In zwei Wochen ist vorerst Schluss

Geburtshilfestation der Aiblinger RoMed-Klinik schließt - Pressekonferenz mit Landrat

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Es war eine Nachricht, die bei Bürgern und Familien im ganzen Landkreis viel Aufregung verursacht hat: Die Geburtshilfestation der RoMed Klinik Bad Aibling soll noch im August geschlossen werden (wir berichteten). Das wollen viele Menschen so nicht hinnehmen. In Leserbriefen und durch Petitionen forderten sie den Erhalt der Station. Um noch einmal für Klarheit zu sorgen, luden jetzt Landrat Wolfgang Berthaler und die Verantwortlichen der RoMed Kliniken zur Pressekonferenz (unser Foto) …

Zuerst musste er seinem Ärger Luft verschaffen. Landrat Wolfgang Berthaler bemängelte die seiner Meinung nach unsachlichen Berichte, die zu dem Thema in einigen Medien zu lesen waren. „Da ging es manchmal auch unter die Gürtellinie“, sagte er.

Damit jetzt mehr Infos zur geplanten Schließung der Geburtshilfe in Bad Aibling in die Öffentlichkeit gelangen, wollten er sowie Peter Lenz (Geschäftsführer der RoMed Kliniken), Dr. Armin Zettl (Gynäkologe und Belegarzt in der RoMed Klinik), Simone Donhauser (Sprecherin der Aiblinger Beleghebammen), Dr. Guido Pfeiffer (Ärztlicher Direktor RoMed Klinik Bad Aibling) und Dr. Christoph Knote (Medizinischer Direktor der RoMed Kliniken) ihre Gründe darlegen, wieso eine Schließung derzeit nicht zu verhindern sei.

Deshalb stellte Berthaler auch gleich klar: „Es gibt ab dem 15. August auf jeden Fall eine vorübergehende Schließung.“

Denn momentan müssen zwei Belegärzte und fünf Hebammen in Bad Aibling die Rund-um-die-Ihr-Versorgung leisten, was so nicht möglich sei. Doch der Landrat versprach auch: „Wir arbeiten wirklich ernsthaft an Lösungen, damit in Bad Aibling wieder Geburtshilfe geleistet werden kann.“

„Wir brauchen viel Qualität auf der Station“

Dass dies ein schwieriges Unterfangen sei, bestätigt auch Dr. Guido Pfeiffer. „Geburtshilfe ist etwas Schönes, aber auch etwas ganz Besonderes, denn hier kann es schnell um Leben und Tod gehen. Deshalb brauchen wir viel Qualität auf der Station. Und so ist es schwierig, geeignete Belegärzte und Hebammen zu bekommen. Das ist übrigens nicht nur in Bad Aibling so.“

Einer dieser Belegärzte, die schon lange an der Aiblinger RoMed Klinik arbeiten, ist Dr. Armin Zettl. Er beschreibt die Lage im Kollegenkreis so: „Es gibt nur noch wenig Gynäkologen, die den Bereich Geburtshilfe wählen. Das erfordert nämlich viel Verantwortung, Engagement und Präsenz.“

Viele Gynäkologen müssten durch die Arbeit in der Geburtshilfe Schichtdienst leisten, da bleibe nicht mehr viel Zeit fürs Privatleben, und so etwas wollten sich heute viele junge Ärzte nicht mehr antun.

Zumal es auch finanziell nicht lukrativ sei. „Wir Belegärzte bezahlen im Jahr rund 36.000 Euro an Haftpflichtversicherung. Jungen Kollegen empfehlen die Versicherungen noch höhere Policen, die dann 84.000 Euro im Jahr ausmachen. Das kann niemand zahlen, das rechnet sich nicht.“

Dass dies kein alleiniges Aiblinger Problem sei, das verdeutlichte Zettl dann mit deutschlandweiten Zahlen: „Vor zehn Jahren gab es in Deutschland noch 1500 Belegärzte. Heute sind es gerade mal noch 300.“

„So können wir nicht mehr arbeiten“

Wo wenig Ärzte sind, da bleiben auch die Hebammen aus.

Denn das Thema Sicherheit und Perspektive spiele auch bei möglichen Kandidatinnen auf offene Stellen eine große Rolle, wie Hebammensprecherin Simone Donhauser anmerkte. „Eine Hebamme kann sich heutzutage aussuchen, wo sie denn arbeitet. Da prüft sie schon, ob die Klinik ihr eine Perspektive bieten kann, wie sicher denn die Lage im Haus ist. Und da hat Bad Aibling derzeit schlechte Karten.“

Donhauser, die sehr gerne Geburtshilfe mache, bedauert es sehr, dass sie diesen Schritt tun mussten. Doch: „Im vergangenen Jahr haben uns sechs Kolleginnen verlassen und nur zwei sind dazu gekommen. Deshalb sind wir zur Geschäftsführung gegangen und haben ihr gesagt: So können wir jetzt nicht mehr arbeiten.“

Wie sowohl Berthaler als auch Donhauser betonten: An mehr Geld liege es nicht. Selbst wenn die Hebammen mehr bekommen würden – der Dienst sei in dieser Minimalbesetzung einfach nicht mehr leistbar.

„Eine Geburt ist eine sehr persönliche Angelegenheit“

Dr. Guido Pfeiffer wehrte sich gegen den schon öfters erhobenen Vorwurf, nicht genügend um neues Personal geworben zu haben. „Wir haben Stellen in Spezialzeitschriften ausgeschrieben, auch international. Ich habe meine Kontakte bis nach Südtirol spielen lassen, doch es ist derzeit schwierig gute Geburtshelfer zu bekommen – ob Hebammen oder Ärzte. Pfeiffer: „Wichtig ist auch, dass sie gut deutsch sprechen, denn eine Geburt ist eine sehr private und persönliche Angelegenheit, da muss man auch Zwischentöne verstehen.“

Christoph Knote sieht ein weiteres Problem in der zunehmenden Spezialisierung der Medizin. „Gynäkologen können sich da auf einen Bereich beschränken, der nicht so stressig ist“ sagte der Medizinische Direktor. Chirurgische Eingriffe oder onkologische Behandlungen sind eben besser planbar als Geburten und selten mit Extra-Dienst verbunden.

„Auch in Rosenheim und Wasserburg ist man am Limit“

Als Geschäftsführer der RoMed-Kliniken ist es Peter Lenz wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Ursachen für die Schließung in Bad Aibling nicht wirtschaftlicher Natur sind.

Er plädierte dafür, an einer Lösung zu arbeiten, bei der alle Standorte der RoMed-Kliniken berücksichtigt werden. „Wir müssen hier überall Versorgungsstrukturen nachhaltig aufbauen. Es ist ohnehin nicht so einfach, den Wegfall von Bad Aibling überall aufzufangen. Auch in Rosenheim und Wasserburg ist man am Limit.“

Sein Lösungsvorschlag für Bad Aibling: „Wir müssen hier noch Belegärzte, Kinderärzte und Hebammen suchen. In dieser Reihenfolge. Denn erst, wenn auch die kinderärztliche Versorgungsstruktur verbessert ist, haben wir die Möglichkeit, Hebammen zu gewinnen. Man muss den Hebammen Perspektiven bieten können!“

Dass so ein Lösungskonzept nicht über Nacht greife, sei auch klar. Laut Einschätzung von Peter Lenz dauert das bis frühestens Mitte November. „Und dann kommen die Ärzte auch nicht sofort – das braucht mindestens ein halbes Jahr.“

Wolfgang Berthaler machte noch einmal klar, dass der Landkreis großes Interesse daran habe, die Kliniken in einem guten Zustand zu erhalten. Das ließe er sich auch was kosten: „Wir investieren 20 Millionen in Bad Aibling, 50 Millionen in Prien und 80 Millionen in Wasserburg“, sagte er. „Den rund 330.000 Menschen im Landkreis wollen wir die bestmögliche medizinische Versorgung bieten.“

Lenz fügte zum Schluss noch hinzu: „Es ist mehr als bedauerlich, dass wir die Geburtshilfe in Aibling einstellen müssen. Denn die  Klinik hat eine tolle Entwicklung eingenommen. Viele Patienten entscheiden sich bewusst für dieses Haus.“ Er stellte jedoch auch klar: „Wenn es ab dem 15. August keine Geburtshilfe mehr in Bad Aibling gibt, so werden hier doch weiterhin gynäkologische chirurgische Eingriffe gemacht.“

Unser Foto ganz oben zeigt von links Priv. Doz. Dr. Christoph Knote (Med. Direktor RoMed Kliniken), Simone Donhauser (Hebammensprecherin Bad Aibling), Peter Lenz (Geschäftsführer RoMed Kliniken), Landrat Wolfgang Berthaler, Dr. Guido Pfeiffer (Ärztlicher Direktor RoMed Klinik Bad Aibling), Dr. Armin Zettl (Gynäkologe und Belegarzt an der RoMed Klinik Bad Aibling).

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