass mal etwas an die Öffentlichkeit kommt, dass sonst nur hinter verschlossenen Türen besprochen wird, definitiv aber keine Veränderung bzw. ein Umdenken bringt. Vor vielen Jahren forderte Frau Stürmlinger in einer Stadtratssitzung schon einmal die Anstellung von Zusatzkräften, dafür wurde sie leider nur belächelt und musste manche dumme Bemerkung einstecken, passiert ist nichts. Vielleicht wäre mit dem Einsatz dieser Kräfte der Ausfall in diesem Kindergarten etwas kompensiert worden. So wird also weiter gewurschtelt, pädagogische Arbeit kann so nicht mehr stattfinden, da das Personal wahrscheinlich nur die Kinder beaufsichtigen kann, dass nichts passiert.
    Ich wünsche dem Personal des Altstadtkindergartens alles Gute, denn die Kritik die aufgekommen ist, hätte verhindert werden können – dafür hätte seitens der Stadt früher reagiert werden müssen und die Verantwortlichen im Stadtrat auch einmal das Gespräch in den städtischen Einrichtungen suchen können!

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  10. Nach dem ich jetzt die Berichte gelessen habe kann ich dem Theater nur ein Schmunzeln erübrigen.
    Hier können sich die Eltern so richtig aufregen, aber vieleicht haben sich die selben auch mal gefragt warum es so wenige Erziehrinnen gibt. Ach nein geben tut es genügend aber in dem Beruf wollen diese nicht mehr arbeiten und warum?
    Mit sicherheit wegen der bescheidenen Bezahlung. Warum werden diese so schlecht bezahlt? Zum einen wegen den schlechten Tarifen zum anderen weil die lieben Eltern aber auch nichts bezahlen wollen, am besten um sonst, dieses bitte nicht zu vergessen. Mit sicherheit ein weiterer Grund ist die Verantwortung die Damen und Herren übernehmen aber keine unterstützung des Arbeitgebers oder gar der Eltern bekommen. Von den schlechten Arbeitszeiten ganz abzusehen. Nicht zu vergessen die Ausbildung die Sage und schreibe 5 Jahre dauert und dann für einen Hungerlohn arbeiten sollen und immer einen Fuß im Gefängnis haben.
    Und sich jetzt hier über Politiker aufregen die immer nur an Ihre eigene Sicherheit denken ist ein Witz. (…) Und sorry liebe Eltern ihr habt Ihn selbst gewählt. Ich weiß, damit habe ich mir keine Freunde gemacht, das ist mir aber auch egal, weil ich weis das die meisten die Wahrheit nicht hören wollen.

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  11. Niklas Gumpert

    Ich bin männlicher Pädagoge in der Kinder-und Jugendhilfe, die im übrigen nicht rosiger aussieht.

    Das Hauptproblem sind unqualifiziertes Personal und dass durch mangelnde Seriösität und miserable Bezahlung der Erziehungsbereich nicht mehr bzw. nie attraktiv war.

    Die selbstlose Eigenleistungen vieler Kollegen verschwinden in den utopischen Anforderungen und schlechten Konzepten. Das Kind und das spielerische Lernen fallen aus dem Fokus, die Erwartung einer Wunderförderung sind nicht erfüllbar unter diesen personellen Umständen.
    Es fehlt an Geldern, die lieber in Kriegstreiberei und Reformen investiert werden, anstatt den Beruf grundlegend zu verändern und perspektivisch attraktiver zu gestalten.
    Man sitzt den demographischen Wandel aus!
    Jugendämter rücken endlich in den Fokus der Medien, dennoch sind die Missstände, insbesondere in Berlin und Hamburg unfassbar. Es passieren mittlerweile mehr Gefährdungsmomente durch Behörden und mangelnde Kontrollinstanzen (Landesjugendamt), als in Familien oder Einrichtungen.
    Und Final wird das ganze durch Brandstiftung versucht zu vertuschen.

    Armes Deutschland!

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    1. Denjenigen, denen wir unsere Kinder und Enkel anvertrauen zahlen wir weniger,
      als diejenigen erhalten, die unser Geld verwalten. Sonderbare Gesellschaft.

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