„Können Entscheidung nachvollziehen“

Moritz Hasselt, Leiter des Frühlingsfestes, nimmt Stellung zur Absage in Bamberg

Eines der größten Volksfeste in Bayern, die Sandkerwa in Bamberg, wurde heuer vom Veranstalter abgesagt. Der ehrenamtliche Bürgerverein sieht sich nach 67 Jahren erstmals nicht in der Lage, das Fest durchzuführen. Der Grund: Wegen der aktuellen Sicherheitslage und der finanziellen Risiken sei der Aufwand für die Ehrenamtlichen nicht mehr tragbar. Terrorgefahr und immer höhere finanzielle Risiken – diese Mehrbelastung  trifft nicht nur auf Veranstaltungen in großen Städten wie Bamberg zu. Wir sprachen zu diesem Thema mit Moritz Hasselt, dem Leiter des Festausschusses vom Wasserburger Frühlingsfest. 

„Ganz ehrlich, die Motivation leidet natürlich schon unter immer höheren Auflagen und Voraussetzungen, die wir erfüllen müssen.“ Der WFV habe vor Jahrzehnten das Frühlingsfest übertragen bekommen, um damit Geld für weitere Veranstaltungen zu generieren. „Über die Jahre hat sich das so entwickelt, dass wir mit dem Frühlingsfest gerade noch unsere anderen Aufgaben wie den musikalischen Samstag und den stark defizitären Christkindlmarkt bewältigen können. Es bleibt am Ende des Jahres kaum noch ein Cent über. Das frustriert schon ein wenig, weil wir einfach nichts mehr in neue Projekte oder ins Stadtmarketing investieren können.“

Hasselt weiter: „Obwohl die erste Erschließung des Festplatzes am Badria von uns finanziert wurde, zahlen wir eine nicht unerhebliche Pacht an die Stadt. Dazu kommen die Handwerker und Dienstleister, die wir alle Jahre bezahlen müssen – vom Elektriker bis zur Security. Ab heuer brauchen wir auch noch eine Rettungswache, die natürlich wieder Geld kostet. Das alles können wir nicht auf den Festwirt oder den Bierpreis umlegen. Da ist ohnehin alles sehr dünn kalkuliert. Wenn wir ehrlich sind, ist die ganze Veranstaltung bisher für die Festzeltbetreiber, der hohe Investitionen getätigt hat, eher eine Image-Veranstaltung als ein rentables Geschäft. Alle Zahlen werden übrigens bei unserer Jahreshauptversammlung veröffentlicht. Wir sind ein eingetragener Verein und müssen alles offenlegen.“

Der Vorsitzende des WFV stellt klar: „Wir sind ein Grüppchen von Enthusiasten, die einfach Freude daran haben, solche Großveranstaltungen zu organisieren. Wir freuen uns auf Menschen, die friedlich und freundlich miteinander feiern – ob beim Frühlingsfest oder beim Christkindlmarkt. Die Lust am Organisieren ist aber begrenzt, wenn man ständig Knüppel zwischen die Beine bekommt.“

Er, so Hasselt, verstehe die Veranstalter in Bamberg absolut. „Wer in Zeiten wachsender Terrorgefahr und steigender finanzieller Risiken keine oder zu wenig Rückendeckung bekommt, wird es sich genau überlegen, seine Arbeitskraft weiterhin freiwillig für Großprojekte zur Verfügung zu stellen. Trotzdem beruhigt der Vorsitzende: „Unser Festausschuss in Wasserburg ist nach wie vor hochmotiviert. Wir freuen uns schon auf viele Besucher und aufs gemeinsame Feiern beim Frühlingsfest, das am 2. Juni startet.“ RED

 

 

 

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12 Gedanken zu „„Können Entscheidung nachvollziehen“

  1. Wasserburger

    Schade, dass die Stadt den WFV nicht besser unterstützt.
    Alleine die Tatsache, dass die Stadt „eine nicht unerhebliche Pacht“ für die Kiesfläche am Frühlingsfestplatz verlangt, spricht für sich…

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    1. Was genau soll an einer schwammigen Formulierung wie „nicht unerhebliche Pacht“ eine „Tatsache“ darstellen? Bevor man sich hier ein Urteil bildet, sollte man erst einmal genau wissen, wie hoch diese „nicht unerhebliche Pacht“ genau ist und mit welchen Leistungen die Stadt den WFV genau übers Jahr unterstützt (finanzielle Zuwendungen ebenso wie z.B. Bauhofleistungen bei Veranstaltungen). Diese sollte man dann mal mit den Zu- und Aufwendungen für andere Interessensverbände bzw. größtenteils ehrenamtlich agierenden Vereinen (dem Bund Naturschutz, AWO, Rio Konkret, Pro Bahn, dem AK68 oder dem Fremdenverkehrsverein beispielsweise) vergleichen. Ohne die Zahlen selbst zu kennen, würde ich einfach mal raten, dass sich dann ein anderes Bild ergäbe. Nur weil jetzt ein WFV-Vertreter rumjammert, ohne Zahlen zu nennen, kennt man eben noch lange nicht genügend Fakten, um sich ein Urteil zu erlauben. Beim Frühlingsfest handelt es sich eben in erster Linie um eine kommerzielle Veranstaltung, die Gewinn abwirft – schließlich schreibt auch Herr Hasselt davon, dass mit dem Frühlingsfest andere Veranstaltungen finanziert werden. Insofern ist die Stadt durchs Kommunalrecht vermutlich sogar dazu verpflichtet, eine Pacht zu verlangen.

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      1. zum Kommentar Innleitn: mit solch unqualifizierten Äußerungen verdirbt man Freiwilligen das ehrenamtliche Engagement! Der WFV, im übrigen alles Mitglieder, die in ihrem Beruf oder Geschäft voll ausgelastet sind, verbringen sehr, sehr viel Zeit mit der Organisation von Frühlingsfest, Christkindlmarkt, musikalischen Sommer und aller Märkte, die übers Jahr in der Stadt Wasserburg stattfinden. Die ehrenamtlichen Mitglieder organisieren diese Veranstaltungen nicht nur aus Jux und Tollerei. Von diesen Veranstaltungen partizipiert auch die Wasserburger Wirtschaft;
        Ich empfehle INNLEITN die Jahreshauptversammlung des WFV im Oktober oder November zu besuchen und gut zuzuhören, statt einen Artikel querzulesen und eine wichtige und arbeitsintensive Institution der Stadt Wasserburg mit böswilliger Häme zu überziehen.
        Ich bin kein Mitglied des WFV, aber ich habe großen Respekt vor diesem Vorstand!!

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        1. Anscheinend haben Sie meinen Kommentar nur quergelesen oder wie kommen sie zu der Behauptung, ich würde die Arbeit des WFV mit „böswilliger Häme überziehen“?
          Auch die weiteren von mir genannten Organisationen arbeiten größtenteils ehrenamtlich, auch deren Akteure sind beruflich meistens doch recht eingespannt. Fakt ist, dass aus dem Artikel – egal ob man ihn nun quer, kreuzweise oder spiralenförmig liest – nicht hervorgeht, wie hoch die „nicht unerhebliche Pacht“ denn genau ist und man sich daher kaum nur anhand dieser Aussage ein Urteil darüber erlauben kann, ob der WFV von der Stadt genügend gefördert wird. Nur eine Vermutung von mir (die aber auch klar als solche geäußert wurde) ist, dass der WFV im Vergleich zu anderen ehrenamtlichen Organisationen sicher nicht zu kurz kommt.
          Schwer vorstellbar, dass sie nun rein gar nichts mit dem WFV zu tun hätten, wenn Sie alleine schon auf den Hinweis, dass es in WS auch noch andere ehrenamtliche Vereine und Gruppierungen gibt und dass das Frühlingsfest eine kommerzielle Veranstaltung mit Gewinnabsicht ist, gleich so abgehen.

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          1. Sie haben die Bergwacht, Feuerwehr, Wasserburger Tafel, Kinderschutzbund, Wasserwacht, Fischereiverein, TSV und viele andere und ehrenamtliche Institutionen vergessen. Alle haben eigene Zielsetzungen und Ansprüche, sind auf Spenden, Fördergelder und ehrenamtlich arbeitende Mitglieder angewiesen. Ich bin selber seit 30 Jahren ehrenamtlich tätig; mit geleisteter Arbeit, Spenden, Vereinsbeiträge oder als Förderin. Das nur nebenbei. Ehrenamt ist für mich eine gesellschaftliche Notwendigkeit und sollte nicht an irgendwelchen Fördermitteln festgemacht werden. Und das gilt auch für den guten Job, den der Vorstand des WFV leistet. Und wie gesagt; gehen Sie zur nächsten Jahreshauptversammlung, es werden alle Zahlen offengelegt!!

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          2. @Heidi: das mag ja alles sein, erklärt aber immer noch nicht, wo ich die Arbeit des WFV „mit bösewilliger Häme überzogen“ haben soll.
            Ausgangslage war der pauschale (und wie ich finde anhand einer sehr dünnen Faktenlage getätigte) Vorwurf, die Stadt würde den WFV nicht besser unterstützen. Mir ging es in meinem ersten Betitrag darum, dass es bei der eben sehr großen Anzahl ehrenamtlich tätiger Organisationen der Stadt kaum möglich sein wird, jede einzelne in dem Maß zu bezuschussen, wie man es sich im Einzelfall wohl wünschen würde. Ich habe dabei die Vermutung geäussert, dass der WFV sogar mehr erhält als viele andere ebenfalls ehrenamtlich tätige Vereine. Offensichtlich habe ich damit in Ihren Augen so eine Art Majestätsbeleidigung begangen. Nach kurzem googeln habe ich zum Thema mittlerweile einen Artikel aus dem Hauptausschuss des Stadtrates gefunden, wonach der WFV 15.000 Euro Zuschuss für Werbemaßnahmen erhält. Ich glaube kaum, dass viele förderwürdigen Vereine und Organisationen in Wasserburg Zuwnedungen in diesem Ausmaß erhalten.

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  2. Carola Sommer

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    die finanziellen Argumente in Bamberg sind meiner Ansicht nach nur vorgeschoben. Liest man sich Stellungnahmen in anderen Medien durch, liegt es zum Großteil an den inzwischen zu hohen Sicherheitsauflagen, die von Städten auferlegt werden müssen, um die Sicherheit der Besucht zu gewährleisten.
    In den engen Gassen von Bamberg ist eben leider kein Platz für Betonabsperrungen, die letztendlich, wie Tests erwiesen haben, doch nicht gegen Lastwagen-Anschläge helfen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Carola Sommer

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    1. Da gebe ich dir recht, Carola. Es wird aber ganz offen gesagt, dass die Feste deswegen nicht stattfinden, weil die Sicherheitsauflagen zu aufwändig und zu teuer sind. Es ist doch so lachhaft. Wir machen die Grenzen weit auf für jedermann, ohne zu wissen, wer da kommt. Und dann riegeln wir jedes Fest ab, damit wir uns vor Anschlägen aus den Kreisen der hierher „Geflüchteten“ zu schützen. Das ist absolut schizophren. Die Bundesregierung hat meines Wissens gerade wieder 70 Mio. Euro für die Hungernden im Jemen zur Verfügung gestellt. Unsere „Geflüchteten“ kosten uns momentan noch (und das wird sich mit dem weiteren massenhaften Zuzug potenzieren) 22 Milliarden(!!) Euro pro Jahr(!!). Wie vielen Menschen könnte man damit direkt vor Ort helfen? Wir helfen auf diese Weise gar nicht, sondern verstärken die Probleme der Welt.

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      1. Carola Sommer

        Danke Erna,
        ich hab ja nun auch schon einige Jährchen auf dem Buckel.
        An Polizisten mit Maschinengewehren auf Christkindlmärkten, an Betonpolder um Straßenfeste, eingezäunte Wies’n und/oder abgesagte Feste kann ich mich auch nicht erinnern.
        Mit freundlichen Grüßen
        Carola Sommer

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        1. Nein man kann sich nicht an Polizisten mit Maschinengewähren, Betonpolder und eingezäunte Wies’n erinnern.
          Seit 1981 sind auf der Wies’n in München, sowohl Polizisten ohne und mit MG’s unterwegs. Die Wies’n ist seit dem Zeitpunkt bereits großteils Eingezäunt, seit letzten Jahr komplett. An den Eingängen sind Betonpoler. Und es sind immer wieder überlegungen wegen Absagen.
          Sie solten ihr Gedächnis mal etwas aufrischen.
          Nur zu ihre info, die Attentäter am 26. September 1980 waren Deutsche, kein Asylant, keine Ausländer.

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          1. Carola Sommer

            Hallo Roland,
            ich habe 35 Jahre in München gelebt.
            Ich kann mich nicht an Polizisten auf dem Christkindelmarkt und Viktualienmarkt erinnern.
            Betonpolder auf der Wiesen gab es ganze ZWEI STÜCK am Haupteingang, um Gäste die AUF die Wiesn gehen auf einer Seite und die, die Wiesn verlassen, auf die andere Seite zu leiten. Die waren NICHT zum Schutz vor Lastwägen dort. Und es gab auch keine Polizisten mit Maschinengewehren auf der Wiesn und keine Taschenkontrollen.
            Die Wiesn hatte einen ganz kurzen Zaun zu der Frauenklinik hin, die dort ist , also bei weitem NICHT größtenteils eingezäunt.
            Es ist noch immer nicht geklärt, wer den Anschlag 1980 verübt hat.
            Mit freundlichen Grüßen
            Carola Sommer

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          2. Frau Sommer
            dann haben wir nicht in der gleichen Stadt gelebt.
            Denn ich bin in München geboren und aufgewachsen und kann mich an diese Dinge gut erinnern. Der Attentäter war übrigens Gundolf Köhler, fraglich ist weiterhin nur ob er dieses aus eigenen Antrieb gemacht hat oder ob er zu der Wehrsportgruppe Hoffmann angehört hat oder andere Mittäter. Die Umzäunung ist seit dem Attentat 2/3 des Geländes gewesen. Und für was die Poler da stehen ist doch völlig egal, aber sie stehen dort.
            Und Taschenkontrollen gabe es auch immer wieder auf der Wies’n, die Polizei geht nicht augenscheinlich mit geschulterten MG durch die Wies’n sondern an bestimmten Standpunkten sehr diskret.
            Nein auf dem Viktaulienmarkt geht die Polizei nicht, braucht sie auch nicht das Präsidium ist um die Ecke. Auf dem Chriskindelmarkt habe ich die auch gesehen.
            Wenn ich das so lese gehe ich davon aus das sie meinten sie haben vor 35 Jahren in München gelebt. Ja da war alles noch ganz anders!

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