Keine einfachen Aufgaben warten

Emotionaler Abschied und Neubeginn: Jost Fischer führt jetzt die Starbulls an

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StarbullsGuter Dinge und hoffnungsfroh: Die Starbulls gehen in eine neue Zeitrechnung. 15 Jahre standen Wilhelm Graue und Richard Diebald sowie zwölf Jahre lang Karl Aicher an der Spitze des Eishockey-Clubs der Starbulls Rosenheim. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden jetzt Jost Fischer (links) zum ersten, Peter Dürr zum zweiten und Marcus Thaller zum dritten Vorstand gewählt – einstimmig. Mit einer emotionalen Rede eröffnete der scheidende erste Vorstand Wilhelm Graue die Versammlung. Er blickte auf 15 Jahre Vorstandsarbeit zurück …

… mit der Gründung des Vereins am 23. Mai 2000, dem Neubeginn für die erste Mannschaft in der Bezirksliga, die Schwierigkeiten mit den Verbänden und natürlich auch mit dem Aufstieg in die zweite Liga.

Erste Mannschaft essentiell für Nachwuchs

Der Verein sei mit dem Ziel gegründet worden, die Nachwuchsarbeit im Rosenheimer Eishockey nachhaltig zu sichern und Graue richtete sein Plädoyer dahingehend auch an die künftige Entwicklung in der Eisstadionfrage: “Sport ist nicht nur wichtig für das Ansehen, sondern Sport verbindet. Junge Leute brauchen Vorbilder. Das wäre aber ohne eine erste Mannschaft, die so hochklassig wie möglich spielt, nicht möglich

Dann stellten sich die zur Wahl stehenden Vorstände vor, die anschließende Abstimmung verlief harmonisch und zügig. Einstimmig wählten die 167 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder Jost Fischer, Peter Dürr und Marcus Thaller zur neuen Vereinsspitze.

Ein Mix aus allen Bereichen

Die Zusammensetzung des Vorstandes sei ganz bewußt so gewählt worden, erklärte Dürr. “Wir kommen aus der Wirtschaft (Fischer), dem Marketing (Thaller) und aus der Juristerei (Dürr). Die spezielle Aufgabenverteilung müssen wir noch genau absprechen, aber es ist ein freudiges Wahlergebnis und wir freuen uns, mit der Arbeit beginnen zu können.”

Thaller ist mit 25 Jahren der Jüngste in der neuen Führungsriege. “Da sehe ich aber kein Problem. Der Mix macht es aus. Wir gehen in dieselbe Richtung und haben die gleiche Denkweise. Man braucht nicht fünf Leute vom selben Schlag, dann würde sich nichts weiter entwickeln. Und so kann der Verein nach vorne gebracht werden.”

Dazu wurden sechs Schritte definiert. Zunächst soll der neue Vorstand nach innen und nach außen vorgestellt werden. Dann soll der Status Quo analysiert werden, um Erkenntnisse für das weitere Vorgehen zu erlangen. Das Budget für 2015 /2016 will geplant werden und es soll ein transparenter Businessplan erstellt werden. Bestehende Partnerschaften sollen gefestigt und zusätzliche Sponsoren sollen gewonnen werden. Außerdem soll ein Imagekonzept zur Positionierung der Starbulls in der Region München-Salzburg entwickelt werden.

Thaller sagte, man habe in den vergangenen Monaten schon Einiges vorbereitet. “In erster Linie ist es wichtig, den sportlichen Erfolg zu gewährleisten. Der basiert auf dem wirtschaftlichen, dass solide und transparent gewirtschaftet wird. Wir sind auch dabei, neue Sponsoren und Gelder zu generieren, um das Budget für die kommende Saison zu schaffen und damit mit der Kaderplanung beginnen zu können.”

Vermarktung voranbringen

Der neue erste Vorstand Jost Fischer will sich um die sportliche Seite kümmern. “Ich wil versuchen, den gesamten Verein zusammenzuhalten und weiterzubringen. Ohne die solide Arbeit meiner Vorgänger wäre ich jetzt nicht hier. Und jetzt bringen wir neue Ideen, die zum Beispiel das Thema Vermarktung beinhalten. Wir wollen neue und interessante Zuschauer gewinnen. Dazu wollen wir uns breiter aufstellen, zum Beispiel durch Live-Übertragungen der Spiele via Sprade TV oder durch mehr Veranstaltungen vor dem und rund um das Spiel.”

Ein neuer Vorstand ist eine Zäsur. Aber eine schleichende. Denn: “Es ist nicht einfach loszulassen”, sagt Karl Aicher und das Ende der Ära Graue-Diebald-Aicher ist ihm anzumerken. “Ich bin immer noch ein bißchen aufgewühlt. Jetzt wird unsere Arbeit aber sein, den neuen Vorstand zu unterstützen. Wir packen im Hintergrund mit an, damit der neue Vorstand seine Ideen umsetzen kann.”

Unsäglicher DEB-Streit kostete viel Kraft

Der Vorstandsjob hat Aicher viel Kraft gekostet. Sein schönstes Erlebnis war der Ausgang von Spiel sieben gegen Bad Nauheim. Der “unsägliche” Streit mit dem DEB im Sommer 2013 hat aber Spuren hinterlassen. “Aber ich stelle immer wieder fest, wie toll die Rosenheimer Fans sind. Sie haben uns bei einer Sitzung im Eisstadion sowas von unterstützt und uns Kraft gegeben, dass wir das durchstehen konnten. Denn es war ja angedroht worden, dass der gesamte Nachwuchsbereich gesperrt wird, dass wir keine Spielerpässe bekommen – es wurden ja zunächst auch keine ausgestellt. Also das war schon dramatisch. Und wenn wir da nicht die Unterstützung der Fans gehabt hätten, ich wüsste nicht, wie es ausgegangen wäre.”

Ein besonderes Wort wollte Aicher auch noch loswerden: “Ich möchte mich bei meinen Partnern in der Sozietät bedanken. Wenn die mich nicht von der Arbeit freigestellt hätten und mich nicht so unterstützt hätten, wäre es mir von meiner Zeit her nicht möglich gewesen, mich so einzubringen.”

Graues Herz hängt an den Starbulls

Auch Wilhelm Graue war einerseits glücklich, dass ein neuer Vorstand gefunden wurde, andererseites aber ebenfalls etwas wehmütig. “Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich sehr erleichtert, dass wir das Amt gut an gute Leute mit neuen Ideen übergeben haben und die die Sache jetzt voranbringen. Auf der anderen Seite ist es auch mit viel Wehmut verbunden. Mein Herz hängt an den Starbulls und an dem, was wir hier gemacht haben.”

Richard Diebald stand mit einem Lächeln im Medienforum des OVB Medienhauses. “Wir haben viel erreicht, weil wir einen guten Zusammenhalt hatten und als Team gut funktioniert haben.”

Edelfan bleibt Edelfan

Diebald war nicht nur dritter Vorstand, er ist auch Rosenheimer Edelfan. Vor wichtigen Spielen steigt seine Anspannung und die Nervosität ist nicht übersehbar. Und daran wird sich auch nichts ändern. “Auf keinen Fall! Denn wenn du den Eishockeyvirus in dir hast, dann wirst du den nicht verlieren können, der ist unheilbar. Ich verbinde so viel mit den Starbulls, mit meinen Starbulls, das wird sich nie ändern.”

Ein Wort wie eine Vertragsunterschrift

Eine Veränderung gibt es auch für Headcoach Franz Steer. Denn die Zusammenarbeit mit dem alten Vorstand war außergewöhnlich. “Ich bin schon traurig, weil es eine schöne Zeit war. Ich habe mit den drei ein überragendes Vertrauensverhältnis gehabt, da war ein Wort wie eine Vertragsunterschrift. Ich hatte mit sehr ehrlichen und korrekten Menschen zu tun. Das gibt es in der heutigen Gesellschaft nicht mehr so, speziell in der Eishockeywelt.”

Von der neuen Starbullsspitze hat Steer aber ein positives Bild: “Die neuen Vorstände sind sehr offen und sehr ehrlich. Jetzt muss ich abwarten, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt. Ich hoffe, das ist positiv und ich kann mein Ding machen.”

Für den Verein steht auf jeden Fall viel an. Die Saison mit dem bestmöglichen Ergebnis zu Ende zu bringen, ein solides Budget für die kommende Saison aufzustellen und eine schlagkräftige Mannschaft für 2015 / 2016 zu finden. Die DEL2 soll weiter professionalisiert werden und auch die Fanerwartungen an das Spiel und das Event haben sich verändert. Und dann steht ja noch die zukunftsweisendste aller Fragen auf der Agenda: Wie geht es mit dem Rosenheimer Eisstadion weiter?

Keine einfachen Aufgaben. Aber der neue Vorstand stellt sich ihnen gern und das mit vollem Tatendrang.
Unser Foto zeigt die alten und neuen Vorstände vereint (von links) samt kräftigem Händeschütteln: Jost Fischer, Wilhelm Graue, Marcus Thaller, Richard Diebald, Peter Dürr und Karl Aicher.

Foto ls

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