Hinterlässt Spuren: Christian Springer!

Tosender Applaus für bemerkenswerten, etwas anderen Kabarett-Abend beim SV Forsting

Die Flüchtlingskrise hat Spuren hinterlassen bei Christian Springer, dem Münchener Kabarettisten, der gefühlt fast jede Woche in den Libanon reist, um dort zu helfen. „Trotzdem“ hat der Künstler sein Programm genannt, das er jetzt im Rahmen der Jubiläums-Feierlichkeiten des SV Forsting-Pfaffing seinem zahlreich erschienenen Publikum im Brauereistadl vorstellte. Keine Schenkelklopfer, die nacheinander folgten – es ging um wahre Werte, um Integration, um deutsche und bayerische Kultur – und um die Dankbarkeit im Frieden leben zu können. Aber auch wenn vieles bitterernst ist, gelang es Springer in Forsting immer wieder, mit warmem Humor sein Publikum zum Lachen zu bringen …

… wie unsere Fotos beweisen.

Egal, ob es um das Wort und die Tradition eines typisch deutschen „Sonntagsspazierganges“ gehe – den überhaupt niemand sonst so auf der Welt kenne wie wir, man erinnere sich nur an die Siesta der südlichen Länder – oder ob es um das vermeintlich Deutscheste der Deutschen, die Nationalhymne gehe. Man verlange schon lang von Menschen, die sich integrieren wollten, das Lied zu kennen und auch singen zu können. Da sollte man sich schon auch a bissal damit auskennen.

Überall werde Integration eingefordert. Deswegen wollte er, dass auch Forsting an diesem Abend unsere Kultur ein bisserl übe. Ständig werde über deutsche Leitkultur geredet – ganz besonders jetzt in den Zeiten der Wahlen – aber keiner habe eine Ahnung, was das überhaupt sei. Womit könnte man da besser beginnen, als mit dem Deutschlandlied? Künstler und Publikum in Forsting sangen nun – natürlich stehend – gemeinsam die Nationalhymne. Hinter der Nummer steckte – eh klar – ein hinterlistiger Gedanke: Schau ma moi, wer unter den Zuschauern die Hymne wirklich drauf hat.
Hm, nur wie deutsch ist unsere Hymne?

„Wissen Sie das eigentlich: Geschrieben hat den Text der Fallersleben in England, also Helgoland, aber das war damals britisch.“ Die Hymne habe der Österreicher Haydn komponiert, wobei es die Melodie ja schon gegeben habe – als Kaiserhymne. „Gott erhalte Franz den Kaiser“ würde heute aber auch … bei all den FIFA-Skandalen – ois also a bissal schwierig.

Forstings Sportvereins-Vorstand Dr. Andreas Glas reichte Kabarettist Christian Springer eine Forsting-Hoibe … damit er ned verdurscht.

Und jetzt komme das Höchste: Auch die Melodie habe Haydn geklaut. „Das ist ein kroatisches Volkslied, das heißt ‚Frühmorgens bin ich aufgewacht‘.“ Jetzt habe man das den kroatischen Flüchtlingen damals in die Hand gedrückt. „So – auswendig lernen, singen!“ Und die haben dann gesagt: Ihr Deppen, das ist ja unser Volkslied.“

Auch wenn es dem Springer gerade im zweiten Teil oft scheinbar mehr um die wahre Wissensvermittlung geht, das Kabarett immer wieder mal in den Hintergrund tritt: Er wagt mutige Kleinkunst um eine deutsche Selbstvergewisserung – in einer Gesellschaft, die endlich erkennen solle, dass sie schon immer multikulti war.

Die CSU hat es ihm da ganz besonders angetan – oder eben eher nicht. „Ich habe damals so viel geschoben und gestohlen, dass ich nicht mehr aus dem Gefängnis rausgekommen wäre, wenn es nach Recht und Gesetz gegangen wäre.“ Das Zitat stimme. Nur komme es nicht von einem Flüchtling – sondern vom Landesvater Franz Josef Strauß. Erinnerte er.

Viele persönliche Geschichten waren in seinem Programm – Springer erzählte lebhaft, schnell und nachhaltig. Als er einmal vom Libanon nach Hause zurückkam, brachte ihn die Meldung von Horst Seehofers Äußerung, Deutschlands Kapazitäten für die Aufnahme von Flüchtlingen seien derzeit erschöpft, so auf die Palme, dass er dem Bayerischen Ministerpräsidenten spontan einen langen Brief schrieb. Der ist jetzt 80-seitig auch im Buchhandel erhältlich. Ein paar Mal zitierte er daraus. Und nach dem Auftritt in Forsting war das Büchlein – signiert vom Kabarettisten – erhältlich (auf unserem Bild links Christian Springer mit Hausherr und Brauereichef Schorsch Lettl).

Der auf der Bühne stetig hin und her rennende Münchner Satiriker ist ein nahezu hoffnungsloser Fall, wenn es um Gerechtigkeitssinn und Idealismus geht. Viel hat er zu sagen, viel möchte er seinem Publikum mitgeben: Wie ein Wasserfall sprudelt es aus ihm hervor – und doch so erstaunlich verständlich. Nachdenklich stimmend sowieso …

Zum Ende wird Christian Springer noch ein wenig ernster, die Stimme leiser. Auch wenn der ein oder andere denke, er könne die Welt nicht verändern – doch, er könne zumindest zufriedener sein und auf einem guten Weg gehen. Nicht nur am Sonntag. Er appellierte an sein Forstinger Publikum, Haltung im Leben zu zeigen. Vor allem: TROTZDEM!

Tosender Applaus für einen bemerkenswerten, etwas anderen Kabarett-Abend beim SV Forsting-Pfaffing …

Fotos: Renate Drax

 

 

 

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