Kleiner Mann, was nur tun?

Wasserburger Theatertage (2): Der eigene Beitrag vom Veranstalter - Beide im Porträt

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Kleiner Mann – was nun? Dieses Werk von Hans Fallada ist am Mittwoch, 10. Mai – unter der Regie von Uwe Bertram – der eigene Beitrag des Theater Wasserburg bei den Wasserburger Theatertagen! Es spielen: Sveta Belesova, Susan Hecker, Hilmar Henjes und Nik Mayr. Liebe in Zeiten der Krise. Keine leichte Sache. Johannes Pinneberg und Emma Mörschel, genannt Lämmchen, erwarten ein Kind. Das war nicht geplant, aber Lämmchen, die heimliche Heldin, beharrt in merkelscher Manier auf „Wir schaffen das schon.“ 

Also wird geheiratet, eine gemeinsame Wohnung bezogen und ein Wirtschaftsplan erstellt. Nur nicht in die ständig drohende Arbeitslosigkeit rutschen, dann wird es schon irgendwie gehen! Doch leider dreht sich die Abwärtsspirale bereits unaufhaltsam. 

Wie soll man denn da vorankommen? Vor allem, wenn man im Sozialgefüge doch so weit unten angesiedelt ist und so viel Druck hat. Mut, Tatkraft, Widerstand und Auflehnung wären Optionen – Selbstmitleid, Egoismus, Feigheit und Rückzug aber auch.

Anstatt sich gegen die politischen und sozialen Ungerechtigkeiten des Alltags zu wehren, tritt Resignation ein. „Kleiner Mann, was tun“ wäre die korrekte Frage, die sich im Übrigen nicht nur Pinnebergs stellen könnten!

Es sei ein Phänomen unserer Zeit, dass sich nicht nur die deutsche, sondern die gesamte europäische Bevölkerung in Selbstmitleid und privaten Mikrokosmen verbarrikadiert – um ihre nationalistischen und egoistischen Positionen zu pflegen.

Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun?“ ist 1932 erschienen. Allerdings nicht vollständig. Die von der Nazi-Zensur befreite Fassung gibt es erst seit diesem Herbst. Uwe Bertram hat nun aus dieser neuen Vorlage, die also das eigentliche Original ist, eine Inszenierung gemacht.

Regie: Uwe Bertram.

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Das Theater Wasserburg im Porträt – Veranstalter der 13. Theatertage vom 2. bis 11. Mai:

„Das Belacqua ist heute tatsächlich ein Leuchtturm unter den bayerischen Privattheatern.” So beschrieb es Klaus Jörg Schönmetzler, ehemaliger Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, vor knapp zehn Jahren im Jahr 2008 – zum fünfjährigen Bestehen des Hauses unter der Leitung von Uwe Bertram.

Zwischenzeitlich hat das Haus den Kulturpreis des Landkreises Rosenheim erhalten. In der Laudatio wurde deutlich, dass sich die Ehrung vor allem auf die Leistung des Theaterleiters bezieht, der als „Prophet” und auch als „Seele, Motor und Herz” des Theaters bezeichnet wurde. Das „eigentlich Unmögliche” sei ihm mit dem Haus gelungen – in einer Kleinstadt wie Wasserburg am Inn zu einer „der renommiertesten nichtstaatlichen Bühnen Bayerns zu werden”.

Der Regisseur und Schauspieler Uwe Bertram (unser Foto) übernahm 2003 die künstlerische Leitung des ehemaligen BELACQUA. theater wasserburg, das heute Theater Wasserburg heißt.

Er baute es zu einem professionellen Privattheater aus, das sich durch seine laufenden Schauspiel- und Tanzproduktionen im eigenen Haus sowie jährliche Open-Air-Veranstaltungen in der Stadt Wasserburg und an umliegenden Spielorten regional wie überregional einen Namen als ganzjähriger Zwei-Sparten-Betrieb gemacht hat.

Mit „The Black Rider” hat das Theater 2011 erstmals auch das Genre Musiktheater bedient. Die Presse urteilte darüber so: „Nie war Waits-Musik so schön und rhythmisch impulsiv zugleich. … aber auch die räumliche Konzentration bewirkte, dass es ein aufregender, kurzweiliger, inszenatorisch fesselnder und bildsatter Theaterabend wurde: zweifellos eine der stärksten des an starken Produktionen reichen Theaters Belacqua.”

Auf den 30. Bayerischen Theatertagen in Augsburg erhielt diese Produktion einen Jury-Preis. Mittlerweile ist die Sparte „Musiktheater” fester Bestandteil des Hauses.

Neu hinzu kam ab der Spielzeit 15/16 die Sparte „Kinder- und Jugendtheater!“ mit ganzjährigem Programm für Kinder und Jugendliche. Die Leitung hat Frank Piotraschke.
Das Vier-Sparten-Theater geht mit ausgewählten Eigenproduktionen auch auf Gastspiele und nimmt jährlich an den „Bayerischen Theatertagen“, dem größten Theaterfestival Bayerns teil. Selbst hat das Haus jedes Jahr andere bayerische Privattheater zu Gast – zu den „Wasserburger Theatertagen“. Diesmal den 13.! Kooperationen sind ein weiterer Pfeiler des Hauses.

Das Theater leistet selbst Gastbeiträge – wie unter anderem zu den Herrenchiemsee-Festspielen unter der Leitung von Enoch zu Guttenberg im Jahr 2007. Dazu hat Klaus Jörg Schönmetzler in seiner Funktion als Dramaturg des Festivals Folgendes in Erinnerung: „Ich habe bei vergleichbaren Projekten schon berühmte Mimen hochkant aus der Kurve fliegen sehen. Aber das Belacqua-Team? Perfekt! Die Leute waren begeistert, weil sie hörend begriffen, warum Schubert diese irrsinnige Musik dazu komponiert hat. Und das eben nicht durch irgendwelche Inszenierungs-Coups, sondern ausschließlich durch die Kraft der Sprache.”

Ein schönes Kompliment.

Das Theater ist Mitglied im Kulturkreis Wasserburg, im Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. und im Deutschen Bühnenverein.

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