Als Zweibeiner ständig in Bewegung

Griesstätter Nandus führen ein Leben im Laufschritt

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TitelbildkFeld/Griesstätt – Stets auf Trab gehen sie Tag für Tag ihr fast 3000 Quadratmeter großes Revier ab. Hinsetzen tut sich ein Nandu nur zum Schlafen. Für den Laien scheint es, als ob der Laufvogel nervös sei, immer bereit zu flüchten. „Die Tiere sind zwar Fluchttiere, haben jedoch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h einen unglaublichen Bewegungsdrang. Wenn sie zu wenig laufen, werden sie fußkrank“, klärt Besitzer Sigi Maier aus Feld bei Griesstätt auf.

„Schon die 20 Zentimeter großen Küken rennen „im Schweinsgalopp“ der Mama nach“, erzählt Maier grinsend mit einem Blick auf seine sieben Laufvögel, unter denen auch ein weißer Albino-Nandu im Gehege auf und ab stapft. Die Idee, eine Nanduzucht aufzubauen, kam ihm im Jahre 2008, als Maier in Oberfeldkirchen Kamerunschafe kaufte und dort erstmals lebende Nandus sah. „An diesem Tag habe ich mein Herz für die Vögel entdeckt, allein schon aufgrund der schönen langen Wimpern“, erläutert Maier. Die Schafe- und auch Ziegenzucht in Feld habe er dann rasch aufgegeben, „die haben mir eh viel zu laut geschrien“, lacht er. „Und Nandus sind ja doch eher ruhige Zeitgenossen, wenn man einmal von der stetigen Lauferei absieht.“ Seitdem holt Maier seine 1,40 Meter großen Vögel aus ganz Süddeutschland, auch ein sächsischer Nandu ist dabei. Nandus gehören zur Ordnung der Laufvögel und kommen ursprünglich aus Südamerika.

Mittlerweile sind die Tiere aber in Deutschland als Neozoon (Tierarten, die vom Menschen in ursprünglich nicht heimische Gebiete eingeführt wurden) etabliert. Von Gras über Blättern bis hin zu Unkraut frisst der Nandu, der bis zu 20 Jahre alt werden kann, was er gerade findet. „Auch Insekten oder sogar Äpfel verachten die Vögel nicht“, sagt Maier. Zwischen den zwei Hähnen gebe es hin und wieder Revierkämpfe um die fünf Hennen. „Lebten die beiden Hähne in freier Wildbahn, wäre einer bereits vertrieben worden.“

Prinzipiell seien die Tiere von Sigi Maier zwar harmlos, doch fühlt sich ein Nandu bedroht, kann es durchaus passieren, „dass der Vogel mit den Füßen voran wie ein Kickboxer einen Eindringling in aggressiver Art und Weise angreift. Er könnte einen Menschen mit seinen scharfen Krallen sogar aufschlitzen“, warnt der Besitzer. Statt Streicheln also besser Finger weg! In ihrem Freilaufgehege mit Unterstall, den die grauen Vögel ganzjährig nutzen, finden sich neben den Hinterlassenschaften – halb so groß wie ein Kuhfladen und im Volksmund auch „Tretminen“ genannt – zwischen den Monaten März und Juli auch immer wieder etwa 15 Zentimeter große, gelbliche Eier. „Da passen von der Menge her etwa 10 bis 12 Hühnereier rein“, erklärt Maier. „Ein Hahn hält sich ein ganzes Harem an Hennen“, schmunzelt Maier. „Nach und nach legen die Hennen ihre Eier in eine Mulde – der Hahn persönlich brütet den Nachwuchs dann in 40 Tagen aus.“ Die Naturbrut wie auch die Eier verkauft Maier auf seinem Hof. Bevorzugtes Rezept? „Gibt es nicht! Aus einem Nanduei kann man nach belieben Rührei, Spiegelei oder auch ein Omelett für die ganze Familie machen“, so Maier. „Im Geschmack unterscheiden sie sich nur minimal von Hühnereiern.“

Die Nandus sind Sigi Maiers Hobby und Leidenschaft gleichermaßen. „Viel anfangen kann man zwar nicht mit den Tieren“, meint er, „streicheln oder an die Leine nehmen zum Gassi-Gehen lassen sie sich gar nicht.“ Aber ab und an, da hätten die Tiere eine sehr freche Phase. „Wer sich zu nah an den Zaun der Vögel nähert, dem kann es passieren, dass ein Nandu heranläuft und ihm in Windeseile einen Jackenknopf abreißt“, schmunzelt Maier. „Und manchmal rennen sie in Höchstgeschwindigkeit wie von der Tarantel gestochen durch ihr Gehege und schlagen blitzschnelle 90-Grad-Haken. Das ist schon sehr witzig anzuschauen“, lacht Maier.

Ein Nandu sei ihm sogar einmal abgehauen – und dann nach sechs Tagen im Inn-Salzach-Klinikum in der Forensik gelandet. „Ich vermute, er hat sich im Inn treiben lassen, bis er in Wasserburg ankam …“, meint der Besitzer. Interessant und unterhaltsam, aber auf keinen Fall zu unterschätzen – das sind die Nandus von Sigi Maier in Feld mit ihrem entspanntem Leben im Laufschritt …

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